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Siemens macht fossile Energie effizient: Drohen jetzt neue Klimaproteste?

Quelle: Siemens.com/presse

„Fridays for Future“ vs. Siemens (WKN: 723610), das war das große Thema im Januar rund um die Hauptversammlung der Münchener; damals, als Corona noch nicht das Tagesgeschehen dominierte und die Wirtschaft unter Volldampf stand. Der Anlass war die unwesentliche Beteiligung an einem gigantischen Kohleprojekt in Australien. Siemens wurde als Profiteur der Umweltzerstörung an den Pranger gestellt.

Doch Siemens beugte sich nicht dem Druck der Straße und hat offenbar auch nicht vor, aus der Unterstützung von – aus Aktivistensicht – Problemindustrien auszusteigen. Das jüngste Beispiel macht dies deutlich: Siemens wird zusammen mit dem Ölkonzern Total (WKN: 850727) an der Entwicklung von Technologien für die Flüssiggasproduktion arbeiten.

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Steht hier also neuer Ärger ins Haus, sobald die Demonstranten sich wieder kraftvoller formieren können? Und ist das für die Siemens-Aktie relevant?

Wie Siemens „schmutzige“ Industrien unterstützt

Siemens steht für Effizienztechnik wie nur wenige andere Unternehmen. Moderne Motoren und Generatoren sorgen genauso für geringeren Stromverbrauch wie leistungsfähige Steuerungs- und Automatisierungstechnik und die Lösungen für das Energiemanagement. Der zunehmende Einsatz von Sensorik und Software ermöglicht die kontinuierliche Überwachung und Analyse zur Verbesserung der Prozesse.

Früher gingen Umweltaktivisten gegen Walfang, Chemieverklappung und Atomkraftwerke vor. Heute wenden sich die Erben von Greenpeace gegen Effizienztechnik – zumindest, wenn sie bei schmutzigen Industrien zum Einsatz kommt. Die Logik ist, dass viele Projekte ohne solche Technologien nicht wettbewerbsfähig betrieben werden könnten, zum Wohle der Umwelt.

Nun ist es eben so, dass Siemens-Technik auch im Bergbau, in der Erdölindustrie, in der Flugzeugfertigung und in der Zementindustrie zum Einsatz kommt. Im Juni wurde gemeldet, dass Siemens zusammen mit Total intensiv daran arbeiten will, die Wertschöpfungskette für Flüssigerdgas (auch bekannt als LNG) effizienter zu machen. Das langfristige Ziel der beiden Partner besteht darin, dass für die Produktion unterm Strich kein CO2-Ausstoß mehr anfällt.

Das löst jedoch nicht das Problem, dass dieses LNG später verbrannt wird und somit große Mengen an CO2 freisetzt. Siemens wird also die Existenzberechtigung von LNG stärken und somit wirklich grünen Kraftstoffen wie Biogas und Windgas das Leben schwerer machen. Grund genug also, um eine neue Protestkampagne zu organisieren, oder?

Warum Siemens wahrscheinlich eine zweite Auseinandersetzung mit Aktivisten vermeiden kann

Ich denke, dass Siemens im Januar einfach Pech hatte. Es kam perfekt eines zum anderen. Hurrikane mit selten zuvor gesehener Zerstörungskraft, verheerende Waldbrände in allen Erdteilen und ein fast ausgetrockneter Rhein schockierten uns im Vorfeld geradezu. Fridays for Future hatte rund um den Jahreswechsel 2019/2020 wohl sein maximales Momentum erreicht, Greta beherrschte die Medien und viele Städte und Regionen riefen den Klimanotstand aus.

Gerade da platzte die Meldung herein, dass der Startschuss für das Steinkohleprojekt Carmichael in Australien abgegeben wurde. Voll ausgebaut wird es eines der größten seiner Art weltweit sein und dann 60 Jahre lang betrieben werden. Es ist ein Schlag ins Gesicht jener, die sich gegen den Klimawandel engagieren. Und dann wurde bekannt, dass Siemens auch irgendwie mitmischt. Der Ärger war so groß, dass die Details nicht mehr interessierten.

Siemens wurde zur bequemen Zielscheibe. Es war ein klasse PR-Coup – junge engagierte Menschen gegen den mächtigen Konzern. Mit etwas Abstand betrachtet dürfte jedoch jedem klar werden, dass eine Wiederholung nicht zielführend wäre. Die Technik von Siemens mag zwar erstklassig sein, aber längst nicht konkurrenzlos. Auf Geschäft zu verzichten und das Feld den Wettbewerbern zu überlassen, kann kaum eine Lösung sein.

Schließlich ist auch nicht zu erwarten, dass etwa amerikanische Aktivisten in ähnlicher Weise auf Frontalkurs mit Rockwell Automation (WKN: 903978) oder Honeywell (WKN: 870153) gehen. In China wiederum wäre so etwas sogar völlig undenkbar.

Zudem ist es einfach so, dass die meisten Lieferanten von Industrietechnik branchenübergreifend aktiv sind. Linde (WKN: A2DSYC) ist beispielsweise ein enger Partner der Erdölindustrie. Wenn sich alle deutschen Spezialchemiker, Materiallieferanten und Anlagenbauer zurückziehen würden aus der Flugindustrie, dem Bergbau und der Förderung von fossilen Brennstoffen, dann würde die Arbeitslosigkeit wohl gewaltig hochschnellen – und doch würde wohl kaum ein positiver Effekt für die Umwelt entstehen.

Worauf man jetzt bei der Siemens-Aktie achten sollte

Es ist schon irgendwie paradox, dass Siemens und andere vergleichbare Konzerne Effizienztechnik liefern, die schmutzige Industrien stärken. Auch wenn Kohle als die schlimmste Form von fossiler Energie gilt, ist LNG auch nicht ohne. Umso mehr wird Siemens bzw. Siemens Energy nun dafür sorgen müssen, dass die eingesetzte Technik tatsächlich unterm Strich zur Vermeidung von Emissionen führt und nicht einfach die Produktion bei gleich hohem Energieeinsatz gesteigert wird.

Insgesamt bin ich jedoch optimistisch, dass Siemens Energy eine gute Rolle dabei spielen wird, dazu beizutragen, das europäische Ziel von netto null CO2-Emissionen bis 2050 zu erreichen. Ölmultis wie Total haben sich ihrerseits dazu verpflichtet, und dafür brauchen sie die fortschrittlichste Effizienztechnologie. Je deutlicher herauskommt, dass das Management mit Überzeugung diese Ziele verfolgt, desto weniger Anlass besteht für neue Protestaktionen – und desto weniger muss man sich um die Siemens-Aktie sorgen.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Siemens. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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