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Dynamisch wie Starbucks, solide wie Nestlé? Die Aktie von JDE Peet’s im IPO-Check

Kaffee ist aus unserem Alltag kaum wegzudenken und hat sich über die Jahre zu einem Lifestyleprodukt mit unzähligen Varianten und Individualisierungsmöglichkeiten entwickelt. Starbucks (WKN: 884437) ist ein Pionier und Hauptprofiteur dieses langjährigen Trends und die Aktie hat viele treue Investoren zu Millionären gemacht (während der frühere Hoffnungsträger Luckin Coffee (WKN: A2PJ6S) seit einigen Wochen für Negativschlagzeilen sorgt).

Nun kommt mit JDE Peet’s eine weitere Kaffeeaktie auf den Markt und Anleger fragen sich natürlich, ob hier eine ähnliche Wachstumsstory bevorstehen könnte. Oder ob sich dahinter zumindest eine Aktie verbirgt, die es mit der Solidität von Nestlé (WKN: A0Q4DC), dem Weltmarktführer in Sachen Kaffee, aufnehmen kann.

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Das ist JDE Peet’s

Kaum eine Werbung aus meiner Kindheit hat sich so in meinem Kopf eingeprägt wie die penetranten Duftfahnen von Jacobs Krönung, die in ziemlich spießige Kurzgeschichten eingebettet wurden. Ja, das Verwöhnaroma, dem keiner widerstehen kann …

Was damals noch eine Marke unter vielen war, hat sich über die Jahre zu einem Konzern von Weltrang aufgeschwungen. Investmentvehikel der Familie Reimann hatten Kaffee als neues Wachstumsfeld ausgemacht und in der Folge viele früher separat agierende Marken zusammengeführt, darunter auch Peet’s Coffee, die 2012 für knapp 1 Mrd. US-Dollar gekauft wurde. Die Übernahme der holländischen Douwe Egberts folgte 2013.

In einem weiteren Schritt brachte die heutige Minderheitsaktionärin Mondelez International (WKN: A1J4U0) ihre Marken rund um Jacobs bei Douwe Egberts unter, um die JDE Holding zu formen. Anfang dieses Jahres erfolgte dann endlich die Fusion mit Peet’s, wodurch die europäisch geprägten Marken besseren Zugang zum US-Markt bekommen und Peet’s andersherum seine Café-Kette (derzeit 466 US-Standorte) schneller international ausbauen kann.

(Anmerkung: Aus der zwischenzeitlich für stolze 13,9 Mrd. US-Dollar erworbenen Keurig Green Mountain wurde ebenfalls eine größere Einheit geformt und als separater Getränkekonzern Keurig Dr Pepper (WKN: A2JQPZ) zurück an die Börse gebracht. Die beiden Schwesterkonzerne kooperieren auf verschiedenen Ebenen.)

JDE Peet’s ist heute mit einem Weltmarktanteil von etwa 10 % die klare Nummer 2 im Kaffeemarkt, zusätzlich zu einer starken Präsenz im Teemarkt. Globale Brands werden durch regionale Premiummarken und lokale Spezialitäten ergänzt, ähnlich wie man das bei den Brauereigiganten kennt.

Neben dem klassischen Vertrieb über den Einzelhandel und eigene Ladengeschäfte nutzt die Gruppe auch Onlinekanäle. Außerdem wird die Kaffeekultur durch professionelle Lösungen gepflegt, welche sich an Büros und die Gastwirtschaft richten. Kaffeemaschinen, Finanzierung, Wartungsservice und Kaffeenachschub gibt es so aus einer Hand.

Die wichtigsten Details zum Börsengang

Dank der guten Nachfrage aus Investorenkreisen konnte der Börsengang vom 3. Juni auf den 29. Mai vorgezogen werden. Die an die Amsterdamer Börse gebrachten Aktien machen etwa 15 % des Aktienkapitals aus und wurden zum Ausgabepreis mit etwa 16 Mrd. Euro bewertet. Mondelez und JDE erlösen jeweils rund 0,8 Mrd. Euro. Daneben spült die Ausgabe von neuen Aktien rund 650 Mio. Euro in die Kassen von JDE Peet’s, um die Bilanz zu stärken.

