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Deutsche Lufthansa: Die Aktie gleicht einem Spiel am Roulettetisch

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Mit Spannung haben Aktionäre und Beobachter der Deutschen Lufthansa (WKN: 823212) auf die Erkenntnisse der virtuellen Hauptversammlung am 5. Mai gewartet. Hauptsächlich hat man darauf gehofft, zu erfahren, ob der Staat der Kranich-Airline zur Seite steht und den Geldhahn für die deutsche Vorzeigefluggesellschaft aufdreht.

In den vergangenen Jahren hat der Lufthansa-Konzern durchaus bemerkenswerte Erfolge geschrieben, was unter anderem dazu geführt hat, dass die Lufthansa-Aktie im Jahr 2017 die 30-Euro-Marke je Aktie geknackt hat. Durch die Folgen des Coronavirus und die damit einhergehende sehr stark eingeschränkte Reisefreiheit ist die Deutsche Lufthansa in eine beispiellose Krise gerutscht und kämpft derzeit ums Überleben.

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Nahezu der komplette Flugbetrieb ist momentan eingestellt. Laut Aussage von Carsten Spohr, dem CEO der Deutschen Lufthansa, sei man, gemessen am Flugplan, wieder dort angekommen, wo man 1955 nach der Wiederaufnahme des Flugbetriebs nach dem Zweiten Weltkrieg gestartet war. Diese Aussage alleine beschreibt das Ausmaß der Krise ziemlich gut. Zudem verbrennt die Lufthansa pro Stunde etwa eine Million Euro an Cash.

Selbst mit einigen Milliarden Euro auf der hohen Kante ist die Kranich-Airline auf Staatshilfe angewiesen. Denn die Cashreserven dienen nicht allein zur Deckung der Fixkosten, sondern es müssen auch Gelder zurückbehalten werden, die nach und nach an die Kunden – für abgesagte Flüge – ausgezahlt werden müssen.

Der Staat hat seine Hilfe angeboten, jedoch ist diese Hilfe mit Forderungen verbunden, die CEO Carsten Spohr bisher abgelehnt hat. Auf der anderen Seite hat Herr Spohr damit gedroht, notfalls in ein Schutzschirmverfahren zu flüchten, sollte die Hilfe vom Staat nicht in angemessener Art und Weise erfolgen. Mittlerweile betont der Vorstandsvorsitzende, dass eine Insolvenz keine Option mehr sei.

Dennoch ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt (05.05.2020) nicht klar, ob die Staatshilfe kommen wird beziehungsweise welche Bedingungen diese mit sich bringen würde. Meiner Meinung nach kann demnach eine Insolvenz – ohne bindende Hilfszusage durch den Staat– nicht ausgeschlossen werden. Wer nun überlegt, eine Investition in die Lufthansa-Aktie zu tätigen, könnte genauso an einem Roulettetisch sein Geld auf Schwarz oder Rot setzen. Denn im Grunde genommen gibt es für die Airline nur zwei Optionen.

Staatshilfe im Gegenzug für Staatsbeteiligung?

Die erste Möglichkeit besteht darin, eine umfassende Staatshilfe zu erhalten, die den Fortbestand der Lufthansa gewährleistet. Zuletzt ist die Rede von einer Finanzspritze in Höhe von 9 bis 10 Mrd. Euro gewesen, die das Rettungspaket für die angeschlagene Airline beinhalten sollte.

Zuletzt haben Politiker, die vorwiegend im linken Parteienspektrum anzusiedeln sind bis hin zur SPD, postuliert, dass eine stille Beteiligung nicht ausreichend sei. Eine sogenannte Sperrminorität (25,1 % der Aktienanteile) wird gefordert. Das würde bedeuten, dass mindestens ein Aufsichtsrat von der Bundesregierung gestellt werden würde. Der Staat könnte somit direkt Einfluss in die geschäftlichen Tätigkeiten des Konzerns nehmen, was einer Teilverstaatlichung gleichkommen würde.

Genau das war auch der Grund, weshalb Carsten Spohr zwischenzeitlich ein mögliches Insolvenzverfahren in den Raum gestellt hat. Es ist ganz offensichtlich, dass ein direkter Einfluss der Politik auf eine Fluggesellschaft deren Wettbewerbsfähigkeit extrem verschlechtern könnte. Meiner Meinung nach argumentiert Herr Spohr völlig zu Recht, dass diese planwirtschaftliche Konstellation nicht im Sinne des Unternehmens sein könne.

