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Bayer – So steht es um den neuen Hoffnungsträger Pharma

Foto: Bayer AG

Bayer (WKN: BAY001) kommt einfach nicht zur Ruhe. Nachdem in den letzten Monaten die langwierige Glyphosat-Verhandlung die Schlagzeilen beherrscht hatte, schockte Bayer die Anleger am Donnerstag mit einem angepassten Ausblick für 2021. Statt von versprochenen jährlichen 4 % Wachstum geht man inzwischen von einem Umsatzrückgang in diesem Segment aus. Zu diesem Schluss kommt man, da Bayer für den gesamten Konzern nur noch stabile Umsätze für 2021 erwartet und die anderen beiden Konzernbereiche nächstes Jahr ein Wachstum erzielen sollen.

Da Bayer im Agrargeschäft niedrigere Preise bei wichtigen Nutzpflanzen, intensiven Wettbewerb bei Soja, geringeren Biokraftstoffverbrauch und anhaltende negative Währungseffekte sieht, sind große Steigerungen aus diesem Geschäft nicht zu erwarten. Auch der Umgang mit zukünftigen Klagen ist noch immer nicht endgültig geregelt. So könnte auf den Konzern ein noch höherer Betrag als die hierfür veranschlagten 1,25 Mrd. Euro zukommen. Um die Verbindlichkeiten bedienen zu können und die Aktionäre mit Dividenden bei Laune zu halten, wird es verstärkt auf die Pharmadivision und das Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneien ankommen.

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Wie steht es um die Sparten Pharmaceuticals und Consumer Health?

Das Geschäft mit verschreibungspflichtigen Medikamenten steuerte im ersten Halbjahr 2020 ca. 37 % zum Konzernumsatz bei. Das Segment mit Arzneien ohne Verschreibung ist das kleinste, mit einem Beitrag von 11 %. Beide Sparten mussten im Vergleich zum Vorjahr Umsatzrückgänge hinnehmen. Im Pharmageschäft lässt sich der leichte Umsatzrückgang vor allem durch nicht durchgeführte oder verschobene nicht akute Behandlungen aufgrund der Corona-Pandemie erklären. Bei der Sparte Consumer Health ist der Rückgang durch den Verkauf der Marken Coppertone und Dr. Scholl’s erklärbar. Bereinigt um diesen Effekt, ist der Umsatz sogar um 5,7 % gestiegen.

Nachdem das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) des Segments Consumer Health in 2018 und im ersten Halbjahr 2019 noch stark durch Wertminderungen von überteuerten Übernahmen in der Vergangenheit belastet wurde, konnte in den ersten sechs Monaten 2020 wieder ein positives Ergebnis verzeichnet werden. Besonders erfreulich waren dabei die weltweiten Zuwächse um insgesamt 20 % im Geschäft mit Nahrungsergänzungsmitteln. Die Sparte soll in den nächsten Jahren stärker als der Wettbewerb wachsen. Da Bayer mit einem Marktwachstum von drei bis vier Prozent rechnet, kann man von einem verbesserten Mittelfristausblick ausgehen. Vor dem Hintergrund der weniger erfolgreichen Historie ist es positiv, dass Bayer auf größere Zukäufe in diesem Segment verzichten und stattdessen auf kleinere Übernahmen oder Einlizenzierungen setzen wird.

Das EBIT im Pharmageschäft war im ersten Halbjahr durch Sonderaufwendungen für den Rechtsstreit um das Medikament Essure belastet. Um diesen Effekt bereinigt, ergibt sich ein Ergebnis auf Vorjahresniveau. Die Blockbuster sind dabei das Augenmedikament Eylea und der Gerinnungshemmer Xarelto. Während Eylea im ersten Halbjahr 2020 aufgrund der Schließung von Augenkliniken stagniert ist, konnte Corona Xarelto mit einem Umsatzanstieg von 11 % nichts anhaben.

Wie steht es um die Bayer-Pipeline?

Den beiden Topsellern misst Bayer in Summe ein Potenzial von über 7,5 Mrd. Euro in der Spitze zu. Allerdings laufen Mitte der 20er-Jahre aller Voraussicht nach die Patente für beide Produkte aus. Für den zukünftigen Erfolg von Bayer wird der Umgang mit dieser Tatsache von zentraler Bedeutung sein.

Bayer möchte laut eigener Aussage die Produkt-Pipeline durch die nächste Generation von Innovationsplattformen mit neuen Wirkmechanismen sowie durch Einlizenzierungen und ergänzende Zukäufe stärken. Im ersten Halbjahr 2020 legten Stivarga und Adempas bei den bedeutenden Medikamenten das dynamischste Wachstum an den Tag. Auch im Jahr 2019 hatten sich die beiden Medikamente am erfreulichsten für Bayer entwickelt. Trotz der tollen Entwicklung setzt Bayer jeweils nur ca. 250 Mio. Euro im ersten Halbjahr um. Bei dem Medikament zur Behandlung von Lungenhochdruck Adempas geht Bayer von einem Potenzial von 500 Mio. Euro aus, weitere Steigerungen kann man daher nicht voraussetzen. Das Krebsmedikament Stivarga profitiert von seiner oralen Verabreichungsform, die eine Behandlung von Patienten unabhängig vom Zugang zu Kliniken und Arztpraxen ermöglicht. Bayer sieht in dem Medikament noch Potenzial für eine Steigerung des Umsatzes über 1 Mrd. Euro.

Ansonsten ist das Potenzial der im Vetrieb befindlichen Medikamente überschaubar. Bayer versucht daher mit der geplanten Zulassung von Xarelto für Kinder in Europa und den USA ihren größten Blockbuster noch etwas länger zu nutzen. Bei erfolgreicher Genehmigung kann der Patentschutz um sechs Monate verlängert werden. Das gibt Medikamenten, die vor Kurzem die Zulassung erhalten haben oder sich in der Phase III der klinischen Prüfung befinden, mehr Zeit, den wegbrechenden Umsatz aufzufangen. Neben dem Krebsmittel Nubeqa und dem Nierenmittel Finerenon hat sich Bayer mit dem Kauf der Biotechfirma Kandy einen Wirkstoff zur Linderung menopausaler Probleme von Frauen als einen weiteren potenziellen Blockbuster gesichert. Da bisher nur Nubeqa eine Zulassung der Behörden erhalten hat, gibt es allerdings noch erhebliche Unsicherheiten.

Sollte man jetzt in Bayer investieren?

Die Pipeline von Bayer ist nicht gerade zum Bersten gefüllt. Mit dem Wegfall des Patentschutzes für Xarelto und Eylea könnten erhebliche Probleme auf Bayer zukommen. Das Unternehmen sagt selbst, dass Preise für Übernahmen von Produkten im späten Stadium der klinischen Entwicklung sehr hoch seien. Geld, das Bayer eigentlich nicht hat. Daher sind Unternehmen mit einer prall gefüllten Medikamenten-Pipeline klar im Vorteil. Das sehe ich bei Bayer nicht unbedingt.

Daneben gibt es weiterhin das Glyphosat-Problem, das immer noch nicht abgehakt ist. Die Agrar-Sparte entwickelt sich zudem nicht wie erhofft. Auch wenn ich hier langfristig weiterhin von dem Geschäftsmodell und der Notwendigkeit der Lösungen überzeugt bin, sehe ich kurz- und mittelfristig erhebliche Probleme auf das Unternehmen zukommen. Viel wird jetzt von der endgültigen Regelung zum Umgang mit zukünftigen Glyphosat-Klagen abhängen.

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Florian Hainzl besitzt Aktien von Bayer. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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