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Buffett winkt ab, TUI blutet aus. Wer übernimmt die Macht im Tourismus?

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Die Tourismusbranche ist in einem bemitleidenswerten Zustand. Hunderte beliebte Ferieninseln hoffen vergebens auf die Rückkehr der Touristen und stehen vor dem Kollaps. Vielen Tausend kleineren Hotelbetreibern droht genauso die Insolvenz wie einigen der großen Ketten. Die Kreuzfahrtbranche hat einen Schlag versetzt bekommen, von dem sie sich wahrscheinlich jahrelang nicht erholen wird.

Weite Teile dieses mächtigen Wirtschaftssektors werden schon bald den Banken und anderen Gläubigern gehören, da bin ich sicher. Flugzeuge, Schiffe, Hotels, Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie auch Reiseveranstalter werden dann an den Meistbietenden versteigert, häufig zum Schleuderpreis.

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Da Warren Buffett groß in die Luftfahrtbranche eingestiegen war, hätte man auf die Idee kommen können, dass er seine nahezu unerschöpflichen Ressourcen dafür einsetzen würde, große Vermögenswerte im Reise- und Transportgeschäft zu erwerben. Schließlich hat er 2009 im Zuge der Finanzkrise mit BNSF Railway einen seiner größten Deals in der verwandten Branche des Gütertransports gemacht. Mit seinem Rückzieher bei den Airline-Beteiligungen wird dieses Szenario jedoch eher unwahrscheinlich.

Sicher ist jedoch, dass die Hotels noch dastehen werden, die Flugzeuge noch flugfähig sein werden und die Schiffe noch schwimmen werden. Wir sind nicht im Krieg, es ist alles noch da und auch die Reiselust ist grundsätzlich nicht gebrochen. Schon im Sommer 2021 könnte mit einigen Vorkehrungen nahezu Normalität zurückkehren, wenn alles gut geht. Dann würde die Tourismusindustrie wieder ihre Rolle einnehmen, nämlich gestressten Arbeitnehmern die verdiente Auszeit zu schenken und fleißige Dienstleister in aller Welt in Lohn und Brot zu halten.

Nebenbei könnten überlebende Tourismusunternehmen wie TUI (WKN: TUAG00) wieder vernünftige Renditen für ihre Aktionäre verdienen. Gerade weil Tourismus komplizierter geworden ist, braucht es starke Spieler. Nach dem Aus von Thomas Cook und der aktuellen Marktbereinigung gibt es jede Menge Platz für neue finanzkräftige Spieler. Die große Frage ist, ob wir uns jetzt schon positionieren können, um daran zu partizipieren.

Wer könnte in die Lücke springen?

Wie bereits bei der Korrektur von Ende 2018 scheint Buffett auch dieses Mal die besten Gelegenheiten liegen zu lassen. Aber wer hat ähnlich viel Geld und könnte ein Interesse an einem großen Einstieg in das Tourismusgeschäft haben? Aus China gab es die zwielichtige HNA Group, die jahrelang alles aufgekauft hatte, was nicht bei 3 auf den Bäumen war. Die ist nun aber schwer am Straucheln und fällt damit ebenfalls aus.

Zu denken wäre daneben an Softbank (WKN: 891624), die immer für einen Megadeal zu haben ist und über große komplementäre Investments im Bereich des Individualtransports verfügt, sprich Uber (WKN: A2PHHG) und Ähnliches. CEO Masayoshi Son würde traditionelle Vermögenswerte allerdings nur aufkaufen, wenn er eine futuristische Vision dafür entwickeln könnte, Tourismus 4.0 sozusagen. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass es so kommt, aber ich würde sagen, eher nicht.

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, dass große Gläubiger wie die Deutsche Bank (WKN: 514000) sich zusammentun, um aus den ihnen zufallenden Vermögenswerten einen neuen Tourismuskonzern zu schmieden. Der eine oder andere mag sich vielleicht daran erinnern, dass vor über 20 Jahren die damalige Westdeutsche Landesbank (WestLB) lange Zeit Großaktionär bei der TUI war und die Anteile 2004 an die Deutsche Bank weiterreichte.

Auf ähnliche Weise ist absehbar, dass bei einigen kapitalkräftigen Private-Equity-Unternehmen in verschwiegenen Hinterzimmern Deals vorbereitet werden. Sie könnten sich an die Gläubiger dranhängen, um günstige Assets in großer Menge einzusammeln, zu einer Einheit zu entwickeln und in ein paar Jahren über die Börse zu versilbern.

REWE ist ein heißer Kandidat

Daneben könnte die Touristiksparte der REWE Group, die unter der Dachmarke DER Touristik geführt wird, nun als Konsolidierer auftreten. Als einer der verbliebenen großen Rivalen der TUI hat sie einen der größten Lebensmittelvertriebe der Welt im Rücken und damit genau die Finanzkraft, die in dieser Situation gebraucht wird, um gestärkt aus dieser schwierigen Phase herauszukommen. Anfang Mai berichtet das Management von einem überaus erfolgreichen Geschäftsjahr 2019.

Fast gleichzeitig wurde bekannt, dass in der Tschechischen Republik das Touristikunternehmen Fischer übernommen wurde. Das Management verfolgt eine gezielte Expansionsstrategie und will weitere Chancen ergreifen. Das hat Potenzial, aber leider können wir uns daran nicht beteiligen.

Das wird einer der spannendsten Märkte der kommenden Jahre

Es spricht vieles dafür, dass die Tourismusbranche nun auf den Kopf gestellt wird. Eigentümer werden wechseln und neue Betreiber mit neuem Kapital und neuen Konzepten werden einspringen. REWE deutet bereits an, dass sie die sich nun auftuenden Chancen ergreifen will, und TUI könnte mit der richtigen Strategie durchaus eine ähnliche Rolle einnehmen, soweit die Geldgeber mitspielen.

Vielleicht wird aber auch ein Spieler aus der innovativen Tech-Branche versuchen, den Markt aufzurollen. Wenn wir uns bewusst machen, dass die weltweite Reise- und Tourismusindustrie laut Schätzungen je nach Definition zwischen 2,5 und 8 Billionen Euro ausmacht, dann wird klar, dass sich hier für Investoren wahnsinnige Chancen auftun. Um herauszufinden, wo genau diese zu finden sind, sollten wir die Augen offen halten.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Softbank Group und Uber Technologies.

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