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Ist die Amazon-Aktie wirklich 1,2 Billionen US-Dollar wert?

Foto: Amazon

Als am vergangenen Donnerstag an den amerikanischen Börsen die Schlussglocke läutete, wechselte eine Amazon (WKN: 906866)-Aktie für 2.408,19 US-Dollar den Besitzer. Für alle 500 Millionen Amazon-Aktien, die sich derzeit im Umlauf befinden, hätte man also eine unglaubliche Summe von 1,2 Billionen US-Dollar bezahlen müssen.

Gründer und Amazon-Chef Jeff Bezos endete seinen Brief an die Amazon-Aktionäre trotz oder gerade aufgrund dieser unglaublichen Zahlen mit einem Zitat von Grinch-Erfinder Theodor Seuss Geisel:

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„Wenn etwas Schlimmes passiert, hat man drei Möglichkeiten. Man kann sich dadurch definieren lassen, man kann sich dadurch zerstören oder man kann sich dadurch stärken.“

Amazon lässt dabei keinen Zweifel daran, dass man noch stärker werden will und stellte im März und April 100.000 neue Mitarbeiter ein. Nach dem diese jetzt alle an Bord sind, werden nun 75.000 weitere Mitarbeiter gesucht, um die höhere Kundennachfrage zu decken.

Das sind unglaubliche Zahlen, die klarmachen, dass Amazon nach einem erfolgreichen Jahr 2019 auf ein noch erfolgreicheres Jahr 2020 zusteuert. Aber reichen diese Erfolge wirklich aus, um eine Marktkapitalisierung von 1.200.000.000.000 zu rechtfertigen?

Vielleicht. Dafür müssen Bezos und Amazon aber die im Seuss-Zitat versteckte Drohung an die Konkurrenz zum Leben erwecken. Also tatsächlich stärker aus der aktuellen Situation hervorgehen und sehr lange die heutigen Wachstumsraten aufrechterhalten. Was von Jahr zu Jahr schwieriger werden dürfte.

Ist die Amazon-Aktie wirklich 1,2 Billionen US-Dollar wert?

Blicken wir zunächst auf die Zahlen des Jahres 2019. Bei einem Umsatz von 281 Mrd. US-Dollar (+21 % gegenüber dem Vorjahr), erzielte man einen Jahresüberschuss von beinahe 12 Mrd. US-Dollar (+15 % gegenüber dem Vorjahr). Für eine Amazon-Aktie legte also jemand am vergangenen Donnerstag tatsächlich das Vierfache des Umsatzes oder das Hundertfache des Gewinns auf den Tisch. WOW!

Nicht viel günstiger wird Amazon beim Blick auf den freien Cashflow. Nach Abzug aller Investitionen und den Auszahlungen für geleaste Vermögensgegenstände blieb im Jahr 2019 ein freier Cashflow von 12,5 Mrd. US-Dollar. Zwar deutlich mehr als die 8 Mrd. US-Dollar von 2018, aber dennoch müsste man auch heute das Hundertfache des freien Cashflows für Amazon-Aktien bezahlen.

Diese verrückten Bewertungen sind solange kein Problem, wie man das rasante Wachstum beibehalten kann. Was mit zunehmender Größe immer schwieriger wird. Denn auch wenn wir das Umsatzwachstum meist in Prozentsätzen ausdrücken, ist die Herausforderung für das Unternehmen selbst das absolute Wachstum.

Das glaubst du nicht? Dann stelle dir einmal vor, dass Amazon innerhalb von nur zwölf Monaten so viel Umsätze hinzugewonnen hat, wie SAP (WKN: 716460) im vergangenen Jahr in Summe nicht verdient hat. Das ist verrückt, denn während Amazon im Jahr 2019 beim Umsatz um unglaubliche 48 Mrd. US-Dollar zulegte, brauchte es die komplette stolze SAP- Unternehmensgeschichte, um im Jahr 2019 auf einen Jahresumsatz von 28 Mrd. Euro zu kommen.

Aufgrund dieser verrückten Zahlen bin ich schon länger skeptisch, was das weitere Wachstum von Amazon betrifft. Ich kann daher jeden verstehen, der daran zweifelt, dass Amazon noch viele Jahre konstant um mehrere SAPs pro Jahr wachsen kann. Bisher lag ich mit dieser Skepsis allerdings immer falsch. Daher kann ich auch jeden verstehen, der genau vom Gegenteil ausgeht.

Ganz besonders dann, wenn Jeff Bezos seine Drohung aus dem diesjährigen Brief an die Aktionäre zum Leben erweckt. Also noch stärker als zuvor aus diesen schwierigen Zeiten hervorzugehen.


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Offenlegung: Sven besitzt keine der erwähnten Aktien. John Mackey, CEO von Whole Foods Market, einer Amazon-Tochter, ist Mitglied im Board of Directors von The Motley Fool. The Motley Fool empfiehlt und besitzt Aktien von Amazon und empfiehlt die folgenden Optionen: short Januar 2022 $1940 calls auf Amazon und long Januar 2022 $1920 calls auf Amazon.

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