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Kann MercadoLibre wieder profitabel sein?

Foto: Getty Images

MercadoLibre (WKN: A0MYNP), der größte E-Commerce-Anbieter Lateinamerikas, hat seinen Aktienwert im Jahr 2020 um mehr als 75 % steigern können. Da sich das Unternehmen ausschließlich auf die Bereitstellung von E-Commerce- und digitalen Zahlungsdiensten konzentriert, hat es enorm von der Coronaviruspandemie profitiert.

Die Zahl der aktiven Einzelbesucher und die Einnahmen der Plattform stiegen im ersten Quartal 2020 um 31 bzw. 38 %. Nach dem letzten Gewinn im Jahr 2017 hat das Unternehmen jedoch in den letzten beiden Jahren jeweils Nettoverluste verzeichnet. Doch warum hat das einstmals profitable Unternehmen Geld verloren? Und wird es wieder profitabel sein?

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Skalierung des Unternehmens

MercadoLibre will die Infrastruktur zu einer digitalen Wirtschaft in einer Region mit über 640 Millionen Menschen aufbauen. Das erfordert erhebliche Ausgaben, um eine Größenordnung zu erreichen und eine dominante Stellung zu erlangen. Darüber hinaus charakterisiert die Plattform-Ausrichtung des Unternehmens einen Markt, bei dem alle gewinnen: Das Unternehmen kann jeden bedienen, der Service wird mit jedem zusätzlichen Benutzer besser, und die Kosten, um einen weiteren Nutzer zu bedienen, gehen gleich null.

Der vernünftige Schritt besteht also darin, das Wachstum und die Interaktion der Nutzer so schnell wie möglich voranzutreiben. Eine Initiative, die das Unternehmen ergriffen hat, war die Verbesserung seines Logistikangebots. Ab 2017 begann MercadoLibres Envios (die Logistiklösung) damit, Verkäufern auf seiner Plattform Subventionen zu gewähren. So sollten bestimmte qualifizierte Verkäufe kostenlosen Versand anbieten. Von 2017 bis Ende 2019 beliefen sich die Versandsubventionen auf insgesamt 868 Millionen USD. Dies entsprach satten 18 % der kumulativen Nettoeinnahmen in diesem Zeitraum. Das wirkte sich negativ auf die Bruttomargen aus.

Investitionen in die Zukunft

Zusätzlich zum kostenlosen Versand hat MercadoLibre seine Investitionen in Cross-Docking und Fulfillment-Dienstleistungen erhöht. Das hat dem Unternehmen ermöglicht, die Versandzeiten zu verbessern. So hatte man eine größere Kontrolle über die zentralisierte Lagerhaltung und die ein- und ausgehende Logistik. Infolgedessen hat sich der Anstieg der Spediteur- und Betriebskosten im Jahr 2019 gegenüber dem Vorjahr fast vervierfacht. Das Unternehmen denkt, dass diese Kosten mit der Fortsetzung dieser Initiativen weiter steigen werden.

Es ist jedoch nicht alles schlecht, denn eine verbesserte Logistik erhöht den Wertbeitrag des Unternehmens. Den Verkäufern ermöglicht man, den Käufern einen nahtlosen Versand anzubieten. Darüber hinaus gibt es MercadoLibre eine größere Kontrolle über die Benutzererfahrung durch die Integration aller vorhandenen Dienste in einen einzigen. Das beschleunigt die Lieferung und verbessert die Kundenzufriedenheit. Verkäufer müssen keine Zeit damit verbringen, herauszufinden, wie sie ihre Produkte an die Käufer schicken können – MercadoLibre kümmert sich um alles. All dies festigt den Vorsprung gegenüber der Konkurrenz.

Ein paar Worte zum Marketing

Ein weiterer enormer Kostenfaktor ist das Marketing. Die jährlichen Vertriebs- und Marketingausgaben sind in den letzten vier Jahren mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 60 % gestiegen. Sie werden 2019 36,3 % der Einnahmen ausmachen. Ebenfalls im vergangenen Jahr startete MercadoLibre seine Branding-Kampagne für Libre (Marktplatz) und Pago (Fintech-Plattform), um neue Nutzer zu gewinnen. Außerdem sollten damit die Transaktionsfrequenz erhöht und Cross-Selling-Dienste angeboten werden. Diese Ausgaben führten dazu, dass das Unternehmen im Jahr 2019 einen Verlust von 172 Millionen USD verbuchen musste. 2018 belief sich dieser Verlust noch auf 37 Millionen USD.

Beim jüngsten Bericht wurde gesagt, dass die Investitionen in das Marketing im ersten Quartal dieses Jahres niedriger und effizienter waren. Klar, aufgrund von COVID-19 gab es eine erhöhte organische Nachfrage. Daher könnte der sequenzielle Rückgang der Marketingausgaben um 63 Millionen USD im ersten Quartal von vorübergehender Natur sein. CFO Pedro Arnt erwartet, dass das Unternehmen „allmählich, effizient und intelligent die Marketingausgaben in bestimmten Kanälen und in bestimmten Bereichen wieder hochfahren wird“.

Der Weg zum Profit

Nachdem MercadoLibre immer mehr in Verkauf und Marketing investiert und seine Logistik verbessert hat, glaube ich, dass es wieder schwarze Zahlen schreiben wird. Zunächst einmal sind die operativen Verluste in den letzten drei aufeinanderfolgenden Quartalen zurückgegangen, da sich die Margen verbessert haben und das Unternehmen einen effizienteren, skalierten Betrieb führt. Die Coronaviruspandemie hat die Position von MercadoLibre als Hauptakteur und Plattformanbieter einer aufstrebenden digitalen Wirtschaft in Lateinamerika nur gestärkt.

Wer sich hier am Markt durchsetzen will, muss die notwendigen Ressourcen bereitstellen. Nur so kann man einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber den Rivalen erlangen. Die müssen dann erst mal aufholen. Es gibt nur einen Nachteil für potenzielle Investoren – ein Preis-zu-Umsatz-Verhältnis von über 20. Aber hier könnte sich die hohe Bewertung durchaus lohnen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von MercadoLibre. Neil Patel besitzt keine der angegebenen Aktien. Dieser Artikel erschien am 12.7.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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