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Bayer, was steckt jetzt in der Agrarsparte?

Foto: Bayer AG

Bayer (WKN: BAY001) konnte sich in der letzten Woche einem Großteil seiner akuten Rechtsrisiken in den USA entledigen. Für knapp 12 Mrd. US-Dollar einigte man sich auf die Beilegung von Klagen gegen das Pflanzenschutzmittel Dicamba, der Chemikalie PCB und natürlich Glyphosat. Der Vergleich gilt für 75 % der 125.000 eingereichten Glyphosat-Fälle und soll die restlichen offenen Fälle decken, die laut dem Chefmediator Kenneth Feinberg in den kommenden Monaten beigelegt werden sollen.

Für mögliche zukünftige Klagen sind 1,25 Mrd. US-Dollar der Vergleichssumme reserviert. Dafür soll ein unabhängiges Wissenschaftsgremium geschaffen werden, dass in den nächsten vier Jahren zu einer Entscheidung darüber kommen soll, ob Glyphosat krebserregend ist. Sollte das Gremium dies bejahen, rollt auf Bayer möglicherweise die nächste Klagewelle zu. Daher ist das Unternehmen vor allem von der operativen Entwicklung seiner Agrarsparte abhängig, um seine Bilanz bis dahin zu stärken.

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Wie steht es um die Crop-Science-Sparte?

Bis 2022 möchte Bayer den Umsatz im Agrargeschäft um jährlich 4 % und die EBITDA-Marge auf über 30 % steigern. Bei vollständiger Zielerreichung würde die Sparte ein EBITDA (Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) von ca. 6,8 Mrd. Euro beitragen.

Für 2019 lag man noch etwas hinter der Erwartungshaltung. Dafür lief das erste Quartal 2020 sehr gut. Das Unternehmen steigerte den Umsatz nominal um 6,1 % und die EBITDA-Marge um drei Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahresquartal. Während 2019 die Region Nordamerika noch 44 % der Umsatzerlöse ausgemacht hat, ist es positiv zu beobachten, dass die anderen Regionen im ersten Quartal stärker wuchsen. Eine sinkende Abhängigkeit vom US-Geschäft kann Bayer bei den Rechtsrisiken im Land nur recht sein.

Einen Teil der positiven Entwicklung führt Bayer auf vorgezogene Nachfrage aufgrund von COVID-19 in den größten Geschäftseinheiten Maissaatgut und Herbizide zurück. Es ist daher nicht zu erwarten, dass die Sparte bis zum Jahresende den Trend beibehalten kann. Bayer hat die Prognose für 2020 ohne die Auswirkungen von Corona erstellt, behält diese aktuell allerdings noch bei. Aufgrund der Notwendigkeit der Versorgung mit Nahrungsmitteln selbst in der Krise erscheint das auch realistisch.

Wie sieht die Zukunft der wichtigsten Bayer-Sparte aus?

Grundsätzlich liefert Bayer mit seiner Agrarsparte nämlich die Antwort für immer weniger Ackerflächen und gleichzeitig steigender Bevölkerungszahl und steigendem Fleischkonsum. Allerdings ist auch der Trend zu beobachten, dass sich immer mehr Menschen bewusst gegen die industrielle Landwirtschaft entscheiden.

Die Gefahr wird richtig groß, wenn die Expertenkommission zu dem Schluss kommt, dass Glyphosat tatsächlich krebserregend ist. In diesem Fall muss man davon ausgehen, dass der Verkauf von Glyphosat in den USA untersagt wird. Ab 2023 fehlt die Zulassung bereits in Europa.

Glyphosat ist ein zentrales Produkt für die Agrochemie von Bayer. So titelt die Wirtschaftswoche „Die Zukunft gehört Glyphosat“. Der Absatz von Saatgut hängt erheblich an Glyphosat, weil es gentechnisch so manipuliert wird, dass das Herbizid der Pflanze nichts anhaben kann. Damit wird deutlich, wie stark sich Bayer dem Urteil der Experten ausgeliefert hat und wie sehr sich das Management auf einen positiven Ausgang verlässt.

Sollte man jetzt in Bayer investieren?

Bayer hat sich mit dem Vergleich Zeit gekauft. Diese müsste Bayer in meinen Augen jetzt dazu verwenden, die Abhängigkeit von Glyphosat zu reduzieren. Allerdings scheint das Unternehmen dazu nicht in der Lage zu sein, da ansonsten das Geld für Dividendenzahlungen, Schuldentilgung und die Vergleichszahlungen fehlt.

Um die Betrachtung abzurunden, werde ich mich noch mal intensiver mit der Pharmasparte beschäftigen. So oder so möchte ich die Aktie nicht mehr bei der endgültigen Entscheidung der Expertenkommission im Depot haben. Sollte diese negativ ausfallen, können ganz schnell erhebliche Teile des Umsatzes aus der Monsanto-Übernahme wegbrechen.

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Florian Hainzl besitzt Aktien von Bayer. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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