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Nachhaltige Anlagen – Gewinner der Coronakrise?

Bei all den Sorgen und dem Wirbel rund um das Coronavirus scheint die Klimadebatte wieder etwas in den Hintergrund gerückt zu sein. Denn im Vordergrund stehen zurzeit die Eindämmung der Pandemie und die Suche nach einem Impfstoff. Deshalb interessiert man sich an der Börse gerade vor allem für die Hoffnungsträger, also Pharma- und Biotechaktien. Doch wie haben eigentlich nachhaltige Anlagen in den letzten Monaten abgeschnitten? Zählen sie auch zu den Gewinnern der Coronakrise?

Nachhaltige Anlagen in der Krise: MSCI World SRI vs. MSCI World

Ein Vergleich des MSCI World und des MSCI World SRI lässt erste Rückschlüsse auf die Wertentwicklung der vergangenen Monate zu. Der MSCI World SRI (SRI = Socially Responsible Investment) ist der wichtigste Nachhaltigkeitsindex des weltweit führenden Indexanbieters MSCI.

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Legt man die beiden Indizes in einem Chart übereinander, sieht man sofort: Der nachhaltige SRI-Index schlägt den konventionellen Industrieländerindex. So verlor der MSCI World im März 13,2 %, der nachhaltige MSCI World SRI hingegen nur 10,8 %. Das ist natürlich nur eine sehr punktuelle Betrachtung. Doch der Nachhaltigkeitsindex hat nicht nur in der Krise tendenziell besser abgeschnitten. Er wird seit dem Jahr 2007 berechnet und hat den MSCI World seither fast kontinuierlich leicht übertroffen – und zwar in allen Börsenphasen. Und damit nicht genug: Die Performancedifferenz scheint sich seit Juni sogar noch zu vergrößern.

Ebenso verblüffend ist, dass der SRI-Index deutlich weniger Aktien als der herkömmliche Weltindex enthält, aber offenbar trotzdem nicht riskanter ist. Die Volatilität ist sogar minimal geringer. Während im konventionellen Index ca. 1.600 Aktien liegen, sind es im nachhaltigen Pendant knapp 400. Der Nachhaltigkeitsindex nimmt grundsätzlich keine Unternehmen aus kontroversen Branchen wie Waffen, Atomkraft oder Tabak auf und schließt Firmen mit kontroversen Geschäftspraktiken wie Kinderarbeit aus.

Besteht ein Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitskriterien und Performance?

Die Fondsgesellschaft Fidelity hat einen Performancevergleich zwischen dem S&P 500 und mehr als 2.600 Unternehmen angestellt, für die Fidelity-Analysten firmeneigene Nachhaltigkeitsratings von A bis E vergeben (ESG-Ratings). Das Ergebnis: Die ESG-Ratings und die Wertentwicklung der Unternehmen sind auch in Krisenzeiten positiv korreliert. Aktien und Anleihen mit einem guten Nachhaltigkeitsrating (A und B) haben laut Fidelity auch in dieser kurzen Phase besser abgeschnitten als durchschnittlich (C) oder schlecht bewertete (D und E) Unternehmen.

Konkret verlor der S&P 500 in den 36 Tagen zwischen dem 19. Februar und dem 26. März 26,9 %. In diesem Zeitraum büßten Aktien von Unternehmen mit A-Rating im Schnitt 3,8 Prozentpunkte weniger ein. Aktien von Unternehmen mit E-Rating schnitten durchschnittlich um 7,4 Prozentpunkte schlechter ab als der S&P 500. Fidelity hat bei seiner Untersuchung einen fast linearen Zusammenhang zwischen der Ausprägung der Nachhaltigkeitskriterien und der Performance festgestellt.

Auch Blackrock, der weltgrößte Vermögensverwalter, ist von der Widerstandsfähigkeit nachhaltiger Investments in Krisenzeiten überzeugt. Aus einer Analyse des Asset-Managers geht hervor, dass eine weltweit repräsentative Auswahl von Nachhaltigkeitsindizes im ersten Quartal in 94 % der Fälle auf risikoadjustierter Basis das jeweilige konventionelle Pendant übertroffen hat.

Widerstandsfähig in der Coronakrise – nicht ohne Grund

Wie lässt sich diese Überlegenheit nachhaltiger Anlagen in schwierigen Marktphasen nun erklären? Manche Marktteilnehmer sind der Meinung, dass die Performancedifferenz auf die niedrigere Gewichtung von Energieunternehmen in Nachhaltigkeitsindizes zurückzuführen sei. Durch den Einbruch der Ölpreise im ersten Quartal wurden vor allem die Titel von Energieunternehmen in Mitleidenschaft gezogen. Nun sind Förderer von fossilen Energieträgern in nachhaltigen Indizes und Fonds in der Regel untergewichtet oder werden komplett ausgeschlossen. Haben nachhaltige Anlagen nur deshalb besser abgeschnitten? Laut Fondsdatenanbieter Morningstar ist diese Schlussfolgerung zwar richtig. Allerdings erklärt sie in den USA nur die halbe Outperformance, und in anderen Regionen ist der Anteil noch deutlich niedriger.

Ein mindestens ebenso großer Teil dieser Outperformance dürfte der Tatsache zuzuschreiben sein, dass nachhaltig orientierte Unternehmen oftmals generell weniger Risiken bergen. Man denke da etwa an Umwelt- oder Regulierungsrisiken, die Unternehmen teuer zu stehen kommen können.

Es scheint also, als hätten nachhaltige Anlagen in der Coronakrise vergleichsweise besser abgeschnitten als konventionelle Investments. Ob man sie als „Gewinner der Coronakrise“ bezeichnen möchte, bleibt jedem selbst überlassen. Schaut man im Moment an die Börse, bekommt man eher den Eindruck, dass das Unternehmen, das den Wettlauf um den Coronaimpfstoff gewinnt, als größter Börsengewinner aus der Pandemie hervorgehen wird.

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