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Nie wieder Börsencrash? Warum Investoren aus der Eurozone ihre Aktien für immer behalten werden

Foto: Getty Images.

Wer hat Angst vorm Börsencrash? Nach rund zehn Jahren Börsenparty und schwindelerregenden Kursrekorden ist es doch langsam mal wieder Zeit für den Boden der Realität, oder?

Das Coronavirus zieht noch immer eine Schneise der Zerstörung durch die chinesische Wirtschaft. Hinzu kommen die wenig erbaulichen Prognosen der Crash-Propheten, die sich mit ihren Büchern seit Monaten auf den oberen Rängen der Bestsellerlisten festgesetzt haben.

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Eine ruinierte Wirtschaft ist kurzfristig zwar kein Grund für fallende Aktienkurse. Langfristig sollten die Unternehmen das Geld aber auch verdienen können, was sich die Aktionäre von ihrer Investition versprechen.

Kurzum: Ich glaube nicht an den Börsencrash. Denn insbesondere die Investoren aus der Eurozone werden ihre Aktien sehr wahrscheinlich für immer behalten (müssen).

Angebot und Nachfrage

Der Aktienmarkt ist vieles – verrückt, überraschend, willkürlich, manisch und manchmal auch depressiv. Aber er ist vor allem eines: ein Markt, der von Angebot und Nachfrage beherrscht wird.

Von Klassiker Daimler (WKN: 710000) sind aktuell 1.069.837.447 Aktien im Umlauf (Stand: 31.12.2018). Davon sind rund 60 % in Streubesitz.

Sofern keine Kapitalerhöhung auf der Tagesordnung steht, wird das Angebot an Daimler-Aktien durch die Verkäufer bestimmt. In Kommunikation mit den Käufern – den Nachfragern – auf dem Markt entwickelt sich der Kurs.

Ein Kurssturz kann nun auf zweierlei Wegen herbeigeführt werden: Entweder das Angebot wächst bei konstanter Nachfrage, oder die Nachfrage sinkt bei konstantem Angebot. Das Szenario eines stark wachsenden Angebots bei sinkender Nachfrage wäre nach dieser Logik der Vorhof der Crash-Hölle.

Welche dieser Konstellationen könnte dem Aktienmarkt in nächster Zeit gefährlich werden? Meiner Meinung nach ist keine der drei Szenarien realistisch.

Dividenden statt Zinsen

Deutsche Investoren sind traditionell Nachfragemuffel. Die Aktionärsquote (Fonds und Aktien) liegt hierzulande trotz Kursrekorden bei nur 16 % und somit auf dem Niveau von 2006 (Stand: 2017).

Aber das kann man auch anders sehen. Vielleicht sind diese 16 % derzeit eher so etwas wie der harte Kern der deutschen Investorenwelt, der sich kaum mehr von kurzfristigen Schwankungen beeindrucken lässt. Euphorische Lemminge, die bei jedem lauen Lüftchen kaufen oder verkaufen, sind das meiner Meinung nach nicht. Ein waschechter Hausfrauenboom sieht definitiv anders aus!

Ganz im Gegenteil! Womöglich ist die Nachfrage derzeit sehr viel niedriger, als man erwarten dürfte. Vor allem von Investoren aus der Eurozone. Denn dank Null- und Negativzins gibt es außer Aktien kaum noch Alternativen, die erträgliche Renditen abwerfen. Irgendwann platzt der Knoten – vielleicht nicht bei Nullzinsen, aber ziemlich sicher bei Minuszinsen.

Ein depressiver Nachfrageknick würde mich angesichts dieser Überlegungen stark überraschen. Ein stark steigendes Angebot – der zweite Crash-Parameter – halte ich ebenfalls für unrealistisch.

Marktbreite Kapitalerhöhungen schließe ich kategorisch aus. Aber wenn Horden von Investoren gleichzeitig ihre gesammelten Schätze auf den Markt werfen, könnte es definitiv zu Verwerfungen auf der Angebotsseite kommen. Wie schon so oft!

Aber wer würde bei den aktuellen Rahmenbedingungen freiwillig verkaufen? Steigende Zinsen wären der einzige Anlass, der mir einfallen würde. Allerdings sinken die Zinsen bereits seit gut 700 Jahren! Ein Ausbruch aus diesem extrem langfristigen Trend wäre eine Wette, die ich nicht eingehen würde.

Foolishes Fazit

Zinshamster aus der Eurozone mögen sich zu Recht über die knappen Zinsen beschweren, mit denen sich aktuell nicht mal die Inflation im Zaum halten lässt. Aber der Trend zu sinkenden Zinsen ist nicht erst seit gestern aktiv, sondern bereits seit mehreren Jahrhunderten.

Das Niveau, auf dem sich die Zinsen heutzutage befinden, führt Zinssparen ad absurdum. Nicht, dass das vor 30 Jahren besser gewesen wäre – aber eine große Null (minus Inflation) dürfte gefühlt trotzdem schlimmer sein als ein Wert größer null (minus Inflation), selbst wenn Letzteres auch nicht zu einer positiven Zahl führt.

Aktiensparen war dem Zinssparen aus meiner Sicht schon immer überlegen. Bei Aktien locken nicht nur saftige Dividenden, sondern auch Kurssteigerungen, die unter Umständen sogar die gierigen Raffzähne der Inflation abwehren können. Unternehmen können in Zeiten galoppierender Inflation ihre Preise anpassen – und um zu überleben, werden sie das aus meiner Sicht früher oder später tun (müssen).

Der Megatrend des Nullzinses nimmt Aktienbesitzer wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens gefangen. Gleichermaßen sinkt damit aus meiner Sicht die Chance auf einen Börsencrash. Ein ordentlicher Crash braucht willige Verkäufer – und darauf können wir angesichts der aktuellen Bedingungen wahrscheinlich lange warten.

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Stefan Naerger besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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