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Wie verrückt sind Technologiebewertungen?

Foto: Getty Images

Es war bisher das Jahr der Technologieaktien. Während die meisten Leitindizes noch immer unterhalb von alten Höchstständen sind, eilen Technologieaktien von Rekord zu Rekord. Der technologielastige amerikanische Index NASDAQ 100 stand Anfang der Woche fast ein Zehntel höher als zu seinen Höchstständen vor der Coronavirus-Krise und hat in den letzten zwölf Monaten um ein Drittel an Wert zugelegt.

Da stellt man sich die Frage, wie teuer Technologieaktien nun geworden sind. Viele ziehen schon den Vergleich zu der Internetblase während der Jahrtausendwende. Schauen wir mal auf ein paar Zahlen, indem wir den Total Enterprise Value (eine Alternative zur Marktkapitalisierung) mit den Umsätzen vergleichen. Der Vergleich zum Umsatz hat den Vorteil, dass man das grundlegendste Element eines Unternehmens betrachtet, das nicht wirklich durch Sondereffekte beeinflusst werden kann.

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TEV-Umsatz-Verhältnis
Alphabet 5,7
Amazon 5,2
Apple 6,2
Microsoft 10,4
Shopify 66,6
Zoom 84,6

Stand: 27. Juli 2020, TEV = Total Enterprise Value, der TEV eines Unternehmens ist seine Marktkapitalisierung zzgl. verzinste Schulden und Vorzugsaktien, aber abzgl. seiner Barmittel, Quelle: S&P Capital IQ

Die großen Technologieunternehmen Alphabet, Amazon, Apple und Microsoft sind optisch relativ teuer, aber nicht unbedingt sonderlich teuer. Bei Alphabet, Apple und Microsoft sind die Bewertungsaufschläge vor allem deswegen nachvollziehbar, weil alle Unternehmen regelmäßig Nettomargen von über 20 % erreichen und somit sehr viel vom Umsatz als Gewinn übrigbleibt. Microsoft konnte in letzter Zeit sogar Margen von über 30 % vorweisen, was rechnerisch gesehen ziemlich genau den zusätzlichen Aufschlag im Vergleich zu Alphabet und Apple erklären kann.

Amazon hingegen hat viel niedrigere Margen (etwas über 4 % in den Geschäftsjahren 2018 und 2019), allerdings auch deswegen, weil das Unternehmen massiv in Zukunftsintiativen investiert. So kann es auch weiterhin starkes Umsatzwachstum erreichen.

Insgesamt kann man sich bei allen vier Unternehmen relativ gut vorstellen, wie sie – aufbauend auf ihren starken Marktpositionen – mit einer Mischung aus Wachstum und guten Margen ihre aktuellen Bewertungen rechtfertigen, und so auch weiterhin gute Renditen liefern. Es könnte aber natürlich trotzdem sein, dass Technologieaktien jetzt im Vergleich zu anderen Aktien eher teuer sind. Blicken wir deshalb einmal auf die Bewertungen von vier Klassikern der amerikanischen Unternehmenslandschaft.

TEV-Umsatz-Verhältnis
Coca-Cola 7,1
Johnson & Johnson 5,0
Procter & Gamble 4,8
Visa 18,0

Stand: 27. Juli 2020, Quelle: S&P Capital IQ

Wie man sieht, sind diese Unternehmen gar nicht wirklich günstiger. Visa ist sogar deutlich teurer, hat allerdings auch unglaubliche Nettomargen von 50 % und mehr, sodass seine Umsätze sehr wertvoll sind und es wie ein dynamisches Technologieunternehmen bewertet wird, was es in mancher Hinsicht auch ist. Dass Coca-Cola, Johnson & Johnson und Procter & Gamble langfristig genug Wachstum und Margenstärke erreichen werden können, um ihre Bewertungen, die denen der großen Technologieunternehmen ähneln, rechtfertigen zu können, ist kein Selbstläufer.

Mit Blick auf die Großunternehmen kann man also nicht von einer Technologieblase reden. Bei den etwas kleineren Unternehmen ist das schon komplizierter. Unternehmen wie Shopify und Zoom werden stark dafür belohnt, dass sie führend in wichtigen Nischen sind und rasant wachsen.

Wie schnell sie weiterhin wachsen und wie in einigen Jahren ihr Margenprofil aussieht, wird darüber entscheiden, ob die heutigen Bewertungen übertrieben sind. Sie könnten sich als übertrieben herausstellen, aber es besteht auch durchaus die Möglichkeit, dass sie in ihre Bewertungen hineinwachsen. Man muss sich bewusst machen, wie stark die Wirkung des Zinseszinseffekts sein kann. Würden Shopify und Zoom ihre Umsätze für ein halbes Jahrzehnt lang um 50 % pro Jahr steigern – was fordernd, aber denkbar ist –, würden sich die Umsätze fast verachtfachen. Bei gleichbleibenden Kursen wäre ihre Bewertung dann ähnlich wie die von Microsoft heute.

Technologieaktien sind bisher die großen Gewinner dieses Jahres. Der eine oder andere Kurssprung wird sich als nicht nachhaltig erweisen, aber eine, den ganzen Markt ergreifende Technologieblase lässt sich anhand der aktuellen Bewertungen nicht erkennen.

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Offenlegung: Marlon Bonazzi besitzt Aktien von Amazon und Shopify. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien), Amazon, Apple, Microsoft, Shopify, Visa und Zoom Video Communications. The Motley Fool empfiehlt Johnson & Johnson. The Motley Fool empfiehlt die folgenden Optionen: Long Januar 2021 $85 Calls auf Microsoft, Short Januar 2021 $115 Calls auf Microsoft, Short Januar 2022 $1940 Calls auf Amazon, Long Januar 2022 $1920 Calls auf Amazon und Short August 2020 $130 Calls auf Zoom Video Communications.

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