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Ja, das ist der Tiefpunkt in der Causa Wirecard. Bis jetzt zumindest …

Foto: Wirecard AG

Die Aktie von Wirecard (WKN: 747206) präsentiert sich derzeit nicht gerade von ihrer Schokoladenseite. Mit dem Aktienkurs ist es deutlich bergab gegangen. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung von deutlich über 130 Euro je Aktie notieren die Anteilsscheine jetzt knapp über 87 Euro (05.05.2020).

Viele Investoren fragen sich derzeit, ob das berechtigt ist oder womöglich eine günstige Nachkaufchance. Der Prüfbericht der KPMG hat jedenfalls hohe Wellen geschlagen. Und hallt auch weiterhin nach: Immerhin konnte der gewünschte Effekt der Befreiung von den Vorwürfen der „Financial Times“ nicht erzielt werden.

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Wenn du mich fragst, befindet sich die Wirecard-Aktie am Boden. Allerdings zu Recht. Denn im Endeffekt hat der Zahlungsdienstleister jetzt einen Tiefpunkt erreicht. Und anders als in den anderen Situationen: Dieses Mal sogar selbstverschuldet.

Es wurde ein großer Fehler gemacht

Wer erinnert sich nicht an die schnellen Worte im Nachgang der ersten „Financial Times“-Berichte im Herbst des letzten Jahres? Die Vorwürfe seien substanzlos, erste innere Prüfung hätten das bereits gezeigt. Und trotzdem haben Management und Aufsichtsrat beschlossen, im Rahmen einer Prüfung, die ein halbes Jahr umfasste, diesen Dingen auf den Grund zu gehen.

In der Zwischenzeit hat man immer mal wieder über Twitter oder auch andere Kanäle beton, alles sei gut. Man brauche sich keine Sorgen zu machen. Es gebe keine Ad-hoc-Meldung. Entsprechend könne man davon ausgehen, dass alles in Ordnung sei, so sinngemäß der Tonus. Immerhin, das muss man dem Management lassen: Unrecht hatten sie damit nicht. Denn innerhalb des Prüfwerks konnte im Drittpartnergeschäft eigentlich gar nix bestätigt werden. Das lässt auch keine Korrekturen notwendig werden.

Allerdings hat sich Wirecard damit selbst des Vertrauens der Investoren beraubt. Im Vorfeld und in ziemlich zügigen Reaktionen zu behaupten, die Vorwürfe seien substanzlos, und dann mit einem Prüfwerk aufzuwarten, das im Grunde wenige Rückschlüsse bezüglich der vollständigen (!) Korrektheit des gesamten Konzerns Wirecard zulässt, ist ein Fehler. Ein Fehler, der Vertrauen gekostet hat, und das zu Recht.

Und gleichzeitig ein Novum in der Causa Wirecard einläutet: Denn das erste Mal müssen sich Management und Zahlungsdienstleister selbst ein Fehlverhalten nachsagen lassen. Im Vorfeld war es bloß die „Financial Times“, die angeprangert hat. Vorwürfe, die durch ebenjenen Sonderbericht hätten ausgeräumt werden können.

Was ist die Folge des Vertrauensverlustes?

Investoren stehen jetzt vor einer entscheidenden Fragestellung. Dabei geht es nicht um das Geschäftsmodell. Nein, zweifellos wächst Wirecard weiter, das zeigen neue Unternehmensmeldungen über Partnerschaften und Kooperationen, die auf ein intaktes Geschäftsmodell hinweisen.

Es geht um die Integrität des Managements und die anderweitigen Perspektiven. Wie ist es zu werten, dass das Management diesen Bericht als Erfolg oder zumindest Teilerfolg verkauft? Wie ist es zu werten, dass die Vorwürfe der „Financial Times“ bislang noch nicht einwandfrei widerlegt werden konnten. Und vor allem: Wie geht es jetzt weiter?

Eine weitere vertrauensschaffende Sonderprüfung wird es vermutlich nicht mehr geben. Die Ergebnisse stehen im Raum und sind fixiert. Investoren müssen damit leben. Ob das einen Verkauf nach sich zieht, ist jetzt für die meisten die Frage. Zumal das Vertrauen in das Management ein wichtiger, Foolisher Analyseaspekt ist. Und die möglichen neuen Angriffsflächen für die „Financial Times“ weitere Unsicherheiten und Kurskapriolen nach sich ziehen könnten.

Investitionsthese überdenken

Für mich persönlich ist all das ein Anlass, die Investitionsthese einmal zu überdenken. Die Wirecard-Aktie befindet sich zwar an einem Tiefpunkt. Ohne Vertrauen ist es jedoch schwer vorherzusagen, ob es dabei bleiben wird.

Das Segment der Zahlungsdienstleister birgt außerdem andere Wachstumschancen. Vermutlich werde ich künftig eher auf diese setzen, um von diesem Markt zu profitieren.

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Vincent besitzt Aktien von Wirecard. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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