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Flatex-Aktie: Onlinebroker im ausführlichen Grenke- und Wirecard-Check

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Foto: Getty Images

Flatex (WKN: FTG111) kommt aus dem Feiern fast gar nicht mehr heraus: Rekordwachstum, DeGiro-Integration, Mönchengladbach-Sponsoring. Es scheint richtig gut zu laufen bei diesem Onlinebroker, dessen Aktie bis 2019 als FinTech Group bekannt war. Jetzt wird die europäische Marktführerschaft ins Visier genommen.

Doch nach all den Skandalen bei deutschen Finanzdienstleistern — von Hypo Real Estate und der Deutschen Bank (WKN: 514000) bis Wirecard (WKN: 747206) und jetzt angeblich Grenke Leasing (WKN: A161N3) — könnte es sich lohnen, ein Fintech wie Flatex genauer unter die Lupe zu nehmen. Auch sie könnte in das Beuteschema der Shortseller fallen. Doch gibt es bereits Anhaltspunkte?

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Test 1: Wo kommt Flatex her und wie verdient das Unternehmen sein Geld?

Für Außenstehende ist nicht immer leicht zu erkennen, wie die Finanzergebnisse zustande kommen. Beispielsweise basierten die besten Jahre der Deutschen Bank zu einem guten Teil auf der illegalen Ausnutzung ihrer Machtposition in internationalen Finanznetzwerken und darauf aufbauender Spekulation. Effiziente Prozesse und überlegene Informationstechnik gehörten hingegen nicht zu den Erfolgsfaktoren.

Nun ist das Kerngeschäft bei Flatex nicht sonderlich schwer zu verstehen. Der Broker stellt eine Plattform bereit, um Wertpapiere aller Art handeln zu können, und erhält von Kunden und Produktpartnern abhängig vom Transaktionsvolumen Entgelte. Da die Börsen in diesem Jahr eine Achterbahn durchmachen, sind vor allem kurzfristig orientierte Anleger verstärkt am Traden und viele Neueinsteiger interessieren sich für das Thema.

Dennoch sitzt das Unternehmen an großen Geldströmen und bewegt sich dabei zum Teil in der Grauzone. Ich denke dabei an die vordergründig kostenlosen Trading-Angebote, die Kunden dazu verleiten, mehr zu handeln, als ihnen guttut. Flatex verdient dabei an der Geld-Brief-Spanne und Zinsgeschäften. Über die Bereitstellung von Wertpapierkrediten schürt Flatex die Risikobereitschaft der Kunden weiter. Das Angebot ist hochlukrativ und sein Volumen soll bald die Marke von 1 Mrd. Euro überschreiten.

Test 2: Wie laufen Übernahmen und ähnliche Transaktionen?

Bei einer erhöhten Aktivität rund um Akquisitionen, Spin-offs und Joint-Ventures ist Wachsamkeit angesagt. Bei solchen komplexen Deals fließen viele Millionen in verschiedene Taschen und Finanzjongleure bekommen die Chance, durch das Drehen an einzelnen Bewertungsparametern große Summen umzuleiten. Bei den Anschuldigungen gegen Steinhoff International (WKN: A14XB9), Wirecard und Grenke spielten Akquisitionen jeweils eine wichtige Rolle.

Daneben gilt, dass Unternehmen, die ihre Wurzeln im Neuen Markt haben, stets etwas kritischer beäugt werden sollten. Wir erinnern uns, dass Wirecard zu dieser Zeit noch ein Betreiber von kostenpflichtigen Porno-Websites war. Auch Flatex hat eine stürmische Vergangenheit. Damals hieß der Laden noch Pre-IPO AG.

Ins Auge gefallen ist mir das vor zwei Jahren groß angekündigte Joint-Venture mit der Österreichischen Post (WKN: A0JML5). Von IT-Umsätzen von mindestens 100 Mio. Euro und einer Beteiligung in Höhe von 7 % über eine Barkapitalerhöhung war damals die Rede. Jetzt im Juli lese ich, dass die Österreicher einen Rückzieher gemacht haben.

Auch die Tatsache, dass das Unternehmen jahrelang als FinTech Group den Eindruck vermittelte, als ob man das Potenzial hätte, über digitale Plattformen zu einem Disruptor der Finanzwelt aufzusteigen, gefällt mir im Nachhinein nicht. Nach diversen Verschmelzungsschritten und der Umbenennung betont Flatex nun seine Identität als Onlinebroker.

