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Navistar-Übernahme: 3 Folgen für Volkswagen

Quelle: TRATON

TRATON (WKN: TRAT0N), die Nutzfahrzeugeinheit im Volkswagen (WKN: 766403)-Konzern, wird Navistar komplett übernehmen. Damit festigt die VW-Tochter ihre Marktposition in Nordamerika. Doch es gibt noch mehr Implikationen, die für Aktionäre von Interesse sein könnten.

Cummins wächst in das Nutzfahrzeug-Ökosystem von TRATON

Noch vor einigen Jahren gehörte Navistar zu den stolzen Entwicklern und Produzenten von eigenen Diesel-Aggregaten. Im Zuge der immer strengeren Umweltauflagen beschloss das Unternehmen 2015, komplett auf die bewährten Produkte von Cummins (WKN: 853121) umzuschwenken. Schon ein Jahr später folgte die Kapitalbeteiligung von Volkswagen Truck and Bus. Umgehend wurden erste gemeinsame Projekte angestoßen. Ein Ergebnis war der A26-Motor, der auf MAN-Technik basiert.

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Seither können Navistar-Kunden zwischen Cummins und dem intern montierten A26 wählen. Sobald Navistar komplett unter das TRATON-Dach schlüpft, dürfte der Druck steigen, europäische Motortechnik einzubauen. Klugerweise hat Cummins allerdings noch im August eine langfristige Liefervereinbarung abgeschlossen.

Die Entwicklung ist auch deshalb interessant, weil Volkswagen erst 2016 die Kooperation der rivalisierenden Konzernmarken Scania und MAN geordnet hatte. Damals fiel die Entwicklung der stärksten Aggregate an Scania. Heute erwartet das Management, dass der Diesel in den kommenden Jahren Marktanteile verlieren wird, und will nur noch wenig in diesen Bereich investieren. Stattdessen wird der Elektrifizierung mehr Raum gegeben.

Auch an dieser Front stößt TRATON auf Cummins: Vor wenigen Tagen beschloss der Motor-Champion, zusammen mit Navistar einen Brennstoffzellen-Lkw zu entwickeln. Dazu muss man wissen, dass Cummins auch bei Scanias Vorstößen in die Brennstoffzellenwelt ein Partner ist. Und es gibt noch eine Verbindung: Sowohl Cummins als auch Volkswagen haben entsprechende Forschungsvereinbarungen mit Hyundai.

Welche Rolle wird Cummins also zukünftig innehaben im TRATON-Ökosystem? Rivale oder strategischer Partner? Für mich sieht das nach einem erstklassigen Sparringspartner aus, der beide Seiten zu Höchstleistungen motiviert.

Die Weltmarktführerschaft führt zu nachhaltigen Wettbewerbsvorteilen

Schon zuvor bestanden mit Navistar umfassende Abmachungen zur Steigerung des Anteils der gemeinsam genutzten Komponenten. Doch mit einer Komplettübernahme kann TRATON noch deutlich mehr durchsetzen. Neue Technologien können zügig über alle Marken hinweg weltweit eingeführt werden. TRATON steigert seine Einkaufsmacht weiter. Zusammen mit der im Oktober ausgebauten Partnerschaft mit der japanischen Hino übertrifft sie wohl sämtliche Konkurrenten.

Schon bei Stahlbauteilen lassen sich so gewisse Skaleneffekte erzielen. Aber wenn es um den elektrischen Antriebsstrang, Software oder fortgeschrittene Assistenzsysteme geht, dann spielen Stückzahlen eine riesige Rolle. Die horrenden Entwicklungskosten verteilen sich dann über viel mehr Trucks. Somit werden die TRATON-Marken und ihre Partner selbstentwickelte Technologien zu wettbewerbsfähigen Konditionen anbieten können, während viele Konkurrenten sich auf Zulieferer verlassen müssen und Wertschöpfungstiefe verlieren.

Wächst Volkswagen im Verteidigungsbereich?

Wer an Volkswagen denkt, der assoziiert damit kaum Kriegsgerät. Dennoch sieht sich die 49-%-Beteiligung Rheinmetall MAN Military Vehicles als einen „weltweit führenden Anbieter für Defence-Lösungen im Bereich logistischer Landmobilität“. Auch Scania und die brasilianische TRATON-Tochter mischen noch mit in diesem Bereich. Hinzu kommen die Marine-Aggregate und weitere Ausrüstung von MAN Energy Solutions, mit denen viele Kriegsschiffe und Patrouillenboote ausgestattet werden.

Navistar Defense wiederum bietet eine breite Palette für viele Einsatzzwecke, vom „robustesten Pickup der Welt“ bis zu schwer gepanzerten großen Nutzfahrzeugen. Rund 40.000 Militärfahrzeuge lieferte das Unternehmen seit 2004 in alle Welt. Dennoch wird der Effekt auf VW und TRATON nicht allzu groß sein: 2018 verkaufte Navistar eine Beteiligung von 70 % an eine Investmentholding von Cerberus. Die Umsätze mit dem Unternehmen belaufen sich auf 37 Mio. US-Dollar in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres.

Gute Aussichten

Zwar gilt das Geschäft mit öffentlichen Auftragsgebern als stabilisierend, aber ich denke, es ist besser, dass Militärkunden bei TRATON und VW kaum eine Relevanz haben. Gut gefällt mir daneben, wie TRATON sich nun mit geschickten Allianzen in die Poleposition gehievt hat. Jetzt, wo ambitionierte Neueinsteiger und asiatische Spieler in den internationalen Nutzfahrzeugmarkt eindringen, wird es wichtig sein, Größenvorteile ausspielen zu können.

Es wird nun darauf ankommen, dass die Kompetenzen klug gemanagt und zusammengeführt werden. Schließlich droht bei vielen Themen die Gefahr der Verzettelung und von politischen Scharmützeln. Beispielsweise haben Cummins, Volkswagen, Hyundai und Hino jeweils eigenes Brennstoffzellen-Know-how. Dennoch wird das TRATON-Management nach der Navistar-Übernahme in einer besseren Position sein, um Entscheidungen schneller markenübergreifend durchzusetzen. Langfristig sollte die Aktie davon profitieren.

Andere Aktien könnten allerdings noch stärker von der Mobilitätswende profitieren.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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