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Siemens-Aktie nach dem Kapitalmarkttag 2021: Roland Busch wird noch unterschätzt

Siemens CEO Roland Busch
Bild: Siemens AG

Siemens (WKN: 723610) kommt aus einer Position der Stärke aus der Corona-Krise heraus. Das kann man nicht nur am Aktienkurs ablesen. Auf dem Siemens Capital Market Day 2021 präsentierte das Management jüngste Erfolge und gab einen Ausblick auf die weitere strategische Entwicklung. Würde Roland Busch auch neue Akzente setzen? Hier ist, was mir aufgefallen ist.

Kerntechnologien werden immer dominanter

Es hat sich bei Joe Kaeser bereits angedeutet. Doch Roland Busch streicht es ganz prominent heraus: Bei Siemens spielt die Musik nun bei den Kerntechnologien. Gleich 14 davon sind bereits definiert und es sollen wohl noch mehr werden. Das Spektrum reicht von Cybersecurity und Edge-Computing über den mittlerweile berühmten digitalen Zwilling bis hin zur additiven Fertigung.

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All das zieht sich durch alle Segmente hindurch. Sie sollen die Werttreiber sein, welche am Ende die Lösungen vom Wettbewerb differenzieren. Und der Vertrieb wird dazu angehalten, Lösungen zu verkaufen, die möglichst viele Kerntechnologien beinhalten. So kamen zum Beispiel für das futuristische Leitwerk von Mercedes-Benz in Berlin Simulationstechnik und eine umfassende Vernetzung zum Einsatz.

Neben den drei zu 100 % zum Konzern gehörenden Segmenten haben auch die Beteiligung Siemens Energy (WKN: SGAP07) samt Siemens Gamesa (WKN: A0B5Z8) sowie die ebenfalls börsennotierte Tochter Siemens Healthineers (WKN: SHL100) über vertragliche Beziehungen Zugriff auf diese Kerntechnologien. Das bedeutet, dass die hohen Investitionen in Hightech-Fähigkeiten sich auf vielfältige Geschäftsaktivitäten verteilen, wodurch unter dem Konzerndach massive Größenvorteile geschöpft werden.

Siemens ist sein wichtigster Kunde

Dabei ist wichtig zu verstehen, dass diese Kerntechnologien nicht nur immer stärker bei Kundenprojekten zum Einsatz kommen. Vielmehr bedienen sich die Geschäftsbereiche in großem Umfang aus dem Fundus der Kerntechnologien, um selbst besser zu werden.

So nutzt die Mobility-Sparte zum Beispiel die Simulationssoftware dafür, um Züge zu entwickeln, die 25 % effizienter und 30 % weniger wartungsintensiv sind. Bei der Turbinenfertigung kommt 3D-Drucktechnik zum Einsatz und Komponentenwerke werden mit Industrie-4.0-Technik aufgerüstet.

Das hat zwei Vorteile: Erstens bessere Produkte durch den Einsatz der Kerntechnologien in der Entwicklung und Fertigung; zweitens bekommen die Entwickler der Kerntechnologien kontinuierliches Feedback zu deren Praxistauglichkeit und Effektivität. So entsteht eine positive Wechselwirkung, die in immer neuen Iterationen für Verbesserungen sorgt. Ich sehe darin einen klaren Vorteil gegenüber reinen Anbietern von beispielsweise Software oder Automatisierungstechnik.

Das Siemens-Management erwartet mehrstufiges Wachstum

Nun ist es so, dass die angestammten Märkte von Siemens kaum schneller wachsen als die Weltbevölkerung. Das ist zu wenig für die Ambitionen des Managements. Doch es hat mehrere Instrumente in der Hand, um für Beschleunigung zu sorgen.

Zunächst wird sich Siemens voraussichtlich gut im Wettbewerb behaupten können dank des effektiven Einsatzes der Kerntechnologien. Das sollte zu Marktanteilsgewinnen führen, zumal das Management auch bei der Internationalisierung einiger Geschäftsbereiche noch gute Potenziale sieht.

Außerdem ist geplant, ergänzende und verwandte Marktfelder zu erschließen. Dies wird häufig über Akquisitionen erfolgen, wie zuletzt bei der Übernahme des Marktplatzbetreibers Supplyframe. Zuvor stieß Siemens Healthineers mit dem wichtigen Kauf von Varian in den Bereich Strahlentherapie vor. Häufig wachsen die Zugänge schneller als der Gesamtkonzern und generieren Synergien.

Sowieso spielt das Thema Kollaboration zwischen den Geschäftsbereichen eine immer wichtigere Rolle. Bei vielen Kundenlösungen sind mehrere davon beteiligt, was durch die Beratungstochter Advanta gezielt gefördert wird. Es ist naheliegend, dass sich auf diese Weise viele Crossselling-Gelegenheiten ergeben, die das Geschäft weiter antreiben.

Software wirkt als Wachstumsbeschleuniger

Das betrifft insbesondere die Software, welche sich über die letzten Jahre in vielerlei Hinsicht zu einem Weltmarktführer gemausert hat. Zu jedem Produktverkauf kann Siemens ein Spektrum an Softwarelösungen mitverkaufen. Und da diese zunehmend im Abonnement bezogen werden, ergeben sich daraus wachsende monatliche Barmittelzuflüsse.

Besonders spannend ist dabei, dass diese Prinzipien auch auf andere Bereiche übertragen werden. Anlagentechnik wird dann nicht mehr verkauft, sondern entsprechend der Nutzung abgerechnet. Die Verbindung von vernetzter Industrie-4.0-Technik und dem Finanzdienstleistungsarm eröffnet dafür vielfältige Möglichkeiten.

Siemens will ein Tech-Powerhouse sein

Joe Kaeser hat in seiner Amtszeit die Grobarbeit geleistet. Roland Busch macht sich nun im Eiltempo an die Feinarbeit, um klare und effektive Strukturen zu schaffen. Das gefällt nicht nur mir gut, sondern fällt auch vermehrt Wallstreet-Analysten auf. Amerikanische Investoren haben gewöhnlich wenig Liebe für ausländische Konglomerate. Doch die Siemens-Aktie wirkt immer mehr wie ein Tech-Powerhouse und das macht auch dort Eindruck.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens, Siemens Energy, Siemens Gamesa und Siemens Healthineers. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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