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Eine skandalfreie Alternative zur Wirecard-Aktie

Debit- und Kreditkarten
Foto: Getty Images

Letzte Woche war er tatsächlich da, der heiß erwartete KPMG-Prüfbericht über die Vorwürfe der Financial Times gegen Wirecard(WKN: 747206). Bei den Aktionären des Zahlungsabwicklers kam dieser nicht allzu gut an. Während die Wirecard-Verantwortlichen den Beweis erbracht sahen, im Betrachtungszeitraum keine Bilanzfälschung begangen zu haben, stürzte die Wirecard-Aktie um über 20 % in den Keller.

Ich habe mich übrigens dafür entschieden, den 74-seitigen KPMG-Bericht auszulassen. Nicht nur, weil dieser schon genügend Beachtung findet, sondern weil es mit dem Geschäftsbericht von Visa (WKN: A0NC7B) eine mindestens ebenbürtige Alternative gab. Noch dazu eine skandalfreie Alternative, ohne die unsere Welt nicht vorstellbar wäre, die wahnsinnige Skaleneffekte hat, dafür aber auch sehr teuer ist.

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Eine Visa-freie Welt ist nicht vorstellbar

Im Geschäftsjahr 2019 wurden jede Sekunde weltweit und 4.400 Zahlungen über das Visa-Netzwerk abgewickelt. In der Zeit, die du für das Lesen dieser Kolumne benötigst – bei mir waren es vier Minuten – wurden Zahlungen im Wert von beinahe 70 Millionen US-Dollar abgewickelt. Per Visa-Karte im Laden vor Ort, über Apple Pay, Google Pay oder per Zahlung im Online-Shop, eine Welt ohne Visa ist für viele Bewohner der westlichen Welt nicht mehr vorstellbar.

So stehen hinter der Visa-Aktie mit die mächtigsten Netzwerkeffekte der Wirtschaftswelt: Mit jedem Visa-Nutzer wird es für Geschäfte wertvoller, Visa als Zahlungsoption anzubieten; mit jedem Geschäft, das Visa als Zahlungsoption anbietet, wird es für Kunden nützlicher, eine Visa-Karte im Geldbeutel oder auf dem Handy zu haben.

Visa ist das Rollenmodell eines skalierbaren Geschäftsmodells

Im Jahr 2018 betrug die operative Gewinnmarge von Visa 63 %. Und alle, die damals glaubten, es kann doch nicht noch besser kommen, blickten erstaunt auf die 65 % im Geschäftsjahr 2019. Zugegeben, das Geschäftsjahr 2017 war mit einer Gewinnmarge von 66 % gar noch besser.

Noch erstaunlicher wird es, wenn man die absoluten Veränderungen betrachtet. Das Umsatzwachstum um rund 2 Mrd. US-Dollar vom Geschäftsjahr 2018 auf das Geschäftsjahr 2019 ging mit einem operativen Mehraufwand von lediglich 300 Mio. US-Dollar einher. Wenn man so will, betrug die Gewinnmarge der hinzugewonnenen Umsätze im Jahr 2019 wahnwitzige 86 %.

Das ist ein unternehmerischer Traum: Jeder zusätzliche Umsatz kann mit deutlich weniger Kosten verdient werden als die Umsätze zuvor. Kann diese Entwicklung fortgesetzt werden, dann muss bei der heutigen Gewinnmarge von 65 % noch längst nicht Schluss sein.

Skandalbefreit vom Niedergang des Bargelds profitieren

An den Qualitäten von Visa sollte es wenig Zweifel geben. Ob Wirecard ähnliche Qualitäten hat, daran scheiden sich derzeit die Geister. Da ich den KPMG-Bericht nicht gelesen habe, werde ich mich bei dieser Frage heraushalten. Wer aber ganz ohne Skandale und Fragezeichen vom Niedergang des Bargelds profitieren möchte, für den ist die Visa-Aktie eine von vielen möglichen Alternativen zur Wirecard-Aktie.

Dafür ist auch der Preis für eine Visa-Aktie ein anderer. Laut Morningstar müsstest du derzeit immerhin das rund 33-Fache der erwarteten Gewinne oder das 17-Fache der Umsätze für eine Visa-Aktie bezahlen. Bei der Wirecard-Aktie wären es hingegen das 15-Fache des erwarteten Gewinns, beziehungsweise das 4-Fache des Umsatzes.

Skandalfreiheit hat also seinen Preis. Zurecht wie ich finde. Auch wenn die Corona-Pandemie zumindest kurzfristig das Wachstum von Visa ausbremsen wird.


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Offenlegung: Sven besitzt Aktien von Apple. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und Visa.

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