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Von Unternehmen, die keine Miete zahlen, und wieso mir die Adidas-Aktie nicht ins Depot kommt

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Um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzufedern, hat die Bundesregierung die Coronavirus-Rettungsgesetze neu erschaffen. Etwas, was schnell geschehen musste, da bereits viele Branchen und Unternehmen diese gefordert haben. Doch offenbar entpuppt sich der mutmaßliche Rettungsring in Gesetzesform als Malus für die Wirtschaft – zumindest, wenn manch ein Unternehmen die neuen Gesetze für sich ausnutzen möchte.

Vergangenen Mittwoch hat der Bundestag beschlossen, dass Vermieter keinen Mietern kündigen dürfen, die von der Coronakrise betroffen sind und infolgedessen keine Miete mehr zahlen können. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 30. Juni dieses Jahres. Gedacht zum Schutz von kleinen bis mittelständischen Unternehmen, deren Existenz durch die Ladenschließungen und die Umsatzeinbußen auf dem Spiel steht, sind es jedoch die Großkonzerne, die sich an die vorderste Front stellen und die Hand aufhalten.

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Darunter befinden sich prominente Namen wie H&M, Saturn, Media Markt, Deichmann und Christ. Vorne mit dabei ist auch der DAX-Konzern Adidas (WKN: A1EWWW). Ich möchte nicht behaupten, dass alle diese Unternehmen in einer erstklassigen finanziellen Lage sind und die Coronakrise problemlos abschütteln könnten. Eines haben jedoch alle gemeinsam: Es sind große Unternehmen, die international agieren und über wesentlich andere Finanzierungsmöglichkeiten verfügen als die lokale Boutique von nebenan. Neben den fixen Personalkosten sind die Kosten für Miete eine der größeren Brocken, die jedes Unternehmen zu stemmen hat. Aus finanzieller Sicht durchaus sinnig, den Rotstift hier ansetzen zu wollen – doch wie ist dieser Schritt zu bewerten?

Miete prellen auf Kosten der Steuerzahler

Ganz offensichtlich ist die wirtschaftliche Situation, in der viele Unternehmen aktuell sind, alles andere als positiv. Viele kleine Betriebe bangen um ihre Existenz, Arbeitgeber fürchten, Ausstellungen vornehmen zu müssen, und einige Unternehmen haben ihre Angestellten bereits in die Kurzarbeit geschickt. Für kleinere Betriebe scheint der Weg, eine Mietstundung mit seinem Vermieter zu verhandeln, durchaus legitim. Wichtig in diesem Kontext ist das Miteinander zwischen Vermieter und Mieter.

Flächendeckend für etwa 2.500 Läden weltweit die Mietüberweisungen einzustellen, wie Adidas es nun tut, trifft bei mir auf Unverständnis. Um nicht zu sehr auszuschweifen, möchte ich folgende Gedanken auf die Mietzahlungen in Deutschland beschränken.

Zu denken, dass durch gesparte Mieten möglicherweise Kündigungen verhindert werden können, ist auf den ersten Blick eine plausible Begründung. Doch wird hier soziale Verantwortung gegenüber seinen eigenen Mitarbeitern vor sozialer Verantwortung an der gesamten Gesellschaft gestellt? Bei vielen Vermietern handelt es sich um Privatleute, die eventuell sogar von den Mieteinnahmen leben. In welcher Welt ist es sinnvoll oder gerecht, einem anderen seiner Einnahmequelle zu berauben, nur weil man aktuell selbst keine Einnahmequellen hat? Die Problematik wird durch dieses Handeln nicht gelöst, sondern nur verschoben.

Sehr viele betroffene Immobilien, auf die nun keine Miete mehr bezahlt wird, werden von Immobiliengesellschaften verwaltet. Das sind auch Unternehmen, die genauso Mitarbeiter zu bezahlen haben und ihrer sozialen Verantwortung nachkommen müssen. Durch den drohenden Flächenbrand aufgrund der Mietverweigerungen droht nun die Gefahr von Insolvenzen bei Immobilienunternehmen.