Wenig auszusetzen gibt es hingegen an der Fusion mit DeGiro, welche sauber über die Ausgabe von neuen Aktien finanziert wurde. Seltsam war nur, dass im Vorfeld des Deals monatelang Gerüchte über eine Übernahme der Flatex durch eine Großbank durch die Presse gingen, welche dem Aktienkurs Übernahmefantasie verliehen.

Test 3: Sind Widersprüche bei Cashflow und Gewinn erkennbar?

Verdachtsmomente für unredliche Machenschaften lassen sich manchmal in den operativen Zahlen ablesen. Als Erstes fällt mir auf, dass Flatex bei den Brokeragekunden im Vorjahresvergleich 41 % zugelegt hat. Die Transaktionen schossen sogar um 131 % hoch. Beim Depotvolumen liegt das Plus hingegen bei mageren 3 %. Offenbar hilft Flatex seinen Kunden nicht wirklich dabei, vermögender zu werden. Ihr eigener Gewinn hat sich jedoch mehr als verdreifacht im Segment Financial Services.

Was die Cashflow-Rechnung angeht, betont Flatex, dass die Aussagekraft gering ist, weil sie im Wesentlichen von der Entwicklung der Kundeneinlagen abhängt. Tatsächlich lässt sich an dieser Front nichts Auffälliges erkennen. Finanzdienstleister funktionieren eben anders als produzierende Betriebe.

Test 4: Gibt es verdächtige Bilanzpositionen?

Umso wichtiger ist die Analyse der Bilanzstruktur. Was macht Flatex zum Beispiel mit den nicht investierten Kundeneinlagen, die sich zum 30. Juni auf gut 1,5 Mrd. Euro summieren? In den Aktiva sehen wir korrespondierende 1,6 Mrd. Euro kurzfristiges Vermögen, das sich primär auf Wertpapierkredite an Kunden (422 Mio. Euro) sowie Guthaben bei Zentralbanken (701 Mio. Euro) und anderen Banken (66 Mio. Euro) aufteilt (Letzteres hoffentlich bei einem seriöseren Institut als der Commerzialbank Mattersburg).

Etwa 210 Mio. Euro entfallen auf Wertpapiere, die laut der Darstellung des Managements keine Bewertungsunsicherheiten aufweisen. Das erscheint schlüssig. Schauen wir also weiter und richten unseren Blick auf die stets kritischen immateriellen Vermögenswerte. Diese summieren sich auf 94 Mio. Euro, wovon etwa die Hälfte auf selbst erstellte Vermögenswerte entfällt. Dabei dürfte es sich um die selbst gestrickte Brokeragesoftware handeln, die von Marktinsidern als hochwertig eingestuft wird.

Abseits der Kundeneinlagen ist die Bilanz erfreulich schmal und das Eigenkapital in Höhe von 204 Mio. Euro erscheint deutlich größer als etwaige Bilanzrisiken.

Ergebnis: Flatex steht sauberer da denn je

CEO Frank Niehage und Großaktionär Bernd Förtsch legen seit Jahren ein großes Tempo vor und haben sich in der Branche Respekt verschafft. Das neue Geschäftsmodell, welches Produktpartnern besonders viele Transaktionen verschafft, aber dafür eine hohe Marge zu Flatex leitet, ist eine kleine Revolution.

Bis das Unternehmen dorthin gekommen ist, wo es heute steht, gab es einige Fehltritte, Kehrtwenden und viel lautes Getöse. Dennoch scheint das Management mit dem Fokus auf die europäische Marktführerschaft beim Onlinebrokerage nun eine Formel gefunden zu haben, die Flatex Stabilität verleiht auf dem Weg nach vorne.

Wenn Flatex angreifbar sein sollte, dann höchstens, weil sie Kunden zu stark zum Trading auf Kredit animiert, mit Produkten, die diese möglicherweise nicht vollkommen verstehen. Das wäre dann aber eher ein Fall für den Verbraucherschutz als für Shortseller. Von daher können wir uns als Investoren auf die Frage konzentrieren, ob die weiteren Aussichten von Flatex bessere Chancen bieten als andere spannende Aktien.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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