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1 Technologie, um Wasserstoff und Graphen auf einmal billiger herzustellen: Sollten Anleger hier investieren?

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Foto: Getty Images

Ein kanadisches Unternehmen behauptet, bei der Massenherstellung von Wasserstoff und Graphen die Nase vorn zu haben. Per Detonation in einer Druckkammer entsteht etwas, das alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll.

Das würde einerseits den Startschuss für Hunderte aussichtsreiche Graphen-Anwendungen darstellen und andererseits die Zukunft der gerade erst aufkeimenden Wasserstoff-Elektrolyse rund um Anlagenbauer wie NEL (WKN: A0B733) ernsthaft bedrohen. Vorausschauende Anleger halten also besser die Augen offen, um nicht böse überrascht zu werden.

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Massengefertigtes Graphen, der heilige Gral

Schon bald nachdem Fachmedien vor 17 Jahren erstmals von der gelungenen Herstellung von stabilen Graphenflocken berichteten, zählte es zu den Wundermaterialien. Es hat einfach in nahezu jeder Hinsicht herausragende Eigenschaften. Über die Jahre ist die Anzahl der vorgeschlagenen Anwendungen explodiert. Von Energie- und Datenspeichern mit irrsinniger Dichte über revolutionäre Medizintechnik bis hin zu Supraleitung und neuartigen Halbleiter-Schaltkreisen reicht das Spektrum.

Zuletzt konnte man wieder häufiger von technologischen Durchbrüchen lesen. Immer mehr Unternehmen scheinen sich auf eine bevorstehende Industrialisierung vorzubereiten. Kleinere Spezialisten sind eifrig dabei, Kapital einzusammeln. Auch deutsche Wissenschaftler lassen beim Thema Graphen immer mal wieder aufhorchen.

Kürzlich entdeckten zum Beispiel Forscher der Universität Marburg ein zweidimensionales Carbon-Material mit alternativer Struktur und zum Teil völlig anderen Eigenschaften. Die Maschinenbauer von Aixtron (WKN: A0WMPJ) wiederum hoffen, mit ihrer Dampfabscheidungstechnologie einen entscheidenden Beitrag liefern zu können.

Aber es gibt auch andere Verfahren. HydroGraph Clean Power behauptet, eine bessere Idee zu haben.

Das steckt hinter diesem Graphen- und Wasserstoff-Unternehmen

HydroGraph Clean Power wurde 2017 gegründet, um einen kostengünstigen Prozess für die Massenherstellung von Graphen zu industrialisieren und das Produkt in spezifische Anwendungen zu überführen. Dabei geht es um eine sogenannte Detonationsmethode, die Forscher an der staatlichen Universität von Kansas patentiert hatten. Sie detonierten Ethin (Summenformel: C2H2) und Sauerstoff in einer Kammer per Ottomotor-Zündkerze, um hochwertige Graphenflocken in Grammmengen zu erzeugen.

Soweit es gelingt, diesen Prozess vom Labormaßstab zu skalieren und dabei kostengünstig Graphen in guter Qualität zu erhalten, wäre das ein Riesending. Hinzu kommt, dass diese Methode sich auch dazu verwenden lässt, aus den preiswerten Eingangsstoffen Methan und Sauerstoff Synthesegas zu erzeugen und in einem zweiten Schritt reinen Wasserstoff zu extrahieren.

HydroGraph besitzt die weltweite exklusive Lizenz für den Prozess und gibt sich überzeugt, dass man kostenseitig der Konkurrenz weit voraus sei. Der Prozess benötige kaum Energie und keine weiteren Chemikalien.

Im Mai 2021 warb das Unternehmen erfolgreich 6,5 Mio. US-Dollar bei zwei Investoren ein. Mit dem Geld sollen in Kansas eine Produktionsstätte und in Ontario (Kanada) ein Forschungszentrum entstehen, mit dem Schwerpunkt Batterien und Superkondensatoren. Als nächsten Schritt strebt das Management ein direktes Listing an der kanadischen Börse an. Schon bald könnten wir also in HydroGraph investieren.

Wie Anleger damit umgehen sollten

Die kanadische Start-up-Szene ist bekannt dafür, dass sie schnell auf spannende Themen aufspringt, passende Unternehmen schafft und für den Börsengang vorbereitet. Mit reißerischen Kampagnen werden dann Privatanleger dazu verleitet, die Story zu kaufen und den begleitenden Finanzdienstleistern die Aktien für gutes Geld abzunehmen.

Auch HydroGraph Clean Power könnte möglicherweise in diese Kategorie fallen. Dass die US-amerikanische Herstellungsmethode in den USA keinen Investor gefunden hat, macht mich jedenfalls stutzig. Auch das Management wirkt zusammengetrommelt. Der früher in Karlsruhe und im Saarland forschende Professor Stefan Bossmann ist zum Beispiel eigentlich für seine Erkenntnisse im Bereich Nanopartikel für die Krebsforschung bekannt. Bei HydroGraph gilt er hingegen als leitender Chemieforscher „mit 14 Patenten“.

President David Morris ist ein Serien-Entrepreneur, der eine ganze Reihe von Unternehmen leitet. Auch die Umbenennung von Carbon-2D Graphene Inc. in HydroGraph, um noch den Wasserstoff-Hype mitzunehmen, weckt bei mir nicht gerade Vertrauen. Und wenn man sich Videos von dem Prozess ansieht, dann wirkt das Ergebnis eher wie simples Kohlenstoffpulver. Ob dort wirklich so viel erstklassiges Graphen dabei ist, wird sich noch zeigen müssen.

Oder sehe ich das alles falsch? Hier geht es schließlich um Hightech-Wissenschaft außerhalb meines Kompetenzbereichs, sodass ich mir kein abschließendes Urteil erlauben kann. Vielleicht unterschätze ich die Technologie und sie ist wirklich revolutionär. Aber wenn ich in ein solches Unternehmen ernsthaft investieren würde, würde ich mich nicht auf Unternehmensangaben und einige reißerische Artikel verlassen.

Mein Fazit

Dennoch ist es ein Weckruf für Aktionäre von NEL und Co. Für die Herstellung von Wasserstoff gibt es Dutzende Methoden. Die beiden Elektrolysetechniken von NEL, also PEM und Alkali, sind nur zwei davon. Ob sie in zehn bis zwanzig Jahren immer noch zu den bevorzugten Technologien gehören, ist zwar angesichts des Vorsprungs wahrscheinlich, aber nicht sicher. Und Graphen ist sicherlich ein Thema, dass noch für die ein oder andere Überraschung gut ist — und irgendwann auch Anleger mit guter Spürnase reich machen wird.

Derweil würde ich eher in erprobte Small-Caps mit großartigen Aussichten investieren.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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