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Sell in May! Welche Bedeutung besitzt diese Börsenweisheit heute noch?

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Börsenweisheiten und -strategien gibt es wahrscheinlich genauso viele, wie es Anleger gibt. Eine davon ist eine saisonale Strategie. Sie geht davon aus, dass sich bestimmte Börsenmuster immer wieder wiederholen.

Dies liegt zum Beispiel an den Jahreszeiten. So ernten Bauern im Sommer ihr Getreide, was genau dann zu einem höheren Weizenangebot führt. Die Folge: Der Weizenpreis fällt meist vom Winter zum Sommer, um bis Dezember wieder stark zu steigen.

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Ähnliches ist beim Heizöl zu beobachten. Richtung Sommer fallen die Preise häufig, weil der Bedarf tendenziell abnimmt, während sie von Jahresmitte bis -ende meist steigen. Selbst das Wetter verläuft in Zyklen. So ist es beispielsweise im Sommer wärmer als im Winter. Wieso also diesen Zusammenhang nicht auch auf Aktien anwenden?

Börsensaisonalitäten ändern sich

Auch am Aktienmarkt existieren saisonale Muster. Dies hängt mit der Berichtsaison, den Dividendenzahlungen, den Handelsaktivitäten und in bestimmten Monaten durchschnittlich stärker steigenden Unternehmensumsätzen zusammen.

Doch was hierbei nicht vergessen werden darf, ist, dass sich diese Muster über die Jahrzehnte verändern. So lagen beispielsweise 1910 die schwächsten Börsenzeiten noch in ganz anderen Monaten als heute. Allgemeine Regeln, wie „Verkaufe im Mai, aber vergiss nicht, im September zurückzukehren“, besitzen also immer nur für eine bestimmte Zeit ihre Gültigkeit. So liegt beispielsweise für den DAX die saisonal schwächste Zeit aktuell zwischen Mitte Juli und Ende September und nicht mehr zwischen Anfang Mai und Ende August, wie es das Sprichwort beschreibt.

Ein gutes Beispiel aus der Praxis ist der DAXplus Seasonal Strategy Kursindex (WKN: A0C4BU), der seit 2005 während der Monate August und September die Börse meidet. Er liegt bis heute mit seiner Entwicklung hinter dem DAX und konnte weder in diesem Jahr noch 2008 den Einbruch verhindern. Ohne eine stetige Anpassung an die Veränderungen der Saisonalität ergibt sich also eher ein Nachteil.

Häufige Fehler bei der Ergebnisdarstellung

Zudem wird meist der Fehler begangen, den Durchschnitt der vergangenen 20 Jahre zu verwenden, um damit die historische Entwicklung genau in diesem Zeitraum darzustellen. Richtig ist dagegen, beispielsweise Durchschnittswerte der Jahre 1980 bis 2000 zu verwenden, um diese dann auf das Folgejahr 2001 anzuwenden, da nur so die prognostizierende Wirkung untersucht werden kann.

Ich habe einmal die Saisonalität des Dow-Jones-Index seit 1896 bis heute untersucht. Das Ergebnis: Hätte der Anleger immer die schlechtesten Börsenmonate der mindestens vergangenen 20 Jahre im kommenden Jahr vermieden, hätte er am Ende tatsächlich sehr viel besser abgeschnitten.

Eine immer stetig steigende Kapitalkurve ergibt sich dabei aber nicht. Vielmehr lag die Strategie bei Einzelereignissen, wie 1987, richtig, während sie die Einbrüche in den Jahren 2000 bis 2002 und 2008 nicht verhindern konnte. Und auch in diesem Jahr (2020) hätte der Crash nicht umgangen werden können, weil für Februar und März saisonal starke Monate prognostiziert wurden.

Für Privatanleger wenig geeignet

Für den Privatanleger, der auf solide Dauerinvestments setzt, ist die Strategie wenig praktikabel und sinnvoll. So müssen mit jedem Kauf und Verkauf Orderkosten und die Geld-Briefkurs-Spanne bezahlt werden, was den Renditevorsprung der Strategie stark mindert. Hinzu kommt der Verzicht auf Dividendenzahlungen, die genau in diese Zeit fallen. Besser ist es dagegen, bei Fonds oder guten Unternehmen in den Schwächephasen etwas nachzukaufen und langfristig zu halten. Trader können die Saisonailität hingegen nutzen.

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