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Alarmstufe Rot bei Crash-Indikator Baltic Dry Index? Kein Problem für den Aktienmarkt!

Foto: Getty Images

Was, wenn der Crash schon längst da ist und keiner hat es gemerkt? Wer sich diese Frage objektiv beantworten möchte, hat es nicht leicht. Die aktuellen Höchstkurse bei DAX und Co. sind dabei jedenfalls keine große Hilfe. Hier wurden schon allzu oft Fantasiepreise aufs Parkett geworfen, die rein gar nichts mit der Realität zu tun hatten.

Aber es gibt auch Indizes, die näher am Puls der Weltwirtschaft operieren. Der Baltic Dry Index ist einer davon. Der seit 1985 als Baltic Freight Index bekannte Index bildet die Preise auf den 25 meistbefahrenen Schifffahrtsrouten der Welt ab.

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In der Vergangenheit waren sinkende Preise ein verlässlicher Crash-Indikator für die Weltwirtschaft. Da ließ sich natürlich auch der Aktienmarkt nicht lange bitten.

Seit September 2019 befindet sich der Baltic Dry Index (wieder mal) im freien Fall. Ein Warnsignal für alle Investoren? Ich denke nicht – denn diesmal ist vieles anders.

Standortbestimmung

Die Historie der Baltic Exchange in London lässt sich bis in das Jahr 1744 zurückverfolgen. Es würde mich nicht wundern, wenn Insider den sehr viel jüngeren Baltic Dry Index mithilfe uralter Archive um mehrere Hundert Jahre zurückrechnen könnten. Interessant wäre das allemal!

Für uns Normalsterbliche bleiben nur die Daten ab 1985. 35 Jahre? Gut, besser als nichts! Der DAX ist auch nicht sehr viel älter – trotzdem glauben viele, dass sie im deutschen Premiumindex Muster erkennen können. Nun ja!

Fakt ist: Mit rund 421 Punkten steht der Baltic Dry Index tatsächlich auf einem historisch niedrigen Niveau (Stand: 13.02.2020). Zwar nicht tiefer als im Februar 2016, aber bereits unter den 700 Punkten, die im November 2008 – in den Wirren der Finanzkrise – den Tiefpunkt markierten.

Die Interpretation der Daten ist nicht schwer. Aus mannigfaltigen Gründen sind die freien Kapazitäten der Schifffahrtsbranche in den letzten Monaten massiv angestiegen (Stand: 13.02.2020). Das drückt die Preise und signalisiert, dass die über den Seeweg verbundenen Regionen der Welt derzeit offenbar weit weniger Güter austauschen als zuvor.

Hier fehlt doch was!

Ist das jetzt das Resultat von Handelskrieg, Coronavirus, oder etwas von allem? Klar ist, dass offenbar die Nachfrage nach Trockenschuttgütern wie Kohle, Eisenerz und Getreide nachgelassen hat.

Hauptverantwortlich dafür könnte China sein. Im Land des Drachen konzentriert sich die Nachfrage für beinahe 50 % des weltweiten Stahls. Stehen hier die Fabriken krankheitsbedingt still, kommt die Nachfrage nach Rohstoffimporten zum Erliegen – logisch!

Aber wird das nun automatisch zu einem Problem für den Aktienmarkt? Nein, das denke ich nicht. Denn globaler Handel ist heute um einige Facetten reicher als 2008.

Um das zu veranschaulichen, werfe ich eine andere Zahl in den Ring: 2014 wurden 95 % des Internetverkehrs zwischen den Weltregionen über Unterseekabel realisiert. Die Anzahl an Unterseekabeln hat sich dabei allein zwischen 2012 und 2014 beinahe verdoppelt.

Die Macht der digitalen Güter

Kurzum: Hier wurden Kapazitäten aufgebaut für eine ganz andere Art Warenaustausch – für den Handel mit digitalen Gütern.

Der chinesische IT-Gigant Tencent (WKN: A1138D) ist in der Kategorie digitale Güter ein Spitzenverdiener. 2018 wuchs der Umsatz mit Onlinespielen auf 104 Mrd. Yuan. Das entspricht derzeit rund 14 Mrd. Euro (Stand: 13.02.2020). Mehr als dreimal so viel wie noch fünf Jahre zuvor. Dafür muss der Stolz der chinesischen IT-Landschaft kein Gramm mit dem Schiff um die halbe Welt schippern. Für dieses Geschäftsmodell müssen lediglich ein paar Elektronen durch Unterseekabel, Satelliten oder Funkmasten geleitet werden.

Dass die Herren der Elektronen keine Nischenrolle in der Weltwirtschaft einnehmen, erkennt man an den Top-Positionen im beliebten MSCI World Index. Die Top 5 sind nicht nur allesamt IT-Giganten, sondern nehmen auch gleich 10 % des Weltportfolios in Beschlag. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der MSCI World Index 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern umfasst.

Indikator 1.0 ohne Wirtschaft 2.0? Nein, danke!

Der Baltic Dry Index ist ein interessanter Datenlieferant, den man gerne in seine Analysen einbauen darf. Aber als Crash-Indikator für den Aktienmarkt taugt der meines Erachtens nicht viel. Wir leben nicht mehr in den Zeiten der Hanse, wo Seewege und Handelsrouten das Maß aller Dinge waren. Die neuen Patrizier sind die Lieferanten von Daten, Rechenzentren und Algorithmen.

Wenn der Baltic Dry Index etwas zeigt, dann die gigantische Saugleistung der chinesischen Wirtschaft, die alles an Rohstoffen importiert, was nicht bei Drei auf den Bäumen ist. Bei einem kleinen Schnupfen bleiben direkt die Schiffe leer – kurios!

Die eine oder andere Aktie wird sicher unter der Durststrecke im globalen Handel leiden. Aber der gesamte Aktienmarkt? Nicht im Jahr 2020.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tencent Holdings.

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