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ETF-Sparplan: Ein fehlerhaftes Auslaufmodell ohne Zukunft

Foto: Getty Images

Der ETF-Sparplan: Auf den ersten Blick ein Meisterwerk aus Logik und Disziplin.

Monat für Monat wird ein Stück vom Lieblings-ETF erworben. Mal günstiger, mal teurer – aber langfristig zum unschlagbar attraktiven Durchschnittspreis.

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Nikkei 225: Einzelfall oder Vorreiter?

Den Japanern wird nachgesagt, dass sie uns Europäern immer ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte voraus sind. Wer dieses wunderschöne Land schon einmal besucht hat, wird dieses Vorurteil sicher bestätigen.

Vom Händeschütteln haben sich die Japaner schon lange verabschiedet. Vom Allzeithoch des Nikkei 225 allerdings auch. Der japanische Aktienindex erreichte Ende der 1980er-Jahre seine bisher maximale Bewertung von rund 40.000 Punkten.

Wie bitte? Ein Allzeithoch, dass seit über 30 Jahren nicht mehr übertroffen wurde? ETF-Sparer, die einen Index-ETF besparen, werden jetzt sicher ins Grübeln kommen. Ja, günstig kaufen ist schön. Aber irgendwann will man schließlich auch teuer verkaufen. Nach 30 Jahren auf jeden Fall!

Aber halt! 30 Jahre sind eine lange Zeit. Wie hätte sich ein ETF-Sparplan geschlagen, bei dem der Nikkei 225 seit dem Allzeithoch regelmäßig am ersten Handelstag des Jahres gekauft worden wäre? Startjahr: 1991!

Das Ergebnis überrascht. Trotz der oberflächlich kriselnden Kursentwicklung beim Nikkei 225, die in den letzten 30 Jahren mehr Lethargie als Enthusiasmus ausstrahlte, konnte der virtuelle Sparplan einen sehr ordentlichen Durchschnittswert von 15.955 Punkten generieren. Der imaginäre Sparplaninhaber hätte sich somit ein Plus von rund 17 % erspart (Stand: 06.04.2020).

Schlimmer geht immer

Gut. Reich wird man so sicher nicht. Aber immerhin hat man nach 30 Jahren einiges mehr auf der hohen Kante! Oder vielleicht doch nicht?

Alles könnte so schön sein, wenn nur diese heimtückische Inflation nicht wäre. Die hielt sich in Japan zum Glück über viele Jahre in Grenzen und war sogar oft negativ. Über die vergangenen 30 Jahre schrumpfte die Kaufkraft dennoch im Durchschnitt um rund 0,4 % pro Jahr (Stand: 06.04.2020).

Inflationsbereinigt hat der imaginäre Sparplaninhaber also im Durchschnitt nicht zu einem Preis von 15.955 Punkten, sondern zu einem Preis von 17.984 Punkten gekauft. Dieser Wert ist nur etwa 600 Punkte vom derzeitigen Punktestand entfernt (Stand: 06.04.2020).

Effektiv wurde also kaum etwas gewonnen. Wer jetzt noch die Depot- und Handelsgebühren sowie die Gesamtkostenquote eines geeigneten Nikkei 225 ETF der letzten 30 Jahre von dem schmalen Ergebnis abzieht, dürfte äußerst schlechte Laune bekommen.

Vergangene Gewinne sind kein Versprechen auf zukünftige Gewinne

Kenner werden den Fehler des imaginären ETF-Sparers sofort bemerken. Hier wurde offensichtlich nicht weltweit diversifiziert. Mit dem beliebten weltweiten MSCI World wäre dieser Reinfall sicher nicht passiert.

Ja, das mag schon stimmen! Aber wieso sollte der MSCI World in den nächsten 30 Jahren genau so weiterlaufen wie in den vergangenen 30 Jahren? Die Japaner sind schließlich nicht irgendwer, sondern nach Bruttoinlandsprodukt immerhin die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt (Stand: 2018). Wenn es den Nikkei 225 treffen kann, kann es jeden treffen.

Klar: Die historische Kursentwicklung von Dow Jones, DAX, S&P 500 & Co wirkt vielversprechend. Vielleicht war der Nikkei 225 nur ein bedauernswerter Einzelfall? Eine Anomalie der Börsengeschichte? Es gibt vieles, das für mehr Optimismus spricht. Doch genauso gut können die 13.788 Punkte im DAX das letzten Allzeithoch sein, das wir zu unseren Lebzeiten sehen werden.

Aus meiner Sicht spielen ETF-Sparer, die auf Autopilot kaufen, mit dem Feuer. Es wird blind gekauft und eine langfristige Rendite erwartet, die im besten Fall auf direktem Wege in die Frührente führt.

Preisfrage: Bei welcher Unternehmung hast du dich jemals passiv untergemischt und dann im Tiefschlaf groß abgesahnt? Sag nichts! Ich kenne die Antwort.

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