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Hat die Wirecard-Aktie nun das Schlimmste überstanden?

Wirecard (WKN: 747206)-Aktien haben eine turbulente Achterbahnfahrt hinter sich. Nach der DAX-Aufnahme (2018) stiegen sie bis auf 197 Euro, um dann infolge einer Überbewertung und immer wieder aufkommender Bilanzmanipulationsvorwürfe seitens der „Financial Times“ in diesem Jahr bis auf 83,20 Euro zu fallen. Spätestens an diesem Punkt war die Aktie dann eindeutig unterbewertet, aber die wenigsten Anleger wagten vermutlich den Einstieg.

Heute notiert sie schon wieder fast 65 % höher (23.04.2020). Neben der Bewertung und der schrittweisen Wirtschaftslockerung kann Wirecard wohl nun am 27. April 2020 endgültig die schweren „Financial Times“-Vorwürfe ausräumen. Dann wird der Abschlussbericht der KPMG-Sonderprüfung erwartet.

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Sonderprüfung ergibt bisher keine Abweichungen

Eine Zwischenmitteilung macht allerdings schon heute (23.04.2020) große Hoffnung. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG konnte in ihren Untersuchungen zu den infrage gestellten Geschäftsberichten der Jahre 2016, 2017 und 2018 keine Auffälligkeiten feststellen. Die „Financial Times“ hatte immer wieder vor allem das Drittpartnergeschäft infrage gestellt, über das Wirecard einen Großteil seiner Erträge erzielt.

In Singapur wurde zwischenzeitlich Wirecards Geschäftserlaubnis angezweifelt. Dieser Vorwurf wurde nun wiederlegt. Wirecard verfügt über alle nötigen Lizenzen und ist deshalb voll einsatzfähig. Auch im Indiengeschäft gab es bisher keine Beanstandungen. Kritiker beklagten zuletzt die Verschiebung der Veröffentlichung des abschließenden KPMG-Berichts. Aber auch dafür gab es aufgrund der Coronavirusfolgen einen guten Grund. Wie sich heute herausstellt, beruhten die meisten Vorwürfe wohl doch eher auf Vermutungen und Wunschdenken.

 „Financial Times“ im Zwielicht

Am Ende stellt sich natürlich die Frage, welche Konsequenzen dies für die „Financial Times“ hat, wenn die Vorwürfe nicht der Wahrheit entsprechen? Hat sie schlecht recherchiert oder arbeitete sie tatsächlich mit Investoren zusammen, die bis heute mit hohem Einsatz auf fallende Kurse setzen. Dies wird gerade von mehreren Gerichten überprüft.

Zuletzt hatte Wirecard Gerichtsverhandlungen abgesagt. Die genauen Gründe sind nicht bekannt. Es wird vermutet, dass der Zahlungsdienstleister zunächst den KPMG-Bericht abwarten will, um dann stichhaltig argumentieren zu können.

Wahrscheinlich beruhten die „Financial Times“-Vorwürfe am Ende auf Teilwahrheiten. So konnten Untersuchungen in Singapur tatsächlich kleinere Buchhaltungsfehler belegen, die jedoch nicht zu wesentlichen Abweichungen in der Bilanz führten. In ähnlicher Weise könnte es auch im Drittpartnergeschäft zu Differenzen gekommen sein, die am Ende die Bilanzen aber nicht wesentlich beeinflussen. Genau dies hatte aber die „Financial Times“ Wirecard vorgeworfen, wahrscheinlich ohne eindeutige Beweise zu haben.

Einen umfassenden Überblick über Wirecards Erträge kann am Ende immer nur der Konzernabschluss liefern. Selbst einzelne Wirecard-Controller werden keinen Gesamtüberblick über den Konzern haben. Deshalb beruhten die „Financial Times“-Vorwürfe am Ende wohl doch eher auf Schlussfolgerungen auf Basis von einzelnen Aussagen und kleineren Abweichungen.

Fazit

Hat Wirecard also nun das Schlimmste überstanden? Dies kann nicht eindeutig beantwortet werden, denn dazu gab es in der Vergangenheit einfach zu viele Vorwürfe, die zum Teil berechtigt waren. Der Konzern kann somit zukünftig nur über eine fehlerfreie Arbeit wieder Vertrauen herstellen.

Positiv ist allerdings, dass Wirecard reagiert, seine Compliance verschärft und mit Thomas Eichelmann einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden berufen hat, der beispielsweise die zweite Prüfung durch KPMG, eine Vorstandserweiterung in den Bereichen Personal und internationaler Vertrieb sowie einen Aufsichtsratsausbau für die Expansion in Asien und in den USA angeregt hat.

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Christof Welzel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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