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Daimler-Aktie auf den Tiefstständen von 2009: Ist die Aktie jetzt ein Kauf?

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Das Jahr 2020 begann ohnehin nicht besonders prickelnd für deutsche Automobilaktien, und dann kam auch noch der Corona-Crash dazu. Ganz besonders stark hat es Daimler (WKN: 710000) getroffen: Seit Jahresbeginn hat der Aktienkurs der Stuttgarter um 45 % nachgegeben (Stand: 30.03.2020).

Infolge dieses harten Rücksetzers notierte die Daimler-Aktie zwischenzeitlich bei nur noch 21 Euro. Ein so tiefes Kursniveau hat die Aktie seit der Großen Rezession im Jahr 2009 nicht mehr gesehen. Damals ging es sogar auf rund 17 Euro runter.

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Wie genau wird Daimler vom Coronavirus getroffen und ist die Bewertung der Daimler-Aktie mittlerweile interessant?

Produktionsstopps und Rezessionssorgen

Bei Daimler liegt seit Kurzem der Großteil der Produktion still, erst einmal für zwei Wochen. Damit reagiert Daimler (wie alle anderen Automobilunternehmen auch) auf die schnelle Ausbreitung des Coronavirus, die unter Kontrolle gebracht und verlangsamt werden soll.

Produktionsstopps bedeuten betriebswirtschaftlich gesehen, dass die variablen Kosten (wie etwa das Material zur Produktion) auf null sinken, die Fixkosten (wie etwa Abschreibungen) aber weiterlaufen. Ein zu hoher Anteil an fixen Kosten ist auf lange Sicht gefährlich.

Kurzfristig jedoch dürfte Daimler aufgrund der Produktionsstopps nicht in die Lage kommen, seine Fixkosten nicht mehr decken zu können. Schließlich hat das Unternehmen Fahrzeuge und Ersatzteile auf Vorrat, die jetzt trotz Produktionsstopp immer noch verkauft werden können. Ende 2019 standen 21,9 Mrd. Euro an fertigen Erzeugnissen, Ersatzteilen und Waren in der Bilanz, was 12,7 % der Umsätze entspricht. Rein rechnerisch gesehen könnte Daimler von seinem Lagerbestand also etwa sechs Wochen zehren.

Vielleicht sogar etwas länger, denn nicht nur die Produktionsseite wird Schaden nehmen: Es ist wahrscheinlich, dass in der kommenden Rezession auch die Nachfrage nach Autos zurückgehen wird (abgesehen von der Tatsache, dass sich unter den aktuellen Auflagen ohnehin kaum welche verkaufen lassen). Solange sich dieser Rückgang und die Produktionsausfälle die Waage halten, ist das aber noch kein Problem. Nur wenn Daimler trotz bereits gesunkener Produktion immer noch nicht alle Fahrzeuge absetzen kann, wird es schwierig.

Das Ausmaß der kommenden Rezession lässt sich überhaupt nicht einschätzen. In der letzten großen Wirtschaftskrise 2008 und 2009 fielen die weltweiten Autoverkäufe um 5 %. Das sieht zwar nicht nach viel aus, der Rückgang brachte die Autoindustrie aber dennoch in Bedrängnis: Daimlers Umsatz brach damals um 20 % ein, der operative Verlust lag bei 1,5 Mrd. Euro. Wie viel es dieses Jahr sein wird, hängt davon ab, wie effektiv die jetzt implementierten Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Virus sein werden.

Ist die Aktie ein Kauf?

Für Daimler kommt die Coronathematik zur Unzeit, da das Unternehmen die Produktion und den Absatz seiner elektrischen Modelle ankurbeln muss, um die CO2-Strafen der EU zu umgehen. Die Analysefirma erwartete schon vor dem Ausbruch des Virus, dass Daimler 2021 auf eine Strafzahlung von einer Milliarde Euro zusteuert. Auch wenn sich die Zahl nicht zum Schlechteren verschiebt, sind die Aussichten auf dicke Gewinne und Cashflows bei Daimler in den nächsten zwei Jahren derzeit eher mau.

Ob die Aktie für dich ein Kauf ist, hängt stark davon ab, wie du die langfristigen Aussichten des Unternehmens beurteilst. Wer Daimler 2009 zum Tiefstand kaufte, wurde mit einer phänomenalen Rendite belohnt. Heute sieht sich Daimler zusätzlich zur schwierigen konjunkturellen Lage auch noch einer Reihe struktureller Veränderungen in der Automobilindustrie gegenüber – namentlich Elektromobilität, Software und autonomes Fahren.

Wenn du denkst, dass Daimler trotz dieser Hindernisse wieder zu alter Stärke zurückfinden kann, dann ist das aktuelle Niveau dieser Aktie definitiv interessant. Ich persönlich bin weniger optimistisch, was die langfristige Zukunft der großen deutschen Hersteller angeht, weshalb ich auch bei diesem niedrigen Kursniveau an der Seitenlinie bleibe.

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Christoph Gössel besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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