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Wirecard versus Temenos Group: 2 Fintech-Stars im ultimativen Vergleich

Wer sich in Deutschland und der Schweiz nach Fintech-Aktien umsieht, der stößt unweigerlich auf zwei Namen: Wirecard (WKN: 747206) und Temenos Group (WKN: 676682). Beide haben über die letzten Jahre eine riesige Welle geritten, hatten allerdings 2019 auch mit einigen Problemen zu kämpfen. Trotzdem geht die Wachstumsstory bei beiden weiter. Welche der beiden Aktien heute attraktiver ist, soll im Folgenden aus verschiedenen Blickwinkeln heraus beleuchtet werden.

Fintech ist nicht gleich Fintech

Zwar bieten sowohl Wirecard als auch Temenos Software-Plattformen für Finanzdienstleister, aber ihr Schwerpunkt unterscheidet sich doch sehr deutlich. Während sich das deutsche Unternehmen primär auf die Zahlungsabwicklung konzentriert, geht es bei den Schweizern um Bankensoftware. Wirecard ermächtigt also unter anderem Händler dazu, online und offline unterschiedlichste digitale Zahlungsmittel anzunehmen. Temenos hingegen sorgt für die digitale Transformation von Finanzdienstleistern.

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Trotzdem gibt es zunehmend Überschneidungen. Temenos hat in den letzten Jahren sein Angebot im Bereich Zahlungsabwicklung ausgebaut. Die eigenständige Payments-Software ist als Ende-zu-Ende-Lösung konzipiert und umfasst auch Sofortzahlungen. Sie wurde 2018 von FSTech als beste Payments-Innovation ausgezeichnet, nachdem die bewährte Software auch modernisiert von der Cloud aus angeboten wird.

Wirecard wiederum adressiert neben den stationären Händlern und den E-Commerce-Anbietern auch Finanzdienstleister und arbeitet intensiv daran, sein Kerngeschäft auszuweiten, um eine „intelligente Financial Commerce Platform“ anbieten zu können, einschließlich einer „Bank-as-a-Service“-Plattform und weiterer Mehrwertdienste für das Digital Banking. Zwar dürfte der Umfang der direkten Konkurrenz noch relativ gering sein, aber für mich sieht es so aus, als ob die beiden sich mit großen Schritten aufeinanderzubewegen würden.

Marktposition und Chancen

Fast täglich nimmt eine weitere Bank den Betrieb mit Temenos-Software auf. Schon 41 der 50 größten Banken arbeiten mit dem Unternehmen zusammen. Folglich gilt Temenos als die Nummer 1 in seinem Kerngeschäft, auch wenn es mit Avaloq (WKN: AVA123) und einigen Platzhirschen in großen Märkten weitere starke Player gibt. Wirecard auf der anderen Seite kann auf seine sehr gute Position auf dem Heimatmarkt verweisen, aber international ist der Konzern einer von vielen, obwohl über die letzten Jahre ein brutaler Konzentrationsprozess mit milliardenschweren Übernahmen zu beobachten war.

Wachstumschancen suchen beide aktuell im Bereich der künstlichen Intelligenz, wo sie stark in den Ausbau ihrer Fähigkeiten investieren. Wirecard erhofft sich davon ein Zusatzgeschäft im Umfang von 250 Mio. Euro bis 2022. In Kombination mit Big Data soll beispielsweise das Risikomanagement, das Shoppingerlebnis oder die Betrugserkennung verbessert werden. Bei Temenos, die sich im Juli 2019 mit einer Plattform für erklärbare KI von Logical Glue verstärkt hat, geht es eher um die Automatisierung durch lernende Algorithmen. Aber auch so vielfältige Themen wie Betrugserkennung, Crossselling und Robo-Advisor-Dienste gehören dazu.

Daneben gilt die Expansion nach China als große Chance. Wirecard gelang Ende 2019 der Markteintritt über den Kauf von AllScore aus Peking. Schon 2022 soll die Niederlassung einen Betriebsgewinn von 50 Mio. Euro beisteuern. Temenos macht in der Region Asien/Australasien (ohne arabisch-persischen Raum) rund 21 % ihrer Umsätze. Seit 2017 werden die Anstrengungen verstärkt, in den Hauptmärkten Japan, Indien und China besser Fuß zu fassen.

Ein drittes großes Thema betrifft Cloud-Computing und die Generierung von wiederkehrenden Umsätzen. Wirecard hat kürzlich mit einer Cloud-Partnerschaft mit SAP (WKN: 716460) auf sich aufmerksam gemacht, während Temenos 2019 mit der Übernahme von Kony, einer Low-Code-Plattform für die Finanzdienstleistungsbranche, möglicherweise ein neues Kapitel in der Unternehmensgeschichte aufgeschlagen hat.

Was die Zahlen sagen

Wir haben es hier zweifellos mit zwei ambitionierten Unternehmen zu tun, die kontinuierlich nach Wachstumspotenzialen Ausschau halten. Das drückt sich auch in den Finanzkennzahlen aus:

in Mio. EUR (1 USD = 0,93 EUR) Temenos Group Wirecard Verhältnis
Umsatz 2019 912 2.700 3,0
Operativer Gewinn 2019 219 655 3,0
Eigenkapital Ende 2019 414 2.591 6,3
Marktkapitalisierung 20.02.2020 10.807 16.770 1,6
Mitarbeiter 8.000 5.685 0,7

Anmerkung: Wirecard-Finanzkennzahlen auf Basis von Analystenschätzungen; Tenemos-Werte in Euro umgerechnet; Mitarbeiter laut Website bzw. Q3-Bericht

Beide erwirtschaften eine fast identische Umsatzmarge von 24 %, aber Wirecard ist dreimal größer, bei der Substanz sogar sechsmal. Da verwundert es auf den ersten Blick, dass die Börse das deutsche Unternehmen nicht einmal doppelt so hoch bewertet.

Warum Temenos trotzdem die bessere Aktie sein könnte

Dank der starken Marktposition dürfte es Temenos auf lange Sicht leichter fallen, die großartigen Wachstumschancen zu ergreifen, die sich grundsätzlich für beide eröffnen. Zudem dürfte die Übernahme von Kony unschätzbare Potenziale in Richtung Cloud-Plattform bergen. Daneben lasten auf Wirecard nun schon seit Längerem erhebliche Risiken aus den immer wieder neu erhobenen Vorwürfen zur Bilanzierung.

Aus diesen Gründen würde ich im Moment wahrscheinlich trotz der optisch teuren Bewertung eher zur Schweizer Aktie greifen. Wer hingegen glaubt, dem Wirecard-Management vollkommen vertrauen zu können, und überzeugt ist, dass Wirecard sich im intensiver werdenden Wettbewerbsumfeld behaupten kann, der ist wahrscheinlich mit der deutschen Aktie besser bedient.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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