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Ist die Dividendenkürzung von Royal Dutch Shell etwa doch übereilt gewesen?

Foto: Getty Images

Es ist und bleibt ein langjähriger Meilenstein, das erste Quartal des britisch-niederländischen Öl- und Erdgaskonzerns Royal Dutch Shell (WKN: A0ER6S). Nicht bloß, dass der erneute Ölpreisverfall mit teilweisen Negativnotierungen zu einem Zeitraum zum Vergessen geführt hat. Nein, das Management hat zudem kurzerhand beschlossen, die eigene Dividende um zwei Drittel regelrecht zu rasieren. Wie du mit Sicherheit als Investor weißt: das erste Mal innerhalb der letzten ca. 75 Jahre.

Für manche Investoren kam das sehr plötzlich. Für manche gar sprunghaft. Insbesondere im Kontext eines sich zunehmend wieder beruhigenden Ölmarktes könnte jetzt entsprechend eine Frage aufploppen: Ist der Schritt womöglich übereilt gewesen? Versuchen wir, aus ein paar verschiedenen Perspektiven eine Antwort auf genau diese Fragestellung zu erhalten.

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Ja, ein zu hektischer Schritt, weil …

Grundsätzlich könnte man als Investor durchaus in der Art argumentieren, dass der Zeitraum doch recht kurz gedacht gewesen sein könnte. Royal Dutch Shell hat zwar ein wirklich durchwachsenes erstes Quartal mit einem leichten Minus hinter sich gebracht. Ein zweites herausforderndes Quartal stand mindestens bevor. Aber dennoch: Investoren sind hier eigentlich mehr Konstanz gewohnt gewesen.

Der Ölpreisverfall der Jahre 2014 bis 2016 hat schließlich gezeigt, dass auch mal einige Jahre lang aus der Substanz gezahlt werden kann. Zumindest ein, zwei, drei Quartale wären mit Sicherheit möglich gewesen. Alleine der Zeitraum bis zur Kürzung ging vielen daher zu schnell. Und vor allem ohne Vorbereitung.

Besonders bitter scheint diese Pille allerdings zu sein, da der Ölmarkt sich jetzt vermehrt geschlossen präsentiert. Saudi-Arabien kürzt gigantisch. Russland ebenso. Und selbst andere Staaten, die teilweise nicht einmal zur OPEC+ gehören (oder die Maßnahmen sogar abgelehnt haben wie die USA), haben ebenfalls den Schritt auf die Bremse verkündet.

Sicher, noch immer notiert das Barrel Brent auf einem Preisniveau von knapp unter 40 US-Dollar (04.06.2020), was alles andere als ausreichend für hohe Gewinne und solide dividendendeckende Cashflows ist. Allerdings könnte sich bei der Schnelligkeit des Ölpreisverfalls bereits im Vorfeld abgezeichnet haben, dass ein solches Preisniveau nicht ewig halten würde. Zumal eben auch Russland, Saudi-Arabien und weitere Öl- und Erdgasnationen viel zu verlieren haben.

Genau zur richtigen Zeit …?

Mit einem etwas weiteren unternehmensorientierten Blick könnte man allerdings auch zu dem Entschluss kommen, dass die Kürzung der Dividende jetzt genau zum richtigen Zeitpunkt passiert ist. Oder aber, böse gesagt, dass das Management die Gunst der Stunde und vor allem der niedrigen Ölpreise genutzt hat, um sich der historischen Dividende günstig zu entledigen.

Keine Frage: Die üppigen Ausschüttungen haben einen großen Teil der Gewinne und der Cashflows beansprucht. Jetzt, in diesen Wochen und Monaten, hätte zudem viel aus der Substanz gezahlt werden müssen. Gemeinsam mit den mittelfristigen Plänen des Konzernumbaus womöglich eine Verwendung dieser Mittel, die sowieso nicht mehr gewünscht gewesen ist.

Royal Dutch Shell plant nichts weniger, als sich konzernübergreifend neu aufzustellen. Statt Dividende dürfte künftig in die Errichtung der Elektrizitätssparte investiert werden. Für langfristig orientierte Investoren ein cleverer Schritt, zumal die Abhängigkeit vom Öl reduziert werden dürfte.

Hätte Royal Dutch Shell die Dividende weiter aufrechterhalten, so wären die Investitionen womöglich zu kurz gekommen und die Ausschüttungen hätten weiterhin Priorität besessen. Für die langfristige Zukunft womöglich der falsche Ansatz. Aus einem solchen Blickwinkel heraus hätte die Dividende daher womöglich schön früher gekürzt werden sollen. Auch wenn der Einschnitt natürlich schmerzhaft gewesen ist.

Eine überhastete, rechtzeitige Kürzung?

Keine Frage: Die Dividendenkürzung von Royal Dutch Shell ist und bleibt historisch. Und für viele Investoren womöglich ein Bruch der Investitionsthese. Ein Bruch mit der Konstanz sowieso. Es könnte hier jedoch langfristig der richtige Schritt gewesen sein. Das wiederum könnte auch erklären, warum es das Management mit dieser Maßnahme im Endeffekt so eilig hatte.

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Vincent besitzt Aktien von Royal Dutch Shell. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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