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BMW, Daimler und VW im Vergleich: Wie sicher sind deutsche Autoaktien?

„Erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer nackt schwimmt.“ So lautet ein bekanntes Zitat von Investmentaltmeister Warren Buffett, das darauf anspielt, dass sich in Krisenzeiten die Spreu vom Weizen trennt – oder eben die gesunden Unternehmen von den ungesunden. Um in Krisen böse Überraschungen zu vermeiden, bietet es sich für Anleger an, gezielt in solche Unternehmen zu investieren, die eine Badehose anhaben.

Woran können wir solche Unternehmen erkennen? Zum Beispiel an ihren Bilanzen. Unternehmen mit weniger Schulden und mehr Cash müssen sich in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit, wie wir sie gerade erleben, weniger um ihre Zahlungsfähigkeit sorgen. Sie haben zudem gegenüber ihren weniger solide finanzierten Konkurrenten den Vorteil, dass sie auch in Krisen wichtige Investitionen und günstige Übernahmen tätigen können. Dadurch profitieren sie sogar von einer wirtschaftlichen Schwäche.

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Schauen wir mal, wie die Bilanzen von BMW (WKN: 519000), Daimler (WKN: 710000) und Volkswagen (WKN: 766403) aussehen und ob sich hier nennenswerte Unterschiede feststellen lassen.

Die aktuelle Situation

Fest steht: Da die Autobauer ihre Produktion zum größten Teil dichtgemacht haben und die Unsicherheit in der Bevölkerung hoch ist, machen die Unternehmen wesentlich weniger Umsatz. Das ist jedoch ein Problem, da die fixen Kosten der Konzerne weiterlaufen. Volkswagen-CEO sagte kürzlich bei einem Fernsehauftritt, dass sich diese bei Volkswagen auf rund zwei Milliarden Euro pro Woche beliefen. Die Lage ist also durchaus ernst.

Ich werde hier die Höhe der Verschuldung und die Liquiditätssituation der Unternehmen vergleichen. Ausgehend von Diess’ Kommentaren zu Volkswagens Fixkosten können wir zudem grob die fixen Kosten von BMW und Daimler abschätzen, indem wir die zwei Milliarden von Volkswagen proportional zum Umsatz herunterrechnen.

Verschuldungsgrad Liquidität II. Grades Cash und Wertpapiere geschätzte Fixkosten pro Quartal
BMW 280 % 90,5 % 18,0 Mrd. Euro rd. 10,7 Mrd. Euro
Daimler 380 % 92,7 % 26,8 Mrd. Euro rd. 17,8 Mrd. Euro
Volkswagen 295 % 83,8 % 43,5 Mrd. Euro rd. 26,0 Mrd. Euro

Quellen: Jahresabschlüsse 2019 der Unternehmen, eigene Berechnungen

Zur Berechnung des Verschuldungsgrades teilt man das Fremdkapital durch das Eigenkapital, um einen Überblick davon zu bekommen, wer das Unternehmen finanziert und wie stark es von Schulden abhängig ist. Die Liquidität II. Grades setzt das kurzfristige Vermögen ins Verhältnis zu den kurzfristigen Schulden. Je höher die Zahl ist (die idealerweise über 100 % liegt), desto besser.

Für alle Autohersteller können Schulden Sinn ergeben, da die Automobilbranche extrem kapitalintensiv ist. Durch Schulden steigern sie ihr Gesamtkapital, sodass sie mehr produzieren können. Dadurch setzen in der Regel Skaleneffekte ein, was die Gewinnmargen verbessert. Jedoch kann eine hohe Verschuldung zum Bumerang werden, wenn ein Unternehmen seine Kapitalkosten nicht verdient – wie es etwa in Zeiten von Fabrikschließungen der Fall sein kann.

Und weiter?

Bei den drei Autoherstellern kann ich keine eindeutige Tendenz erkennen, wessen Bilanz am besten aussieht. Alle drei befanden sich Ende 2019 nicht in einem kerngesunden, aber auch nicht in einem kritischen Zustand. Selbst wenn die Fabrikschließungen über Monate andauern, verfügen die Unternehmen noch immer über Kreditlinien und die Möglichkeit, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren.

Trotzdem ist die aktuelle Krise natürlich ein Belastungsfaktor, der die drei Konzerne in einer entscheidenden Phase schwächt: Die Unternehmen müssen Elektroautos auf die Straße bringen und in autonomes Fahren investieren, um im Wettbewerb nicht abgehängt zu werden. Das wird viel Cash kosten und es wäre natürlich besser, wenn dieses Cash nicht schon wegen der Coronakrise im Fixkostensumpf versickern würde.

Zusammengefasst sehe ich kurzfristig kein großes Risiko aufgrund der Coronakrise, die Aktien sehen sicher aus. Langfristig fehlt es mir jedoch an überzeugenden Aussichten und einer guten Perspektive, weshalb ich trotz der optisch günstigen Bewertung dieser Aktien nicht zuschlage.

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Christoph Gössel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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