Die Großunternehmen, die nun die Miete prellen, scheint das herzlich wenig zu kümmern, wie die folgende Aussage von Deichmann zeigt:

Wir erwarten von den politischen Verantwortlichen, dass die durch die Zwangsschließungen entstehenden Mietschäden für die beteiligten Vertragsparteien ersetzt werden.

Ich habe diesen Satz tatsächlich mehrfach lesen müssen, da ich nicht glauben konnte, was ein Unternehmen mit 1.200 Filialen in Deutschland hier von sich gibt. Diese Aussage tritt all diejenigen Steuerzahler mit Füßen, die tagtäglich hart arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen und nicht allzu geringe Steuern an Mutter Staat abdrücken müssen. Dieses moralisch verwerfliche Kalkül scheinen mehrere Konzerne zu verfolgen.

Die Adidas-Aktie ist für mich kein Investment-Case mehr

Schlagen wir nun eine gedankliche Brücke zu einem Sportartikelhersteller, der momentan knapp 42 Mrd. Euro (Stand: 27.03.2020) wert ist: Adidas. Konzernchef Kasper Rorsted hat verkündet, die Mietzahlungen vorübergehend einzustellen. Es sei eine vorsorgliche Maßnahme. Ein Blick auf die Geschäftszahlen von Adidas zeigt, ob der Großkonzern wirklich nicht mehr in der Lage ist, seine Miete zu zahlen, wie das Gesetz es eigentlich vorsieht.

Für das Geschäftsjahr 2019 meldete Adidas einen Umsatz in Höhe von 23,6 Mrd. Euro und einen Gewinn von knapp 2 Mrd. Euro. Abgesehen davon sitzt der Konzern aktuell auf 2,2 Mrd. Euro liquider Mittel. Ein Unternehmen, das sich keine Mietzahlungen mehr leisten kann, ohne in Schwierigkeiten zu geraten, sieht anders aus.

Doch Adidas-Aktionäre dürfen sich freuen: Während Vermieter um ihre Einnahmen gebracht werden, soll am 19. Mai 2020, vorbehaltlich der Zustimmung durch die Hauptversammlung, die Dividende an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Insgesamt handelt es sich dabei um 752 Mio. Euro, die ausbezahlt werden. Noch habe ich nichts von einer Streichung der Dividende gelesen. Die Deutsche Euroshop, ein Unternehmen, das hier beispielsweise um seine Mieteinnahmen gebracht wird, musste diese hingegen schon streichen.

Unabhängig davon, wie interessant oder lukrativ auch das Geschäft von Adidas in einem normalen wirtschaftlichen Umfeld sein mag, ich habe die Adidas-Aktie von meiner Watchlist gestrichen. Diese Art von Geschäftsgebaren möchte ich persönlich nicht unterstützen. Ich möchte in Unternehmen investieren, die eine großartige Geschäftsphilosophie pflegen. Adidas hat sich hier von einer gänzlich schlechten Seite gezeigt, weshalb für mich eine Investition nicht mehr infrage kommt.

Die Aktion von Adidas wurde zwischenzeitlich bereits mit einem Shitstorm auf gängigen sozialen Medien quittiert, wie eine schnelle Google-Suche offenbart. Viele Personen schreiben, dass sie das Verhalten nicht verstehen können und nun Adidas-Produkte boykottieren werden. Dieser Schritt vom Management scheint also weder moralisch korrekt gewesen zu sein, noch liefert er gute PR.

Langfristig gesehen könnte es sogar zu einer finanziellen Belastung durch die Zinsen kommen, die auf die geprellten Mieten fällig werden. Der Zinssatz liegt laut aktueller Gesetzgebung bei 8 %, was doch recht viel ist.

Folgendes lasse ich zum Schluss noch ohne Kommentar im Raum stehen: Die Vorstandsvergütung bei Adidas ist unter anderem auf Gewinnwachstum gestützt. Mindestens 210 Mio. Euro mehr sollen im Vergleich zum Vorjahr erwirtschaftet werden. Hohe Mietkosten, ohne gleichzeitig Umsätze einfahren zu können, da die Läden geschlossen sind, führen dazu, dass die Gewinne gedrückt werden. Wie praktisch, wenn die Mietkosten temporär wegfallen …

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Deutsche Euroshop.

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