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Innovativ! Credit Suisse und Deutsche Bank führen 2020 dieses Milliardengeschäft in den USA an

Vonovia Winner
Foto: Getty Images

Börsenmäntel und gelistete Blankoscheck-Unternehmen, über die in privater Hand gehaltene Unternehmen schneller an die Börse kommen können, gibt es schon seit vielen Jahren. Eine spezielle Variante erlebt allerdings in diesem Jahr einen unheimlichen Aufschwung: kapitalkräftige Akquisitionsvehikel, die SPAC abgekürzt werden. Was früher eine unbeachtete Nische war, ist in diesem Jahr zu einem Milliardengeschäft geworden.

Das Überraschende dabei: Das Thema wird nicht wie sonst üblich von den mächtigen US-Investmentbanken angeführt, sondern von Credit Suisse (WKN: 876800). Auch die Deutsche Bank (WKN: 514000) spielt ganz vorne mit. Grund genug, uns diesen SPAC-Trend einmal näher anzusehen, um herauszufinden, ob das ein gutes Zeichen für die gebeutelten Bankhäuser ist.

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SPAC: Ein galaktisches Marktsegment

Als Virgin Galactic (WKN: A2PTTF) Ende 2019 im Schnelldurchgang an die Börse stürmte, gab es viele Gewinner:

  • Die Aktionäre des Akquisitionsvehikels sahen den Kurs von unter 10 auf über 40 US-Dollar hochschießen (zum 16.10. sind es immer noch 23 US-Dollar).
  • Das hochriskante Raumfahrtunternehmen hatte auf einen Schlag rund 450 Mio. US-Dollar in der Kasse, um Richard Bransons Vision zu verwirklichen.
  • Das SPAC-Management um den früheren Facebook-Mann Chamath Palihapitiya kassierte für seine Leistung 20 % der SPAC-Aktien und den Chairman-Job.

Hinzu kommt die Credit Suisse, die als sogenannter Underwriter den Deal im Hintergrund begleitete. Und auch das ist eine lukrative Sache, denn die Investmentbanker kassieren an verschiedenen Stellen. Underwriter Fees fallen beim SPAC-Börsengang, bei der Fusion im Zuge eines Deals und beim zugehörigen Einwerben von weiterem Kapital an. Bei einem typischen Deal im Bereich von einer halben Milliarde US-Dollar lassen sich so locker zig Millionen US-Dollar abgreifen.

Weitere Vorteile ergeben sich über den Zugriff auf vergünstigte Anteile. Gleichzeitig kann die Bank im Bereich des Vermögensmanagements ihrer wohlhabenden Kundschaft einen bevorzugten Zugang zu den Deals verschaffen.

Hier wird also ein richtig großes Rad gedreht, und zwar immer schneller: Nach 58 SPAC-Deals im Vorjahr dürften es in diesem Jahr etwa 200 werden. Viel damit zu tun hat die Unsicherheit aufgrund der COVID-19-Entwicklung. Viele Unternehmen, die einen Börsengang geplant haben, nehmen nun lieber das schnelle SPAC-Geld, anstatt einen langwierigen IPO-Prozess anzuleiern oder den beschwerlichen Weg einer Finanzierungsrunde mit privatem Wagniskapital zu begehen.

Wie Credit Suisse und Deutsche Bank den Trend mit anführen

Wenn sich der Trend bewährt, könnte er auch in den kommenden Jahre anhalten, denn die Vorteile für viele Beteiligte sind offenkundig. Investoren profitieren von geregelten Rahmenbedingungen und können sich aussuchen, welchem SPAC-Management sie ihr Geld anvertrauen. Ebenso können die besten Geld suchenden Unternehmen dasjenige SPAC auswählen, das den meisten strategischen und finanziellen Mehrwert verspricht.

Die SPAC-Manager wiederum können sich aussuchen, mit welchen Investmentbankern sie zusammenarbeiten wollen. All das sollte dazu führen, dass die besten SPAC-Manager und Investmentbanker am meisten vom Kuchen abbekommen. Gleichzeitig helfen die zunehmende Erfahrung und der kontinuierliche Deal-Zustrom, die Prozesse immer flüssiger zu gestalten. Die Lernkurve bei Investmentbankern, SPAC-Managern (auch „Deal-Sponsoren“ genannt) und Investoren dürfte im Moment sehr steil verlaufen.

Davon profitieren die Größten am meisten. In früheren Jahren waren SPACs eher eine Domäne von spezialisierteren Akteuren aus der zweiten Reihe. Doch die Deutsche Bank und Credit Suisse gehörten bereits in den Jahren 2017 bis 2019 zu den Topakteuren. In der Rangliste von 2019 belegen sie Platz 2 und 3 hinter Cantor Fitzgerald. Dieses frühzeitige Engagement zahlt sich jetzt im Boom aus: Im ersten Halbjahr 2020 führte Credit Suisse das Feld an und die Deutsche Bank hält als Fünfter den Anschluss.

Dabei konnte die durchschnittliche Deal-Größe der Schweizer von 277 Mio. auf 570 Mio. US-Dollar etwa verdoppelt werden gegenüber 2019. Beim Nachzügler UBS (WKN: A12DFH) sind es lediglich 295 Mio. US-Dollar, was ein Beleg dafür ist, dass die erfahreneren Investmentbanker-Teams die größeren und lukrativeren Fische an Land ziehen können.

Am SPAC-Boom partizipieren, ohne in SPACs zu investieren

Trotz aller Vorteile sind SPACs ein zweischneidiges Thema. Frühe Investoren, Deal-Sponsoren, Insider des Zielobjekts und Investmentbanker zweigen einen guten Teil für sich ab, den letztlich später hinzukommende SPAC-Aktionäre tragen müssen. Zudem gibt es allerlei Bezugsrechte und Extrawürste, deren Auswirkungen auf die Verwässerung und den Wert des letztlich fusionierten Unternehmens schwer zu durchschauen sind.

Deshalb wäre ich vorsichtig bei Investments im Vorfeld der Fusion, vor allem, wenn der Kurs weit über dem einbezahlten Geld von meist 10 US-Dollar liegt oder umsatzlose Zielobjekte mit mehreren Milliarden bewertet werden. Statt sich hier die Finger zu verbrennen, könnte man überlegen, an diesem SPAC-Boom zu partizipieren. Die Tatsache, dass bereits SPAC-ETFs aufgelegt werden, ist ein Hinweis darauf, dass wir es hier nicht mit einem kurzfristigen Phänomen zu tun haben.

Ob es bei der Deutschen Bank ausreicht, um für positive Nachrichten zu sorgen, bin ich nicht sicher. Bei der ebenso gebeutelten Credit Suisse bin ich jedoch optimistisch: Sie hat sich hier ein Standbein aufgebaut, das einen signifikanten Ergebnisbeitrag liefern könnte.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Facebook.

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