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Mit Taktiken von Donald Trump reich in die Rente gehen: So geht’s

Foto: Getty Images

Kaum jemand hat sich in den letzten fünf Jahren mehr Trump angetan als ich. Das ist hart, aber manchmal auch lehrreich, gerade für Investoren. Zwischen all dem Chaos und den Boshaftigkeiten lassen sich gelegentlich auch interessante Taktiken entdecken, die sich auf unsere Geldanlage übertragen lassen. Hier sind drei davon.

Trump-Taktik Nr. 1: Die Gewinnerfaktoren identifizieren

Trump hat historisches Wissen auf dem Niveau eines Zehnjährigen, schauerliche Manieren und versteht nichts von Diplomatie. Das sind eigentlich Ausschlusskriterien in der Politik, insbesondere, wenn es um einen der höchsten Posten weltweit geht. Seine Gegnerin Hillary Clinton war hingegen genau das Gegenteil davon und deshalb nach klassischen Kriterien hochqualifiziert für den Job.

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Sie hat zwar letztlich mehr abgegebene Stimmen erhalten, aber durch das Wahlmännersystem der USA die Wahl verloren. Trump hat das Optimum herausgeholt, um seine Chancen zu steigern. Er konzentrierte alle Kräfte darauf, in den unentschlossenen Bundesstaaten dafür zu sorgen, dass die Waage am Wahltag zu seinen Gunsten ausschlägt. Entscheidend war dabei, große Bevölkerungsgruppen und deren wichtigstes Bedürfnis zu identifizieren.

Auf diese Weise gab er den Evangelikalen, was sie wollten, und versprach den Xenophoben eine Mauer sowie den Arbeitslosen Jobs in der Kohlebranche und den Abgehängten neues Selbstbewusstsein durch militärische Aufrüstung. Gleichzeitig wurde ein Zerrbild vom politischen Gegner gezeichnet. So summierten sich die Stimmen der Randgruppen und der konservativen ländlichen Stammwählerschaft auf die notwendige Mehrheit in den besonders wertvollen Staaten.

Was wir daraus lernen können:
Trump hat einen Weg gefunden, trotz erbärmlicher Voraussetzungen die Wahlen zu gewinnen. Parallelen zwischen seinen siegreichen Taktiken und der erfolgreichen Aktienauswahl sind naheliegend. Auch dort geht es darum, die Gewinnerfaktoren zu identifizieren. Man kann viele Argumente pro und contra finden, aber was gibt letztlich den Ausschlag für den überdurchschnittlichen Erfolg? Sind es bestimmte Markttrends, ein überzeugendes Management oder eine spannende Innovationspipeline?

Nicht alles, was sich zunächst gut anhört, zahlt sich später in barer Münze aus. Je mehr Erfahrungen wir sammeln, desto besser gelingt es uns, Faktoren zu gewichten und Unternehmen insgesamt einzuschätzen. Wenn wir unseren Investmenterfolg steigern wollen, dann müssen wir unser Vorgehen immer wieder hinterfragen – bis wir in der Lage sind, zu gewinnen wie Trump.

Trump-Taktik Nr. 2: „You are fired!“

„Du bist gefeuert“ ist einer der ikonischen Sprüche von Trump, den er nicht nur in seiner TV-Show nutzte, sondern auch im Politikbetrieb exzessiv einsetzt. Die meisten seiner ursprünglichen Mitstreiter sind mittlerweile gefeuert, soweit sie nicht im Gefängnis sitzen. Die verbliebene Mannschaft und die Nachrücker ordnen sich unter und lesen dem Herrscher die Wünsche von den Lippen ab. Wer sich nicht an die Regeln hält, fliegt konsequent raus.

Was wir daraus lernen können:
Wir müssen zwar kein Diktatorengen entwickeln, um an der Börse erfolgreich zu sein, aber Konsequenz ist ein gutes Stichwort. Dazu gehört zum Beispiel, sich bei einer Investition im Vorfeld im Klaren zu sein, warum man eine bestimmte Aktie ausgewählt hat. Wenn diese Investitionsthese zu einem späteren Zeitpunkt nicht mehr gültig ist, etwa weil das Management und die Strategie gewechselt wurden oder ein hoffnungsvolles Geschäftsmodell keine Früchte trägt, dann gilt es zu handeln.

Für Unternehmen, die enttäuschen oder sich nicht an die aufgestellten Regeln halten, sollte es daher konsequent heißen: „You are fired!“ So hält man sein Depot frisch mit zu 100 % loyalen Topwerten.

Trump-Taktik Nr. 3: Jeden Tag ein neuer Trumpf

Trotz Coronakrise herrscht in den USA längst Wahlkampf und Trump drohen aufgrund des Missmanagements die Felle wegzuschwimmen. Aber wer meint, dass er deswegen schon auf dem absteigenden Ast sei, liegt wahrscheinlich falsch. Denn in seiner unnachahmlichen Art zieht er nun nahezu täglich einen neuen Trumpf aus dem Ärmel.

So nimmt er laut eigener Aussage das wissenschaftlich nicht empfohlene Medikament Hydroxychloroquin zur COVID-19-Prophylaxe. Seit vielen Wochen wirbt er schon unbeirrt dafür. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen, dass es doch sinnvoll ist, wäre es ein riesiger Erfolg für ihn. Falls nicht, steht schon der nächste Trumpf bereit: Er besteht in der zunehmenden Dämonisierung der Chinesen.

Gelingt es ihm, die zurückhaltenden Asiaten mit immer wüsteren Aggressionen aus der Reserve zu locken und so einen handfesten Konflikt zu provozieren, dann stehen die Chancen gut, dass das Wahlvolk sich hinter ihrem starken Führer versammelt. Falls auch das nicht sticht, kann er sich zumindest auf die Evangelikalen verlassen. Seine aktuelle Forderung, sofort in allen Bundesstaaten sämtliche Gotteshäuser zu öffnen, dürfte auf ein großes Halleluja stoßen.

Wir können damit rechnen, dass in den nächsten Wochen noch viele solcher Scheingefechte und PR-Stunts fabriziert werden. Und die Schlammschlacht gegen seinen politischen Herausforderer Joe Biden hat noch gar nicht richtig begonnen.

Was wir daraus lernen können:
Trump setzt nicht alles auf eine Karte. Seine Taktiken sind flexibel und wechseln ständig den Standort und die Zielrichtung. Er probiert die verschiedensten Dinge aus und schaut dann, was auf Resonanz trifft. Bei den am besten funktionierenden Ideen verdoppelt er seinen Einsatz.

Genau das ist auch ein Erfolgsrezept an der Börse: Wir wollen viele gute Ideen einsammeln, den Dingen Zeit geben, um sich zu entwickeln, von den Ergebnissen lernen und dann nachkaufen, wo die Investitionsthese besonders gut aufgeht. Auf diese Weise bekommen wir ein starkes diversifiziertes Depot mit vielen Trümpfen, die stechen könnten, wenn es darauf ankommt – natürlich nicht am Wahltag, sondern vielleicht beim Renteneintritt.

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