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Langfristige Aktienrenditen von nur noch 2 % – das sollte man deswegen tun!

Foto: Getty Images

Die historischen Renditen am Aktienmarkt waren wundervoll. Langfristig gesehen verdoppelt sich der Aktienmarkt alle acht bis zehn Jahre – das sind Renditen von rund 7 % bis 9 % im Jahr.

Es gibt jedoch eine schlechte Nachricht: Diese Renditen sind in den nächsten Jahrzehnten unrealistisch. Es sei denn, wir erleben eine erheblich größere Inflation als in der Vergangenheit. Beim Vermögensaufbau hilft das jedoch nicht.  

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Warum das so ist, das versuche ich hier zu erläutern. Auch, was man deswegen machen sollte. Spoileralarm: das Gegenteil von dem, was immer mehr Anleger tun. 

Wie die historische Rendite des Aktienmarkts zustande kam

Für die USA haben wir sehr gutes Zahlenmaterial, das uns verstehen hilft, wie die historischen Renditen des Aktienmarktes zustande gekommen sind. 

Ich habe mir dafür die Zahlen für den letzten 40-Jahreszeitraum angeschaut, also von 1979 bis 2019. Der S&P 500 ist in diesem Zeitraum um 8,9 % pro Jahr gestiegen. Diese Rendite setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  1. ~2,6 % durch das Wachstum des realen Bruttoinlandsprodukts (BIP)
  2. ~3,5 % durch die steigende Bewertung des Aktienmarkts im Verhältnis zum BIP (auch Buffett-Indikator genannt)
  3. ~2,8 % Inflation

Die Inflation können wir für diese Übung außen vor lassen. Diese führt nur zu einer gefühlten Rendite. Die Anzahl an Autos oder Mohrrüben, die wir uns aufgrund dieser Rendite in Zukunft im Vergleich zu heute kaufen können, ändert sich deswegen nicht.

Die reale Rendite des Aktienmarktes in den letzten 40 Jahren betrug also etwas mehr als 6 %. Das ist eine wunderbare Rendite. Sie bedeutete: Wer bei der Geburt seines Kindes etwas Geld in Aktien investierte, hat im Durchschnitt die Kaufkraft bis zum 18. Lebensjahr fast verdreifacht. 

Nun die schlechte Nachricht.

Warum das nicht so weitergehen kann

Fangen wir bei der Bewertung des Aktienmarktes an. Der Aktienmarkt ist in den letzten 40 Jahren deutlich schneller gestiegen als das BIP. Die Konsequenz: Das Verhältnis von Marktkapitalisierung zu Wirtschaftsleistung – der Buffett-Indikator – hat sich über diesen Zeitraum mehr als vervierfacht – von unter 40 % auf fast 160 %.

Dass das eigentlich nicht so weitergehen kann, liegt auf der Hand. Der Buffett-Indikator läge im Jahr 2059 dann bei 630 %. Das wäre ein Vielfaches des bisherigen Höchstwertes. 

Im heutigen Zentralbanken-Zeitalter sollte man allerdings niemals nie sagen. Alles scheint möglich. Aber veranschaulichen wir mal, was das bedeuten würde:

Nehmen wir an, dass die heute historisch hohe Profitabilität der Unternehmen bis dahin anhalten würde (was ich für unrealistisch halte, aber das ist ein Artikel für sich). Dann hätte der Aktienmarkt in diesem Szenario im Jahr 2059 ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 120.

Sag niemals nie. Aber …

Das ist aber noch nicht alles. Auch das zukünftige BIP-Wachstum ist ein gehöriger Gegenwind für die Renditen mit Aktien. Denn das historische reale BIP-Wachstum von 2,6 % erscheint für die Zukunft unrealistisch.

Darauf kommt man, wenn man die zwei Komponenten des BIP-Wachstums betrachtet: 

  1. Das Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung
  2. Das Wachstum der Arbeitsproduktivität dieser erwerbstätigen Bevölkerung

In den letzten 40 Jahren wuchs die erwerbstätige Bevölkerung in den USA um 1,1 % jährlich.

In den kommenden 40 Jahren erwartet das US-Büro für Arbeitskräftestatistiken hingegen nur noch ein Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung von 0,3 %.

Vielleicht kann dies durch ein deutlich höheres Produktivitätswachstum ausgeglichen werden. Immerhin könnten uns Internet- und weitere bahnbrechende Technologien das ermöglichen. Sollte man meinen.

In den letzten 10 Jahren ist die Produktivität allerdings nur um 0,9 % jährlich gestiegen. 

Es muss sich also sehr sehr viel tun, wenn man in Zukunft auch nur annähernd so viel reales BIP-Wachstum erreichen möchte wie in der Vergangenheit.

Nur noch 2 % Rendite, und was man als Anleger tun sollte

Alles in allem würde ich nicht mit deutlich mehr als 2 % realer Rendite des Aktienmarkts rechnen:

  • 0,3 % durch das Wachstum der erwerbstätigen Bevölkerung
  • 1,7 %, mit sehr viel Glück sogar mehr, durch Produktivitätswachstum
  • 0 %, eher sogar weniger, durch eine Stagnation der Bewertung des Aktienmarktes (Buffett-Indikator).

Um eine Verdreifachung des von uns bei der Geburt unserer Kinder in den Aktienmarkt angelegten Geldes zu erleben, müssen sie etwas länger warten als bis zur Volljährigkeit – nämlich bis kurz vor der Rente (im 55. Lebensjahr wäre es soweit).

Das sind keine so schönen Aussichten mehr. Allerdings bedeutet das nicht, dass man nicht in Aktien investieren sollte. Es gibt zwei Möglichkeiten, die Renditen zu steigern.

Erstens: regelmäßiges Investieren. Der Aktienmarkt schwankt gehörig auf seinem Weg nach oben. Das haben wir erst vor zwei, drei Monaten wieder erlebt. Das tut zwar in diesem Moment weh. Wer zu diesem Zeitpunkt allerdings 30 % oder noch günstiger einkauft, der erlebt eine deutlich höhere Rendite in der Zukunft.

Zweitens: Nicht blind Aktien kaufen. Ich würde also nicht in ETFs investieren. Stattdessen würde ich mir einzelne Aktien raussuchen, die ein überdurchschnittliches Wachstumspotential haben. Dabei sollte man immer auch nach der Bewertung schauen – also nicht zu jedem Preis einkaufen. Beziehungsweise: einfach weniger kaufen, wenn die Bewertungen hoch sind und mehr kaufen, wenn sie niedriger sind.

Die Aussichten für langfristige Renditen mit Aktien sind Stand heute also alles andere als gut. Aber es gibt eben doch einfache Mittel, die jeder von uns anwenden kann, um trotzdem noch etwas Gutes daraus zu machen.

Ich denke unsere Kinder werden es uns danken.


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