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Shell-Urteil: Ein Warnsignal für ALLE Öl-Aktien

Pipelines mit Sonnenuntergang
Foto: Getty Images

Vor etwa einer Woche, am 26. Mai, wurde Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M) von einem niederländischen Gericht dazu verdonnert, mehr für den Klimaschutz zu tun. Konkret soll der Konzern in 2030 nur noch rund 55 % der 2019 emittierten CO2-Menge ausstoßen. Das Unternehmen ist demnach dazu verpflichtet, sein Geschäftsmodell zu ändern. Die Kosten werden gewaltig. Auch Investoren anderer Öl-Aktien sollten hier genau hinsehen.

Denn andere Produzenten werden die Lücke nicht einfach ausfüllen und sich über größere Marktanteile freuen können. Vielmehr dürfte das Urteil aus Den Haag Strahlkraft auf die gesamte Branche haben. So könnten bald ähnliche Klagen gegen andere Ölgiganten folgen. Und auch bei diesen könnten Umweltverbände und Co gute Chancen haben. Alles in allem ein verheerendes Umfeld für Öl-Aktien.

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Öl-Aktien müssen sich neu erfinden

Ölunternehmen werden also ihre Geschäftsmodelle verändern müssen, um relevant zu bleiben. Auf der Hand liegt der Wandel zum auf erneuerbare Quellen fokussierten Energiekonzern.

Doch es gibt noch weitere Optionen für Öl-Aktien. Upstream-Konzerne könnten anstatt Erdöl Rohstoffe abbauen, die für die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien nötig sind – wie Lithium, Nickel oder Graphit. Denn wenn Elektroautos den Diesel ablösen sollen und dezentrale Energiespeicher der Ersatz für Spitzenlastkraftwerke werden sollen, werden wir in den nächsten Jahren Unmengen an Batterien benötigen. Die Rohstoffe dafür sind zwar auf der Erde ausreichend vorhanden – aber irgendwer muss sie auch ausbuddeln. Upstream-Ölkonzerne haben hier sicherlich einiges Know-how, das man gut einsetzen könnte.

Midstream-Unternehmen, die derzeit Öl- und Gas-Pipelines betreiben, könnten in der gerade entstehenden Wasserstoffwirtschaft ihr Heil finden. Denn auch dieser muss über verlässliche und dichte Pipelines transportiert werden. Und Downstream-Unternehmen, die Öl zu Benzin, Kerosin und anderen Erzeugnissen verarbeiten, könnten ihren Fokus auf Biokraftstoffe oder die weitere Chemieindustrie richten. So gibt es für alle Öl-Aktien in einer zukünftigen grünen Wirtschaft irgendwo einen Platz.

Es wird teuer und ungemütlich für Aktionäre

Royal Dutch Shell und andere Öl-Aktien waren bisher vor allem als Dividendenzahler geschätzt. Doch damit könnte Schluss sein. Denn der Umbau der Geschäftsmodelle wird Milliarden verschlingen und vorübergehend die Gewinne einschmelzen. Das könnte für Aktionäre zu einem Doppelschlag werden: fallende Kurse und gekürzte Dividenden. Doch die Transformation ist notwendig und muss mit vollem Einsatz durchgeführt werden. Nur dann bietet sie die Chance, in der Energiewirtschaft der Zukunft einen größeren Marktanteil einzunehmen. Alles andere wird als Pipelinekrepierer enden.

Öl-Aktien drängen sich für mich persönlich nicht als Investment auf. Ähnlich wie etablierte Autobauer werden sie viele Investitionen zu tragen haben und werden dafür möglicherweise nicht entlohnt. Es gibt wesentlich interessantere Alternativen, um vom grünen Wandel zu profitieren.

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Christoph Gössel besitzt keine der genannten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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