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Elektromobilität für die Tonne: Darum sind Müllfahrzeuge jetzt das große Ding

Bei der Elektromobilität denken wir meistens zuerst an Autos und Fahrräder. Genauso wichtig ist jedoch die Elektrifizierung von Nutzfahrzeugen. Auffallend häufig liest man im Moment über elektrische Müllfahrzeuge, die ihre Energie aus Batteriesystemen oder Brennstoffzellen ziehen. Neben einigen Spezialisten haben auch Start-ups wie Nikola (WKN: A2P4A9) und etablierte Konzerne wie Daimler (WKN: 710000) ihren Hut in den Ring geworfen. Hier ist, was hinter dem intensiven Wettbewerb steckt.

Warum Müllfahrzeuge ideal für die Elektrifizierung geeignet sind

Ob Elektroautos aus praktischen und ökologischen Gesichtspunkten heraus sinnvoll sind, wird immer noch landesweit leidenschaftlich diskutiert. Knackpunkte wie der Strommix, die Reichweite, die Ladeinfrastruktur und die Anschaffungskosten lassen viele noch zögern.

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Bei Kommunalfahrzeugen fallen viele dieser Bedenken weg. Aufgeladen wird zentral auf dem Betriebshof, der im Idealfall über erneuerbare Energien seinen Strom bezieht. Da die täglichen Routen gut kalkulierbar sind, lässt sich die Reichweite optimal dimensionieren. Zudem sind die Betriebskosten bei den intensiv genutzten Fahrzeugen wichtiger als die Anschaffungskosten.

Weitere bedeutende Faktoren im kommunalen Bereich sind die Eliminierung von schädlichen Abgasen und Feinstaub, wobei der verringerte Abrieb der Bremsbeläge durch die elektrische Rekuperation noch hinzukommt. Bei Müllfahrzeugen ist dieser Effekt besonders groß, weil sie schwer sind und ständig anfahren und bremsen.

Darum entbrennt jetzt ein Wettbewerb um elektrische Müllfahrzeuge

Der Grund, warum bisher nur ganz wenige elektrische Müllfahrzeuge auf den Straßen fahren, ist klar: Sie verbrauchen viel Energie. Deshalb funktioniert die ganze Sache erst, wenn bezahlbare und leistungsfähige Batteriesysteme oder Brennstoffzellen zur Verfügung stehen. Genau das verbessert sich derzeit jedoch mit großen Schritten. Laut BloombergNEF sind die Kosten pro Kilowattstunde Kapazität bei Lithiumbatterien von 2010 bis 2019 um 87 % gesunken.

Da jetzt überall auf der Welt Gigafactorys hochgezogen werden und die nächsten Generationen von Batteriezellen serienreif werden, purzeln die Kosten weiterhin gewaltig. Gleichzeitig verbessern sich die Robustheit, Langlebigkeit und Schnellladefähigkeit. Ähnlich sieht es bei Brennstoffzellen aus, wo große technische Fortschritte erzielt wurden und nun die Großserienfertigung entlang der Wertschöpfungskette einsetzt.

Anschaffungs- und Betriebskosten sinken so gleichzeitig, wodurch elektrische Müllfahrzeuge auch aus der rein wirtschaftlichen Perspektive heraus attraktiv werden. Zu diesem Schluss ist offenbar auch die Industrie gekommen.

Wer jetzt alles elektrische Müllfahrzeuge anpreist

Anfang August gab FAUN, einer der Marktführer bei Entsorgungsfahrzeugen, bekannt, dass schon 2021 die Serienfertigung eines Brennstoffzellen-Modells starten wird. Seit Jahren kooperiert das Unternehmen mit der Cummins (WKN: 853121)-Tochter Hydrogenics in öffentlich geförderten Projekten. Nun sollen die Früchte daraus kommerzialisiert werden, wobei FAUN den optimalen Mix aus Batterie und Wasserstoff-Range-Extender sucht. Das Management ist optimistisch, schon 2025 mehr Wasserstoff- als Dieselfahrzeuge absetzen zu können.

Die Daimler-Tochter Fuso stellt bei ihrem ebenfalls vor wenigen Tagen vorgestellten elektrifizierten Konzeptfahrzeug den semiautonomen Betrieb heraus. Der mittelgroße eCanter SensorCollect hat damit den Vorteil, dass der Fahrer aussteigen und mithelfen kann, während sich das Fahrzeug per Smartphone kontrollieren lässt. Auch wenn Daimler deutliches Interesse an diesem Markt zeigt, ist noch unklar, ob und wann auf das Konzept ein entsprechendes Serienmodell folgen wird.

Konkreter sieht die Sache bei Shootingstar Nikola aus. Das Start-up ist eigentlich bekannt für seine geplanten Wasserstoff-Lkw. Doch das Produktspektrum wird immer breiter, vom Spaßmobil über den Pickup-Truck bis hin eben zum elektrischen Müllfahrzeug.

Das bedeutende Entsorgungsunternehmen Republic Services (WKN: 915201) bestellte erstaunlicherweise gleich 2.500 bis 5.000 davon, wie am 10. August gemeldet wurde. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Umstellung von Diesel auf Elektro lohnen kann. Schon Anfang 2022 sollen die ersten Modelle getestet werden, um dann einige Monate später die Serienfertigung hochzufahren. Es wird auf dem batterieelektrischen Nikola Tre basieren, der zusammen mit Iveco entwickelt wird. Da FAUN ein Aufbau-Partner von IVECO ist, wäre sogar denkbar, dass Nikola das niedersächsische Unternehmen hinzuziehen wird.

Bereits Ende 2018 meldete die TRATON (WKN: TRAT0N)-Tochter Scania, dass sie zusammen mit dem Abfallmanagementunternehmen Renova ein Wasserstoff-Modell entwickle. Jetzt im Juli berichtet der Brennstoffzellen-Lieferant PowerCell Sweden (WKN: A14TK6), dass in Göteborg ein Projekt starte, um das Fahrzeug im Praxiseinsatz auszutesten.

Da kommt nun einiges in Bewegung

Man könnte Müllfahrzeuge als eine kleine Nische abtun. Doch diese Fahrzeuge sind nicht billig und schon eine einzige Metropole wie New York betreibt mehrere Tausend davon. Abfallentsorgung ist weltweit Big Business, das beispielsweise die Familie Rethmann mit ihrer Beteiligung Remondis zu Milliardären gemacht hat.

Deshalb positionieren sich neben den vorgenannten Marken noch weitere Nutzfahrzeughersteller mit elektrifizierten Modellen, darunter Mack und DAF. Ob dabei eine extragroße Batterie zum Einsatz kommt oder eine Brennstoffzelle als Range-Extender, wird von Details des Anwendungsfalls abhängen. Ich habe jedoch den Eindruck, dass häufig das Zusammenspiel, so wie es etwa FAUN vorschlägt, unterm Strich die besten Ergebnisse bringen wird.

Das würde bedeuten, dass sich hier über die kommenden Jahre ein großer Markt für Zehntausende Brennstoffzellensysteme auftut. Soweit diese sich im harten Alltag der Müllentsorgung tadellos bewähren, ist absehbar, dass sie auch bei Kehrmaschinen und anderen Kommunalfahrzeugen beliebter werden. Schließlich kann so die Auslastung der teuren Tankinfrastruktur gesteigert werden. Gute Aussichten, wie ich finde.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Cummins.

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