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3 DAX-Aktien, die jetzt einfach zu teuer sind

Foto: Getty Images

Der DAX ist nach dem Einbruch vom Frühjahr in Richtung Allzeithoch geklettert. Noch im dritten Quartal 2011 tauchte der Index auf unter 5.000 Punkte ab, womit er seither über 160 % Plus gemacht hat. Gar nicht mal so schlecht, wenn man daran denkt, dass eine Reihe früherer DAX-Werte bitter enttäuschten auf diesem Weg.

Von daher liegt es nahe, dass nun einige Aktien zu gut gelaufen sind. Hier sind drei davon, von denen ich denke, dass ihnen eine Korrektur guttun würde.

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Korrektur-Kandidat Nr. 1: Linde

Linde (WKN: A2DSYC) ist eines der Unternehmen, die mich über die letzten zwei Jahre immer wieder überrascht haben. Zum Beispiel hätte ich erwartet, dass der Kraftakt Praxair-Fusion nicht nur große Summen für die gegenseitige Integration verschlingt, sondern auch zu unvorhergesehenen Herausforderungen führt. Doch bisher scheint die Transaktion nahezu reibungslos gelungen zu sein.

Jedenfalls sind die Aktionäre offenbar restlos begeistert und treiben den Kurs auf immer neue Höhen. Mit 215 Euro liegt die Marktkapitalisierung bei beachtlichen 113 Mrd. Euro (28.11.). Nicht einmal die Coronakrise konnte den Aufstieg stoppen, was für einen eher zyklischen Konzern wie Linde ungewöhnlich ist.

Die Hoffnungen ruhen wohl vor allem auf drei Faktoren:

  1. der weiteren Ausweitung der Margen dank Effizienzprogrammen und Preissetzungsmacht
  2. der potenziell wichtigen Position in einer zukünftigen Wasserstoffwirtschaft
  3. einem generell anhaltenden Wachstum über alle Geschäftsbereiche hinweg

Es ist möglich, dass sich all das realisiert über die kommenden Jahre. Aber verlassen würde ich mich darauf nicht. Schließlich ist die Coronakrise noch längst nicht ausgestanden und Zweitrundeneffekte sind absehbar. Davon wäre auch Linde betroffen, egal ob über höhere Steuern oder einen Nachfragerückgang bei vielen Kunden.

Zudem sind Gase in der Regel keine differenzierten Produkte, weshalb es primär um den Preis geht. Und trotz des konsolidierten Marktes wird Linde nicht mit den Kollegen von Air Liquide (WKN: 850133) die Preise auskungeln können. Dank der Wettbewerbsauflagen gibt es weiterhin in allen wichtigen Märkten leistungsfähige Konkurrenz. Von daher ist es unrealistisch, dass die Bäume in den Himmel wachsen.

Das Wasserstoffthema ist daneben sicherlich spannend, aber lediglich ein Geschäftsbereich von vielen. Für ein Industrieunternehmen, das in diesem Jahr keine 23 Mrd. Euro Umsatz macht, würde ich nicht 113 Mrd. Euro hinlegen.

Korrektur-Kandidat Nr. 2: Infineon

Infineon (WKN: 623100) verfügt über klasse Technologie und eine ausgezeichnete Wettbewerbsposition bei Leistungshalbleitern und anderen Produkten. Zudem sorgen immer smartere Fahrzeuge in Verbindung mit der Elektromobilität für steigende Nachfrage aus dem Automobilsektor. Darüber hinaus kann das Unternehmen über die Integration von Cypress mehr Systeme aus einer Hand anbieten und auch beim Internet der Dinge schneller wachsen.

Das Unternehmen liegt also operativ gut in der Spur und kann auf Jahre hinaus von starken unterliegenden Trends profitieren. Allerdings wussten wir das alles bereits vor der Coronakrise. Als klar wurde, dass die Cypress-Übernahme glattlaufen würde, stieg der Kurs von 14 auf 22 Euro. Dann halbierte sich der Kurs pandemiebedingt abrupt und liegt nun bei erstaunlichen 29,50 Euro (28.11.), also etwa ein Drittel höher als vor der Krise.

Aus meiner Sicht beachten die Anleger zu wenig, dass Infineon sich die gute Ausgangslage eine Menge hat kosten lassen. Die komfortable Liquiditätsposition mit netto über 3 Mrd. Euro in der Kasse hat sich nach dem zweiten Quartal auf rund 4 Mrd. Euro Minus gedreht. Neben einer erheblichen Verschlechterung des Finanzergebnisses ist nun auch auf Jahre hinaus mit deutlich höheren Abschreibungen zu rechnen.

Ein Großteil des für das bereits laufende Geschäftsjahr 2021 erwarteten freien Cashflows in Höhe von über 700 Mio. Euro wird wohl für die Stärkung der Bilanz gebraucht. Trotz der guten Aussichten sehe ich bei mehr als 38 Mrd. Euro Marktkapitalisierung nur noch unterdurchschnittliche Renditechancen.

Korrektur-Kandidat Nr. 3: MTU Aero Engines

Die Luftfahrtbranche steckt weiterhin in der größten Krise ihrer Geschichte. Dennoch erreicht die MTU-Aktie bei 205 Euro bereits wieder das durchschnittliche Niveau von 2019. Letztes Jahr galt MTU Aero Engines (WKN: A0D9PT) dank der Wachstumsaussichten und des langfristigen Auftragsbuchs als großartiges Investment.

Doch nun muss die gesamte Branche zurückschrauben. Die Krise ist noch längst nicht vorbei und zahlreiche Fluglinien werden noch insolvent werden. Andere werden ihren Flugplan zusammenstreichen und ihre Flotte verkleinern. Unzählige Maschinen dürften auf dem Gebrauchtmarkt landen, während die Nachfrage nach neuen Flugzeugen auf Jahre hinaus gedämpft bleiben wird.

Das Zusammenspiel von COVID-19-Auswirkungen und immer strengeren Umweltauflagen wird eine Rückkehr zu den glorreichen Zeiten kaum erlauben. Und weniger Flugbetrieb bedeutet auch weniger Servicegeschäft. Zwar macht sich das Management Mut, indem es darauf verweist, dass es bei verschiedenen Rückgängen unterdurchschnittlich betroffen sei. Zudem profitiert das Unternehmen wohl davon, dass Leasingunternehmen Marktanteile gewinnen und bevorzugt auf Dienstleister wie MTU zurückgreifen.

Dennoch würde ich nicht darauf hoffen müssen, dass 2024 wieder alles gut sein wird. Bei 4 Mrd. Euro Umsatz und ungewissen Gewinnmargen liegt die Marktkapitalisierung aktuell bei 11 Mrd. Euro. Ich für meinen Teil schaue mich da lieber nach günstigeren DAX-Aktien um.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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