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Royal Dutch Shell: Ist die Zeit der hohen Dividenden endgültig vorbei?

Der Ölpreis hat in diesem Jahr eine beispiellose Berg-und-Tal-Fahrt hingelegt. Der Kurs der Royal Dutch Shell-Aktie (WKN: A0D94M) hat diesen wilden Ritt auf Schritt und Tritt begleitet. Zu Beginn des Jahres kostete ein Fass Öl noch mehr als 60 Dollar. Von da aus ging es aber erst mal nur noch bergab, bis dernoch nie da gewesene Fall eingetreten ist und Öl im April zu einem negativen Kurs gehandelt wurde. Von diesem kurzen Schock hat sich der Rohstoff aber wieder etwas erholt und wechselt derzeit für 41,31 Dollar (Stand: 29.07.2020) den Besitzer.

Eine Shell-Aktie kostete am Jahresanfang noch etwa 25 Euro. Dann kam der Absturz, der erst knapp unter 10 Euro den Tiefpunkt erreicht hatte. So ganz erholen konnte man sich von dem Schock aber nicht. Auch jetzt steht die Aktie mit gerade einmal 13,83 Euro (Stand: 29.07.2020) noch weit unter dem Wert vom Jahresanfang.

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Der Ölpreis dreht den Dividendenhahn zu

Denn der gewaltige Preisverfall hat für die großen Ölkonzerne drastische Konsequenzen. Fast alle Konzerne mussten inzwischen die Dividendenzahlungen deutlich reduzieren und Aktienrückkaufprogramme einstellen. Auch Shell ist da keine Ausnahme. Zum ersten Mal seit mehr als 70 Jahren musste die Auszahlung gekürzt werden, um wertvolles Kapital im Konzern zu halten. Statt 0,47 bekommt man nun nur noch 0,16 Dollar je Quartal und Aktie.

Denn im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres hat sich der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 0,61 auf nur noch 0,37 Dollar fast halbiert. Sollte sich die Situation in den nächsten Monaten nicht deutlich verbessern, sind auch weitere Kürzungen nicht auszuschließen. Denn die Auszahlung von fast 50 % des Gewinns dürfte nicht nachhaltig sein. Zu groß ist der Kapitalbedarf im laufenden Geschäft.

Um sich weniger abhängig vom schwankenden Ölpreis zu machen, investiert man in den Ausbau erneuerbarer Energien. Bis es so weit ist, dass der Geschäftsbereich einen nennenswerten Ergebnisbeitrag liefert, wird aber noch viel Zeit vergehen. Und bis dahin wird Shell noch sehr viel Geld investieren müssen. Bisher hinkt man den eigenen Zielen in diesem Bereich noch hinterher.

Neue Geschäftsfelder noch nicht weit entwickelt

Das Geschäft mit dem Öl hat immer noch höchste Priorität. In diesem Jahr sind Investitionen von etwa 20 Mrd. Dollar geplant. Diese Investitionen zu finanzieren könnte aber ein Problem werden, wenn der Ölpreis weiter derart niedrig liegt. Die Bilanz des Unternehmens ist jetzt schon mit einem gigantischen Schuldenberg belastet. Am Ende des ersten Quartals lag die Nettoverschuldung bei 74,4 Mrd. Dollar! Diesen Schuldenberg abzutragen wird viele Jahre dauern. Ein fallender Ölpreis verlängert den Zeitraum zudem nur noch weiter und macht die Rückzahlung schwieriger.

Die kommenden Jahre werden für Shell-Aktionäre deshalb eine spannende Zeit. Auf der Dividendenseite ist das Eis inzwischen gebrochen. Ob die Ausschüttung in den nächsten Jahren wieder angehoben werden kann, wird sich zeigen. Das wird ganz davon abhängen, wie sich die Nachfrage nach Öl entwickelt. Sollte der Ölpreis auf dem aktuellen Niveau verharren, sind weitere Kürzungen wohl nicht ausgeschlossen.

Sollte es aber ganz anders kommen und der Ölpreis wieder steigen, könnte auch Shell wieder mit steigenden Dividenden erfreuen und vielleicht sogar gleichzeitig noch die Verschuldung reduzieren. Vielleicht wäre es aber eigentlich die bessere Wahl, das Geld in die Stromerzeugung zu investieren, um den sehr kleinen Geschäftsbereich zu stärken und sich unabhängiger vom Öl zu machen.

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