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BioNTech-Aktie: Ist die Party schon vorbei, bevor es richtig losgeht?

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Foto: Getty Images

Am 28. Dezember ist die BioNTech-Aktie (WKN: A2PSR2) weiter abgerutscht. Viele Anleger bekommen jetzt kalte Füße. Doch ist die Party wirklich schon vorbei? Oder geht es mit dem Start der weltweiten Impfkampagnen nun erst richtig los?

Warum die BioNTech-Aktie einbricht

Über die letzten Monate habe ich BioNTech immer mal wieder von zwei Seiten betrachtet. Einerseits war ich wie viele Anleger fasziniert davon, wie die umsatzlose BioNTech von einem Tag auf den anderen den Weg zu kurzfristigen Milliardenumsätzen eingeschlagen hat. Die Tatsache, dass sie eines der härtesten Forschungsrennen der Geschichte gewonnen hat, verdient höchsten Respekt. Selbst Joe Biden hat jetzt „BioNTech inside“.

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Andererseits fand ich, dass nach einer Vervielfachung des Kurses die Luft dünn geworden ist. Schließlich lag die Marktkapitalisierung zeitweise im Bereich der Pharmasparte von Bayer (WKN: BAY001) oder sogar darüber. Diese warf über die letzten Jahre regelmäßig operative Gewinne von über 4 Mrd. Euro ab. Davon dürfte BioNTech noch meilenweit entfernt sein, selbst wenn der Impfstoff wie geplant über die kommenden Monate Umsätze von mehr als 10 Mrd. Euro generiert.

Zudem zeigt sich, dass die Auslieferung der Impfdosen teilweise holprig verläuft. In den USA beklagen sich Kunden über geringere Lieferungen als erwartet, in der Brüsseler Produktion wurden Verzögerungen gemeldet, in Bayern versagt das Monitoring der Kühlkette und in Stralsund wurden Fünffachdosen gespritzt. Solche Meldungen heben vermutlich nicht die Stimmung der Aktionäre. Der knappe Vorsprung gegenüber den Rivalen scheint dahinzuschmelzen.

Der Zeitpunkt für Gewinnmitnahmen scheint gekommen zu sein. Wobei es den Aktien der Konkurrenz kaum besser ging. Auch bei Curevac (WKN: A2P71U) und Novavax (WKN: A2PKMZ), die nun beide Phase-III-Studien am Laufen haben, ging es am 28. Dezember steil nach unten.

Schlagen smarte Anleger nun bei der BioNTech-Aktie zu?

„Man soll die Party verlassen, wenn sie am schönsten ist“, sagt das Sprichwort. Jetzt, wo die Impfkampagnen starten und BioNTech die Speerspitze bildet, kann es eigentlich kaum noch besser laufen. Vermutlich denken so im Moment viele Aktionäre. Vielmehr ist damit zu rechnen, dass das Wettbewerberumfeld nun zügig dichter wird, und sich damit sicherlich nicht mehr die hohen Preise der ersten Lieferverträge durchsetzen lassen.

Doch folgt auf die Euphorie wirklich zwingend die Ernüchterung? Nun, absehbar ist, dass auf das Bombenjahr 2021 ein schwächeres Jahr 2022 folgen wird. Zwar werden die weltweiten Impfkampagnen dann noch längst nicht beendet sein, aber BioNTech wird dann nur noch einer von vielen sein.

Dennoch könnte BioNTech schon bald mit neuen Nachrichten aufwarten, um die Begeisterung neu anzufachen. Jetzt, wo das Unternehmen plötzlich weltberühmt und mRNA in aller Munde ist, ergeben sich völlig neue Möglichkeiten. Topwissenschaftler und Technologiepartner dürften in Zukunft Schlange stehen, um die Forschungspipeline beschleunigt zum Erfolg zu führen und weiter auszubauen.

Es ist anzunehmen, dass BioNTech nun in der Lage sein wird, Impfstoffe für eine ganze Reihe von Krankheiten zu entwickeln; und das – dank der Lerneffekte von 2020 – zu deutlich niedrigeren Kosten. Auch mit neuen Pandemien, Coronavirus-Varianten und Auffrischungsimpfungen ist zu rechnen. Von daher sollte es gelingen, den Geschäftszweig auf ein langfristiges Fundament zu stellen, das einträgliche Geldzuflüsse generiert.

Es spricht folglich einiges dafür, dass smarte Anleger sich nun auf die Lauer legen, um Abstauberkurse zu erwischen.

Auf was ich jetzt achte

Als kursstützend sehe ich auch Übernahmefantasie. Für viele der großen Pharmakonzerne wäre BioNTech eine schöne Trophäe. 20 Mrd. Euro sind aus Sicht von Big Pharma nicht die Welt, wenn sie dafür ein Biotech-Unternehmen bekommen können, das bewiesen hat, dass seine wegweisende Plattform funktioniert. Sie dürften allerdings noch abwarten, wie sich die Sache beim Thema Krebs entwickelt, bevor sie das Risiko eingehen.

Kurzfristig bedeutsamer ist deshalb, wie das Management mit den nun zufließenden Milliarden umgeht. Optimal wären aus meiner Sicht Zukäufe von komplementären Biotechs, die möglichst bereits erste Umsätze generieren und gleichzeitig die Forschungspipeline diversifizieren. BioNTech wird in der Lage sein, seine Programme selbst zu finanzieren, wodurch sie im Erfolgsfall zu 100 % profitieren würde.

Sobald sich der von den Impfkampagnen aufgewirbelte Staub etwas legt, wird das Management ein Strategie-Update vorlegen müssen. Dann heißt es für Anleger, die Ohren zu spitzen. Mutige Investoren greifen bei weiter sinkenden Kursen bereits im Vorfeld mit ersten Positionen zu.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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