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Konjunkturalarm! Fegt jetzt das „perfekte Börsengewitter“ durch Deutschland?

Foto: Thomas Brantl

Schwache Produktionszahlen, stagnierende Exporte und nach unten korrigierte Prognosen drücken derzeit die Stimmung unter den Ökonomen und Wirtschaftsführern in Deutschland. Erinnerungen an die große Krise von 2009 werden wach, zumal das geopolitische Umfeld immer größere Herausforderungen bereithält. Sind die besten Zeiten also vorbei, sodass sich Anleger wieder auf eine turbulente Baissephase vorbereiten müssen?

Der Gegenwind wird stärker

China war zeitweise ein nahezu unerschöpflicher Markt, der wie ein Staubsauger sowohl Rohstoffe als auch Maschinen vom Weltmarkt fegte. Zwischenzeitlich ist das Land weitergewachsen und noch immer ein gewaltiger Faktor, aber eben in beide Richtungen. Themen wie die Hongkong-Proteste, die anhaltende Kritik am Umgang mit der Uiguren-Minderheit, die Spannungen mit einigen Nachbarländern sowie der von den USA aufgezwungene Handelskonflikt haben dem Land bereits zugesetzt.

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Jetzt kommt auch noch das Coronavirus hinzu, das halb China lahmlegt und dessen Auswirkungen noch nicht absehbar sind. Gleichzeitig heizen die USA die geopolitischen Risiken weiter an, insbesondere im persisch-arabischen Raum, aber auch durch den fragwürdigen Umgang mit Russland. Nun wird endlich der BREXIT-Prozess konkret und die Einigkeit der restlichen EU gibt meistens kein gutes Bild ab.

Kein Wunder also, dass Analysten bereits einen „perfekten Sturm“ über Deutschland aufziehen sehen, der die Wirtschaft durchschütteln könnte. Insbesondere der deutliche Rückgang der Produktion um 3,5 % im Dezember hat viele aufgeschreckt, und auch vom vielbeachteten ifo-Index gab es keine Entwarnung.

Was man dazu wissen muss

Auch die Tatsache, dass Deutschland außerordentlich stark im Welthandel engagiert ist, veranlasst Kommentatoren immer wieder zu der Ansicht, dass eine große Abhängigkeit bestünde und deshalb Deutschland besonders leiden würde, wenn es mit der Weltkonjunktur bergab geht.

Was dabei stets übersehen wird, ist, dass die deutsche Exportwirtschaft anders funktioniert als diejenige der meisten anderen Länder. Für brasilianische Unternehmen ist beispielsweise am Hafen von Sao Paulo meist der Export erledigt. Ab dort übernehmen die internationalen Importeure von Soja, Eisenerz und Kaffee. Deshalb ist Brasilien anfällig für externe Schocks und schlittert immer mal wieder in eine größere Krise.

Bei deutschen Exporteuren endet das Geschäft hingegen häufig nicht am Ausfuhrhafen. Vielmehr sind sie durch die über Jahrzehnte aufgebauten globalen Strukturen in der Lage, ihre Produkte bis zum Verbraucher oder Abnehmer zu begleiten. Die Maschinenbauer, Elektrotechniklieferanten und Spezialchemiehersteller pflegen enge Kundenkontakte und wirken so gestaltend auf praktisch die gesamte Weltwirtschaft.

Diese Gestaltungskraft sorgt dafür, dass die Unternehmen negative Trends frühzeitig erkennen und proaktiv agieren können, um die Kapazitäten anzupassen und sich neue Märkte zu schaffen. Die Auswirkungen eines konjunkturellen Abschwungs können so effektiv gemildert werden. Gleichzeitig haben sie noch ein Ass in der Hinterhand: Die Rückendeckung durch die deutsche Politik, die dank der Schwarzen Null jede Menge Schwarzpulver gebunkert hat, um bei Bedarf aus allen Rohren zu schießen und damit die Binnenkonjunktur anzuheizen.

Im Moment hält man sich noch weise zurück, da Fiskalstimuli bei einer niedrigen Arbeitslosigkeit von 5 % kaum Sinn ergeben. Sobald sich jedoch der Ausblick deutlich verdüstert, kann die Regierung aus dem Vollen schöpfen. Ende Januar wurde wieder eine fünf Jahre laufende unverzinsliche Bundesanleihe ausgegeben, über die institutionelle Investoren 3,2 Mrd. Euro in die Kassen spülten, wobei bis zum Laufzeitende 2025 nur 3,1 Mrd. Euro getilgt werden müssen.

Was Anleger jetzt tun sollten

Zunächst einmal gilt es, Ruhe zu bewahren und nicht voreilig gute Aktien aus dem Depot zu werfen. Viele Unternehmen sind weiterhin fair oder sogar günstig bewertet, wenn man klassische Kennzahlen heranzieht. Alle Autobauer notieren deutlich unter Buchwert, bei BMW (WKN: 519000) sind es über 20 %. Die Dividendenrendite erreicht trotz einer Ausschüttungsquote von meist rund 50 % vielfach erfreulich hohe Werte von über 3 %. Beim Dauerbrenner BASF (WKN: BASF11) dürfen sich Investoren sogar über einen Geldregen von 5,2 % freuen laut der Prognose von boersengefluester.de für 2021.

Als Nächstes gilt es, sich klarzumachen, wie gut deine Unternehmen in der Lage sind, auf geopolitische und konjunkturelle Entwicklungen zu reagieren. Ein Unternehmen, das nur Halbleiterchips nach China liefert, ist anfälliger als eines, dass seine Ressourcen auf international diversifizierte Geschäftsbereiche verteilen kann.

Schließlich würde ich mir überlegen, welche Unternehmen von einem Konjunkturprogramm besonders stark profitieren würden. Ich denke, dass die miteinander in Beziehung stehenden Energie- und Mobilitätswenden sich optimal dafür eignen. Dafür werden beispielsweise Windturbinen, Elektrolyseanlagen, Schnellladestationen und Energiespeicher in großen Mengen gebraucht. Zudem ist an Eisenbahninfrastruktur, Industrie 4.0, den Bildungssektor und neue Mobilitätskonzepte zu denken.

Aktien, die an solchen Themen partizipieren, haben gute Chancen, sich stärker als der Markt zu entwickeln.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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