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E-Mobilität: Der Volkswagen-CEO erkennt den Ernst der Lage – aber reicht das für die VW-Aktie?

Volkswagen ID.3
Quelle: Volkswagen AG

Der CEO von Volkswagen (WKN: 766403), Herbert Diess, polarisiert die Automobilindustrie wie kaum ein zweiter. Sein radikaler Elektroauto-Kurs ist umstritten. Dabei stellt der harte Umbruch eine absolute Notwendigkeit dar – auch für den Kurs der VW-Aktie.

Herbert Diess steuert Volkswagen ohne Servolenkung

Vor Kurzem berichtete das Handelsblatt über einen Eklat bei einer Sitzung des Volkswagen-Aufsichtsrats. Diess warnte vor einem Verlust von bis zu 30.000 Arbeitsplätzen in der VW-Kernmarke durch den Wandel zur Elektromobilität. Insbesondere das „Hauptstadtwerk“ in Wolfsburg, das bisher noch nicht auf Elektroautos umgerüstet worden sei, könne empfindlich getroffen werden.

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Der CEO hat recht: Jeder Autohersteller, der den Umbau zur Elektromobilität nicht mit vollster Entschlossenheit angeht, riskiert 100 % seiner Arbeitsplätze. Bis vor Kurzem war es der übermächtige Betriebsratschef Bernd Osterloh, der die Notwendigkeit des Wandels nicht wahrhaben wollte. Nun ist der Aufsichtsrat Volkswagens von Diess’ klarer Sprache entsetzt.

Diese Auseinandersetzungen zeigen, wie schwer es für Diess ist, das Top-Management – ganz zu schweigen vom gesamten Volkswagen-Konzern – auf die richtige Linie zu bringen. Nichts weniger als die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Volkswagens steht auf dem Spiel. Und damit auch die zukünftige Performance der VW-Aktie.

Der CEO sieht die Konkurrenz davonziehen

Ebendiese Wettbewerbsfähigkeit scheint Volkswagen abhandengekommen. Tesla (WKN: A1CX3T) baue seine Elektroautos drei Mal schneller als Volkswagen, sagte VW-Markenchef Ralf Brandstätter kürzlich. Weiterhin ist die Wertschöpfung je Mitarbeiter bei den Amerikanern deutlich höher. So produzieren die 25.000 Mitarbeiter im Wolfsburger Stammwerk jährlich etwa 700.000 Autos im Jahr. Teslas neue Gigafactory bei Berlin ist auf 500.000 Fahrzeuge ausgelegt und wird 12.000 Mitarbeiter beschäftigen und ist damit etwa 50 % effizienter.

Was Volkswagen und der VW-Aktie bevorstehen könnte, wenn die Transformation nicht gelingt, können wir am Beispiel Nokia erkennen. Zwischen 2007 und 2012 fiel der Gesamtumsatz um 40 %, da das finnische Unternehmen den Smartphone-Trend verpasst hatte. Zwar dürfte der Wandel in der Automobilbranche mit ihren langen Produktlebenszeiten und den komplexen Wertschöpfungsketten etwas langsamer vonstattengehen. Doch die Richtung ist klar.

Projekt Trinity als Hoffnung für die VW-Aktie

Die große Hoffnung für Investoren der VW-Aktie wartet ab 2026. Dann soll eine neue Autogeneration namens „Trinity“ an den Start gehen, die Volkswagen eine deutlich geringere Fertigungskomplexität und gleichzeitig eine höhere Effizienz bescheren soll. Weiterhin setzt der Wolfsburger Konzern im großen Stil auf Software und andere Trends, die die Elektroautoproduktion zu einem sehr profitablen Geschäft machen könnten. Das Vorbild heißt einmal mehr Tesla. Doch der Weg dorthin ist lang. Eine Volkswagen-Führungskraft sagte dem Handelsblatt kürzlich, man befinde sich bei Trinity noch in der Phase der Ideenfindung.

Während Volkswagen noch brainstormt, wird Tesla demnächst die Testproduktion in der neuen Gigafactory einleiten. Ein Jahr später soll die Fabrik, inklusive eigener Batterieproduktion, auf voller Auslastung laufen. Dabei profitiert Tesla schon heute von all den Vorzügen, die Trinity eines Tages bringen soll: möglichst wenige Fahrzeugvarianten, Karosserie aus einem Guss, und so weiter.

Diess hat die Notwendigkeit eines schnellen und harten Konzernumbaus erkannt. Viel schwieriger wird es sein, die restliche Führungsebene, alle Mitarbeiter und auch Strukturen, Prozesse und Kultur auf Zukunft auszurichten. Volkswagen scheint heute die richtigen Schritte zu gehen. Doch es ist nicht ausgemacht, dass sich der Konzern an der Weltspitze der Automobilindustrie halten können wird.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla und Volkswagen AG.

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