Mittlerweile, so erscheint es zumindest nach der Hauptversammlung, scheinen sich Staat und Kranich-Airline etwas anzunähern. Es steht offensichtlich noch nichts fest, aber man kann mutmaßen, dass sich die Lufthansa offenbar zumindest gegen einen Teil der Forderungen wehren konnte.

Der CEO der Lufthansa betont allerdings auch, dass sich der Konzern nicht übermäßig verschulden dürfte, denn das würde das Unternehmen über Jahre hinweg lähmen. Möglicherweise wird hier auf die hohen Zins- und Dividendenforderungen der Bundesregierung angespielt, die nun vielleicht vom Tisch sein könnten.

Dabei verwies Herr Spohr auch auf die internationalen Wettbewerber. In den USA können sich beispielsweise andere Fluggesellschaften mit massiver staatlicher Hilfe sanieren – ohne ein hohes Schuldenrisiko einzugehen oder verstaatlicht zu werden.

Schutzschirmverfahren: Flucht in die Insolvenz

Obwohl der Vorstand der Deutsche Lufthansa eine Insolvenz nun nicht mehr in Betracht zieht, ist es dennoch die einzige verbleibende Möglichkeit, falls die Staatshilfe doch nicht zustande kommen sollte.

Denn offenbar scheint der Bund nicht übermäßig kooperativ zu sein, wie die bisher schwierigen Verhandlungen zeigen. Sollte es eine Seite wirklich darauf ankommen lassen, wäre ein Insolvenzverfahren aller Voraussicht nach unvermeidlich. Lufthansa selbst hatte bereits bekannt gegeben, dass die Möglichkeiten, am freien Markt Kapital einzusammeln, bereits erschöpft seien. Für mich bedeutet das in anderen Worten: Entweder der Staat springt ein oder eine Insolvenz ist unvermeidbar.

Eine Insolvenz endet meistens nicht gut für Altaktionäre, da vor allem die Gläubiger an erster Stelle stehen und die Hand aufhalten. Bei einem möglichen Schutzschirmverfahren besteht die Möglichkeit, dass der Vorstand mit einem sachkundigen Insolvenzverwalter es schafft, den Konzern zu sanieren. Doch niemand kann jetzt sagen, wie der Konzern danach aussehen würde. Sollte es zu einem Liquidationsverfahren kommen, werden ohnehin alle Vermögenswerte verkauft, um die offenen Schulden zu bedienen. Aktionäre haben dann das Nachsehen.

Rot oder Schwarz?

Wenn man beim Roulette auf Schwarz oder Rot setzt, besteht eine sichere 50/50-Chance, zu gewinnen (ich vernachlässige die 0 aus Vereinfachungszwecken, Rouletteliebhaber mögen es mir bitte nachsehen). Wenn man sich für die richtige Farbe entschieden hat, gewinnt man.

Nun, wenn man jetzt Lufthansa-Aktien kauft, setzt man sich aller Wahrscheinlichkeit nach einem der eben skizzierten Szenarien aus. Bei einem Insolvenzverfahren – egal ob mit Schutzschirm oder nicht – droht im schlimmsten Fall ein Totalverlust oder zumindest eine starke Verwässerung. Stichwort: debt in equity.

Sollte der Staat doch Gelder fließen lassen, kommt es ganz drauf an, wie die Bedingungen schlussendlich aussehen. Eine Teilverstaatlichung könnte starke Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit haben, aber auch hohe Zinsen könnten das Unternehmen lange Zeit schwächen. So oder so, nach einem Gewinn sieht diese Variante auch nicht aus.

Gut, bringen wir zum Schluss die 0 im Roulette doch wieder ins Spiel. Man kann anstatt auf Farben auch auf dieses Feld setzen, bei dem der Gewinn auch höher ist, wenn man richtig liegt. Im Fall der Lufthansa wäre das eine großzügige Staatshilfe mit geringer Verzinsung (oder vielleicht sogar Schenkung; vergleiche USA), in Form einer stillen Beteiligung durchaus hinnehmbar.

Vielleicht denken sich die Herrschaften auch eine noch bessere Variante aus, die der Lufthansa wieder Kraft gibt, wer weiß. Doch Anleger sollten sich vor einer Investition vor Augen halten, wie hoch die Wahrscheinlichkeit üblicherweise ist, dass die Kugel im Roulette auf der 0 landet.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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