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„Aktien sind wieder günstig“ ist ein fataler Denkfehler, den Anleger jetzt machen

Foto: Getty Images

Es dürfte einige Menschen geben, die lange nichts vom Eroberungsfeldzug des Coronavirus mitbekommen haben. Oscar-Preisträger Jared Leto meditierte in der Wüste, während der Großteil seiner Mitbürger den Ausbruch der Corona-Krise miterlebte.

Der Schock dürfte sitzen! Alles ist anders. Die Welt, die Jared Leto vor ein paar Wochen verließ, gibt es nicht mehr.

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Vor allem am Aktienmarkt hat sich einiges getan. Viele Aktien gibt es jetzt wesentlich günstiger als zu Jahresbeginn.

Doch ist der Aktienmarkt wirklich so einmalig günstig, wie die Kursentwicklung seit dem Corona-Crash suggeriert? Es mag sich so anfühlen. Aber die Zahlen sagen etwas anderes.

Günstig, teuer, ungeheuer!

Ob eine Aktie teuer oder günstig ist, steht nicht im Quartalsbericht, ist auch im geheimsten Börsenbrief nicht zu lesen und kann selbst Börsenlegende Warren Buffett höchstpersönlich nicht wissen.

Ob man günstig eingekauft hat, zeigt sich immer erst im Nachhinein. Man kauft Aktien und lässt sie ein paar Jahre unbeachtet liegen. Wenn die Aktien am Ende mehr wert sind als zum Zeitpunkt des Einkaufs, kann man sagen: Ja, da habe ich damals günstig eingekauft!

In der Gegenwart gestaltet sich die Beurteilung wesentlich komplizierter. Es gibt tausendundeinen Indikator, der sich anmaßt, eine konkrete Bewertung darstellen zu können.

Viele schwören auf die Abzinsung zukünftiger Zahlungsströme. Doch auch diese Methode hat den Haken, dass man nicht wissen kann, wie hoch die Zahlungsströme in 2, 3 oder 5 Jahren ausfallen werden.

Selbst die stabilste Gelddruckmaschine kann – wenn auch nur zufällig – ins Stottern geraten. Auch wenn erst ein Corona-Lockdown kommen muss, um die sonst so begeisterte Kundschaft zu vertreiben.

Die Zukunft an einer Börse zu handeln ist eine sehr menschliche, aber auch eine ziemlich aussichtslose Idee. Es ist zum Verrücktwerden!

Der Aktienmarkt ist nicht teuer, aber auch nicht günstig

Nur beim gesamten Aktienmarkt würde ich es wagen, mir eine einigermaßen konkrete Bewertung zu erlauben. Der Aktienmarkt insgesamt ist so alt wie kaum eine einzelne Aktien und liefert daher einigermaßen zuverlässige Daten auf der Makroebene.

Am bis ins Jahr 1870 zurückgerechneten US-Index S&P 500, in dem sich die 500 größten US-Unternehmen befinden, kann man aus meiner Sicht gut erkennen, wo wir derzeit stehen. Die Entwicklung des marktbreiten Kurs-Gewinn-Verhältnisses (kurz: KGV) ist dabei besonders interessant.

Über die letzten 150 Jahre hat sich beim S&P 500 ein KGV von 16 als Durchschnittswert herausgebildet. Marktphasen, in denen das KGV unter diesem Durchschnittswert liegt, könnte man als günstig erachten. Marktphasen, in denen das KGV über diesem Durchschnittswert liegt, als teuer.

Trotz Corona-Crash steht das KGV des S&P 500 aktuell bei etwa 18 (Stand: 25.03.2020). Hier liegen wir nicht nur weit über dem langjährigen Durchschnittswert, sondern auch noch über dem KGV der US-Immobilienkrise 2008. Damals sackte das KGV des S&P 500 bis auf 14 ab.

Der Aktienmarkt ist somit zwar nicht mehr extrem teuer, aber auch nicht besonders günstig. Hier ist noch viel Luft nach unten.

Kurse sagen nichts

1950 und 1980 müssen interessante Jahre gewesen sein. In diesen Jahren sackte das KGV des S&P 500 beinahe bis auf einen Wert von 5 ab.

Im Nachhinein betrachtet waren das sehr gute Einstiegschancen. Auch wenn das KGV von einzelnen Aktien in meinen Augen wenig Aussagekraft besitzt – für den Gesamtmarkt hat diese triviale Zahl bisher ziemlich sauber den einzig wahren Schlussverkauf ermittelt.

Wer die kurzfristige Kursentwicklung zu ernst nimmt, macht in meinen Augen einen der gröbsten Fehler, die man sich als Anleger erlauben kann. Selbst von dem kinderleichten KGV kann man sicher mehr lernen als von jeder Kursbewegung.

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