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Besser als NEL? Wie thyssenkrupp sich als Wasserstoff-Aktie im Vergleich schlägt

Foto: Getty Images

NEL asa (WKN: A0B733) gilt als Marktführer in Sachen Elektrolyse. Nach langem Hin und Her hat nun allerdings auch thyssenkrupp (WKN: 750000) erkannt, dass der Stahlkonzern ein Wörtchen mitzureden hat in diesem aufkeimenden Milliardenmarkt. Als Champion bei der Chlor-Alkali-Elektrolyse bringt der Konzern eine Menge Erfahrung ein. Erste Großprojekte hat die zuständige Tochter auch bereits in der Tasche.

Könnte daher die thyssenkrupp-Aktie interessanter sein als die NEL-Aktie? Hier ist alles, was man zu diesem ungewöhnlichen Vergleich wissen muss.

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Ungleiche Wettbewerber bei der Elektrolyse

Auf den ersten Blick sind NEL und thyssenkrupp sehr ähnlich positioniert. Beide wollen die Ausrüstung für Großprojekte im Bereich von über 100 Megawatt Leistungsaufnahme liefern. Ihre größten Module sind fast identisch dimensioniert. Bei NEL liegt die maximale Produktion bei 3.880 Norm-Kubikmetern pro Stunde und bei thyssenkrupp bei 4000. Beim Energieverbrauch gibt NEL 3,8 bis 4,4 Kilowattstunden je Norm-Kubikmeter und thyssenkrupp bis zu 4,3.

Insgesamt wirken diese Systeme weitgehend austauschbar. Dennoch ist NEL bereits viel tiefer im Wasserstoff-Business verankert. Die Norweger haben längst ein umfangreiches Partnernetzwerk aufgebaut, mit dem sie potenzielle Kunden umfassend beraten können. Komplexe Gesamtlösungen und maßgeschneiderte Geschäftsmodelle lassen sich so gemeinsam vermarkten. Passende Wasserstoff-Tankstellen produziert NEL selbst.

Außerdem hat NEL auch kompakte PEM-Systeme im Angebot, die in einer Reihe von Anwendungsfällen der Alkali-Elektrolyse überlegen sind. Potenzielle Kunden mit Beratungsbedarf sind daher bei NEL im Moment weit besser aufgehoben. Wer sich an thyssenkrupp wendet, der weiß wahrscheinlich bereits genau, was er will.

Wie thyssenkrupp aufholen könnte

Bereits seit Jahren schreibe ich, dass thyssenkrupp das Zeug hätte, eine Energiewende-Aktie zu werden. Das tiefe Know-how in verschiedenen wasserstoffverbrauchenden Prozessindustrien und die Engineeringkapazitäten ergänzen den Elektrolyse-Geschäftsbereich gut. Zudem liefert das Stahlsegment Druckbehälterstahl, der für die Wasserstoffspeicherung zum Einsatz kommen könnte.

Somit deckt thyssenkrupp potenziell den gesamten Prozess von der Wasserstofferzeugung über die Speicherung bis zur Weiterverarbeitung ab. Leider ist jedoch die Weiterentwicklung dieses Geschäfts im Zuge der anhaltenden Konzernkrise etwas vernachlässigt worden. Danach kam es auch noch auf das Abstellgleis Multi-Tracks.

Erst nach dem Abschluss des Verkaufs des Aufzugsgeschäfts kam wieder etwas Leben in das Geschäft. Partnerschaften mit E.ON (WKN: ENAG99), RWE (WKN: 703712) und Air Products (WKN: 854912) wurden Mitte 2020 verkündet, um wasserstoffbasierte Projekte im Großmaßstab zu entwickeln. Auch erste Aufträge sind bereits in der Pipeline.

Im Moment schaut es jedoch so aus, als ob die Marktbearbeitung an die Partner ausgelagert wird. Die Agilität des Vertriebs von NEL ist bisher noch nicht zu erkennen. Das wird sich in Zukunft ändern müssen, wenn der Bereich durchschlagenden Erfolg haben will.

Kennzahlen im Vergleich

Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch nicht klar, welches der beiden Unternehmen in fünf, zehn oder zwanzig Jahren den größten Anteil an der Wasserstoffwirtschaft haben wird. Zwar scheint NEL dank seiner dynamischen Herangehensweise aktuell im Vorteil zu sein, aber die mit den Aufzugsmilliarden aufgepumpte thyssenkrupp könnte jederzeit einen Gang höher schalten und seine Muskeln spielen lassen.

Das Elektrolysegeschäft ist ein Teil des Segments Plant Technologies, das etwa 3 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr macht. Die anderen fortgeführten Bereiche machen 29 Mrd. Euro aus. Das ist schon ein anderes Kaliber als die umgerechnet kaum 60 Mio. Euro Umsatz von NEL. Noch ist thyssenkrupp umsatztechnisch etwa 50-mal größer und – Überraschung – sogar profitabler.

Dennoch liegen die beiden bei der Marktkapitalisierung nicht weit auseinander. Den gut 4 Mrd. Euro von thyssenkrupp stehen mehr als 3 Mrd. Euro bei NEL gegenüber. Wenn wir also annehmen, dass die Essener mit etwas Mühe und Investitionen ein Wasserstoffgeschäft auf die Beine stellen könnten, das auf Augenhöhe mit NEL ist, dann wäre das restliche Geschäft rund um Autoteile, Stahl, Großwälzlager und U-Boote zusammen nur 1 Mrd. Euro wert.

Doch all diese Rechenspiele helfen nichts, wenn das Management nicht liefert und wie in der Vergangenheit von einer Baustelle zur anderen stolpert, statt großartige Geschäftsbereiche aufzubauen. Die NEL-Aktie auf der anderen Seite wirkt zwar sehr teuer, aber zumindest hat das umtriebige Management der Norweger bereits bewiesen, was es alles auf die Beine stellen kann.

Auf alle Fälle gibt es neben NEL und thyssenkrupp noch weitere spannende Energiewende-Aktien.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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