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Nach Coronakrise und Börsen-Boom – der Tsunami ist am Wendepunkt

Tsunami-Warnung
Bild: Ralf Anders

Wenn ich über die Corona-Pandemie als einschneidendes Lebensereignis nachdenke, dann kommt mir das Bild einer Tsunami-Katastrophe in den Sinn. Schließlich lassen sich viele Parallelen ziehen, angefangen beim Auslöser.

Tief vom Landesinneren Chinas aus startete die Infektionswelle unvorhersehbar und mit gewaltiger Kraft rund um die Welt. Tief unten am Meeresboden sind es geologische Verwerfungen, welche urplötzlich riesige Wassermassen anheben, woraufhin Wellen gnadenlos in Richtung Küsten zusteuern.

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Man kann darüber streiten, wie weit die Analogie trägt. Es könnte jedoch aufschlussreich sein, die Metapher der Tsunami-Welle auf die wirtschaftlichen Effekte der Coronakrise zu übertragen, um die Börsenwelt zwischen Boom und Crash besser zu verstehen.

Bei einem Tsunami gibt es nach der vorgenannten Erderschütterung im Wesentlichen drei Phasen:

  1. das Auftürmen oberhalb des Ereignisses, welches an den Küsten zum Zurückweichen des Wassers führt,
  2. die alles überspülende Tsunami-Welle und
  3. das Zurückfließen des Wassers ins Meer.

Die große Frage ist dann, wie sich diese drei Phasen auf unsere wirtschaftliche Realität übertragen lassen.

Wo stehen wir heute?

Der erste Punkt ist relativ einfach. Die plötzliche Ebbe (eigentlich der Tiefpunkt der heranrollenden Welle) ist ein Panikereignis, ähnlich wie das plötzliche Bewusstsein, dass eine tödliche Infektionskrankheit im Anmarsch ist und Ausgangssperren bevorstehen. Vor eineinhalb Jahren führte letzteres in vielen Ländern zu leeren Supermarktregalen, während Gastwirtschaft, Transport und Unterhaltungsindustrie vor dem Ruin standen.

Diese Phase war folglich vor allem von Verunsicherung und Stillstand geprägt, was an der Börse an den eingebrochenen Kursen abzulesen war. Es folgte die zerstörerische „Tsunami-Welle“.

Was genau zerstörte sie nach der ersten Schockstarre der Coronakrise aus wirtschaftlicher Sicht?

Naheliegend wäre eine Pleitewelle gewesen, die jedoch in der Breite nie eingetreten ist. Etwas anderes hingegen wurde zerstört — oder besser gesagt, aufgebrochen: eingefahrene Strukturen. Auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft schwappte eine Welle an neuen Anforderungen zu. Wer besonders betroffen war — Küstenbewohner sozusagen — musste schauen, dass er sehr schnell eine höhere Ebene erreicht, um nicht überspült zu werden.

Restaurants schlossen sich mit Lieferdiensten zusammen, Unternehmen setzten auf Homeoffice wie nie zuvor und der Unterricht wurde virtuell. All diese Veränderungen erzeugten weltweit einen gewaltigen Nachfragesog. Notebooks, um arbeitsfähig zu sein, zum Beispiel. Oder Spielkonsolen, Videostreaming und Einrichtungsgegenstände, um es zumindest zuhause schön zu haben, wenn schon der Urlaub ausfallen muss.

Hinzu kommen Milliardeninvestitionen in Luftfilter, Desinfektionsanlagen, Impfstoffe, Labor- und Medizintechnik. Und Regierungen legten Infrastrukturprogramme auf. Eine der Folgen dieses Nachfragesogs besteht in den Problemen in den weltweiten Lieferketten, insbesondere der anhaltenden Chip-Knappheit. Auch die stark gestiegenen Preise für Industrierohstoffe sind ein klares Indiz.

Mittlerweile sind die Impfkampagnen in den meisten großen Wirtschaftsräumen weit vorangeschritten und die notwendigen Anpassungen bei großen und kleinen Wirtschaftsbetrieben erfolgt. Viele Unternehmen sind einen großen Schritt in Richtung Digitalisierung vorangekommen und heute deutlich flexibler aufgestellt.

Selbst, wenn uns Corona noch eine Zeitlang beschäftigen wird, könnte man wohl sagen, dass die Tsunami-Welle durch ist. Ich würde schätzen, dass wir uns aktuell sehr nah am Wendepunkt befinden, wo das Wasser wieder den Weg Richtung Meer sucht.

… und was könnte uns noch bevorstehen?

Phase 1 war Verunsicherung und Stillstand, die Börsen brachen ein. In Phase 2 erlebten wir disruptive Veränderungen, Impfstoffhoffnung und einen sehr speziellen Nachfragesog in Verbindung mit einem Aktienboom, wie wir ihn zuletzt 1999 gesehen haben.

Was also bringt Phase 3, in der das Überspülte wieder freigelegt wird? Was wird verrotten, was wieder aufgebaut? Fallen wir zurück in alte Denkschemata oder nehmen wir den Schwung der Disruption mit in die neue Normalität?

Der Handlungsdruck wird geringer. Der Nachfragsog wird sich auflösen — oder auf neue Bereiche verlagern. In jeder Phase gab es große Gewinner. Zunächst medizinisch dringliche Dinge wie Beatmungsgeräte und dann wirtschaftlich wichtige Dinge wie Videokonferenzsoftware oder Cloudressourcen.

Ob auf den erstaunlichen Boom ein Crash folgt, der wie die zurückfließenden Wassermassen vieles mit sich in das Meer reißt, vermag ich nicht zu sagen. Doch mit Turbulenzen ist zu rechnen. Auf der anderen Seite ist sicher, dass es auch in der dritten Phase wieder großartige Chancen an der Börse geben wird.

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