Das ist auch nötig, denn die jahrelange Einkaufstour hat den Schuldenberg auf über 7 Mrd. Euro anwachsen lassen. Nach erfolgreichem Börsengang würde die Nettoverschuldung auf etwa 5,9 Mrd. Euro sinken, was gegenüber einem Rohgewinn von 3 Mrd. Euro im Geschäftsjahr 2019 nicht mehr ganz so dramatisch wirkt.

Nach Bedienung des Schuldendienstes und der Steuern blieben 2019 unter dem Strich 585 Mio. Euro übrig, nach 663 Mio. Euro im Vorjahr. Der Rückgang ist primär auf ein um 204 Mio. Euro verschlechtertes Steuerergebnis zurückzuführen. Das Management verweist auf nicht zahlungswirksame Buchhaltungseffekte. Das lässt sich auch am von 1.031 auf 1.178 Mio. Euro angestiegenen freien Barmittelzufluss (Free Cashflow) erkennen.

Die Steigerung der Barmittelrückflüsse ist eine wichtige Kennzahl für das Management. Während 2017 noch lediglich 53 % des Betriebsgewinns vor Abschreibungen letztlich in freien Barmitteln vorlagen, waren es 2019 schon 76 %. Zuletzt wurde auch die Robustheit des Geschäftsmodells unter Beweis gestellt: Trotz geringfügiger Einbußen im März wegen der eingeschränkten Vertriebsmöglichkeiten konnte im ersten Quartal 2020 der Gewinn von 106 auf 146 Mio. Euro gesteigert werden. Kaffee getrunken wird immer.

So gut wie Starbucks … oder Nestlé?

Die Geschichte von Peet’s ist interessanterweise eng mit der Entstehung von Starbucks verwoben und die Finanzkraft des kombinierten Konzerns würde durchaus einen Angriff auf die führende Café-Kette zulassen. Das Management beabsichtigt auch, in Regionen wie Südostasien, Lateinamerika und Russland Marktanteile zu erobern. Trotzdem ist für mich klar: Eine Dynamik wie bei Starbucks brauchen wir nicht zu erwarten.

Vielmehr rechne ich mit einem kontinuierlichen Ausbau der Geschäftsaktivitäten, ähnlich wie beim Hauptkonkurrenten Nestlé. Es geht vor allem darum, in allen wichtigen Marktsegmenten präsent zu sein und die angestammte Marktposition zu verteidigen. Café-Ketten und Dienstleistungen mögen sich über die Zeit zu wichtigeren Standbeinen entwickeln, aber im Mittelpunkt wird aus meiner Sicht noch sehr lange der bewährte Vertrieb über den Einzelhandel stehen.

Wir haben es hier mit einer Reihe von Marken zu tun, die sich über Jahrhunderte gehalten haben und viele Millionen Menschen täglich begleiten. Durch die solide Profitabilität und das Ausspielen der Größenvorteile steht kaum zu befürchten, dass Wettbewerber die Marktposition von JDE Peet’s ernsthaft gefährden können. Wir haben es hier also wahrscheinlich mit einer Investitionsgelegenheit zu tun, die man unbeaufsichtigt über Jahrzehnte in seinem Depot belassen kann.

Ob die Aktie aber besser als Nestlé ist? Ich denke, das ist eine Geschmacksfrage. Bevorzugst du Nespresso oder L’OR? Schätzt du das viel diversifiziertere Portfolio von Nestlé oder geht es dir vor allem darum, voll am Kaffeegeschäft zu partizipieren?

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Luckin Coffee Inc. und Starbucks und empfiehlt Nestlé. 

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