The Motley Fool

Die Zukunft der deutschen Autobauer: Goldene 20er oder Ende mit Schrecken?

Die Frage nach der Zukunft unserer Autoindustrie rund um die bekannten Konzerne BMW (WKN: 519000), Daimler (WKN: 710000) und Volkswagen (WKN: 766403) spaltet die Investoren: Werden die deutschen Hersteller die Herausforderungen Elektromobilität, autonomes Fahren und Softwareintegration meistern und vielleicht sogar gestärkt aus der Transformation hervorgehen? Oder werden Neueinsteiger wie Tesla (WKN: A1CX3T) die deutsche Autoindustrie von ihrem Thron stoßen?

Auch wir Fools sind uns bei dieser Frage nicht ganz einig. Daher haben wir unsere Foolishen Autoren Christoph und Sven nach ihren Meinungen zu diesem heißen Thema gefragt:

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ChristophFür mich ist die Sache klar: Die deutschen Autohersteller stecken in einer richtigen Zwickmühle, und das scheint mit Herbert Diess nun auch der erste CEO wirklich erkannt zu haben. Rekordabsatzzahlen im Jahr 2019 sind schön und gut, aber in den kommenden Jahren kommen aus meiner Sicht existenzielle Bedrohungen auf die Autohersteller zu.

Das Zauberwort lautet Elektromobilität: Viele Käufer waren bisher abgeschreckt von den im Vergleich zum Verbrenner recht hohen Anschaffungskosten, den dünnen Ladenetzen und den mittelmäßigen Reichweiten. An all diesen Fronten werden jedoch enorme Fortschritte gemacht – allerdings zum Großteil von Tesla: Die Batterien mit der höchsten Energiedichte, die Antriebsstränge mit der höchsten Effizienz, die höchste Reichweite zum geringsten Preis und das dichteste Ladenetz kommen aus Palo Alto, Kalifornien.

Die Folgen sehen wir schon heute: Die Stromer von Audi, Daimler und Co. fassen angesichts von Teslas Vorsprung nur mühsam Fuß. In Zukunft könnten immer besser werdende Elektroautos auch noch dem Verbrenner-Business das Wasser abgraben. Den Beginn einer solchen Entwicklung sehen wir schon heute in Teslas Heimatmarkt, den Vereinigten Staaten, wo das Model 3 seine Mitbewerber – die Mercedes C-Klasse, den Audi A4 und den 3er-BMW – in den Verkauszahlen regelmäßig schlägt. Und zwar insgesamt! Wenn demnächst auch auf unserem Kontinent eine Tesla-Gigafactory steht, könnte das hier ähnlich aussehen.

Wenn man dann auch noch die potenziellen EU-Milliardenstrafen bedenkt, dann ist die Situation womöglich viel brisanter, als viele denken. Vom autonomen Fahren und dessen möglichen Auswirkungen ganz zu schweigen.

Ich bin gespannt, welche Auswege du für die deutschen Autohersteller siehst, Sven!

Sven: Ja, Tesla baut derzeit die besten Elektroautos. Bei diesem Punkt sind wir uns wohl einig. Aber, dass der Großteil der Fortschritte in der Elektrifizierung des Mobilitätssektors von Tesla gemacht werden soll, das sehe ich ganz anders.

Schauen wir beispielsweise nach Stuttgart zu Daimler. Aber erst mal nicht auf den Premium-SUV EQC, dessen Erfolg oder Misserfolg wir meiner Meinung nach erst im Laufe des aktuellen Jahres beurteilen können, sondern auf die Nutzfahrzeugsparte. Denn Elektromobilität besteht aus weitaus mehr als schicken Angeber-Schlitten.

Dort wird nicht nur der eCitaro-Bus bereits in Serie gefertigt, sondern auch auch die Elektroversion von Thomas Built Buses. Das sind die gelben Schulbusse, die wir aus jedem US-Film kennen. Der elektrische eVito wird ebenfalls schon verkauft und bereits seit über einem Jahr sind Kleinserien des Elektro-Lkws Mercedes-Benz eActros und des FUSO eCanters im Kundeneinsatz, um wertvolle Praxiserfahrung zu sammeln. Mit dem eSprinter und dem elektrischen Van EQV stehen weitere vollelektrische Nutzfahrzeuge in den Startlöchern.

Aber zurück zum Pkw-Markt, der bei uns Konsumenten verständlicherweise mehr Eindruck hinterlässt.

Studiert man hier beispielsweise die deutschen Zulassungszahlen im vierten Quartal 2019, finden wir unter den Top 5 der reinen Elektroautos den elektrischen Smart, den i3 von BMW und den Volkswagen e-Golf. Bei den Plug-in-Hybriden belegte die Mercedes E-Klasse von Oktober bis Dezember durchweg den ersten Platz. Zumeist gefolgt von einem anderen Mercedes-Modell oder einem Modell aus dem Hause BMW. Wenn man die Elektromobilität tatsächlich verschlafen hätte, würde das wohl anders aussehen.

Vielleicht sind die ersten reinen Premium-Elektromodelle der deutschen Hersteller nicht die Allerbesten, wenn man ausschließlich auf Reichweite und Effizienz Wert legt – dann würden seit Jahren aber auch alle einen VW Polo fahren. Die angestaubten deutschen Hersteller beweisen aber auch, dass sie die Fähigkeiten haben, von Jahr zu Jahr und von Modell zu Modell die technischen Spezifikationen zuverlässig zu verbessern. Da sich die Elektroherausforderungen auf die kommenden Jahre und nicht allein auf das aktuelle Jahr verteilen, verliert man die Elektromobilität ganz bestimmt nicht, wenn das allererste Modell einer Modellreihe die Kundenanforderungen nicht in vollem Umfang erfüllen sollte – was wir derzeit noch nicht beurteilen können.

Bleiben noch die angesprochene Softwareintegration und das autonome Fahren. Ich glaube, das würde den Rahmen hier sprengen. Lass uns das daher auf ein anderes Mal verschieben.

Christoph: Die von dir angesprochenen Punkte machen in der Tat Hoffnung, was die Zukunft von BMW, Daimler und Volkswagen anbelangt. Vor allem Daimlers elektrischer Vorstoß in die Nutzfahrzeugsparte ist aus meiner Sicht positiv und durchaus als Chance zu werten.

Außer Frage steht auch, dass nachfolgende Modellgenerationen der deutschen Hersteller zwangsläufig besser sein werden als der erste Versuch: Entgegen der Erwartung der Autokonzerne ist die Entwicklung und die Fertigung guter Elektroautos gar nicht so einfach, wie man es sich scheinbar immer vorgestellt hat. Doch über die jetzt angelaufenen Programme werden sie sicherlich eine Menge dazulernen, was in einigen Jahren zu deutlich besseren Produkten führen wird. Allerdings entwickelt sich natürlich auch Tesla immer weiter, und das mit einem beeindruckenden Tempo. Was nutzt es BMW, wenn das Unternehmen in drei Jahren dort ist, wo Tesla vor drei Jahren war?

Als Fazit können wir, denke ich, festhalten, dass BMW, Daimler und Volkswagen eine Menge Arbeit vor sich haben und dass die Transformation nur mit einer großen Portion Mut und Einsatz gelingen kann. Die ersten Schritte in diese Richtung sind schon erfolgt. Nur über die Erfolgsaussichten gehen unsere Meinungen wahrscheinlich auch weiterhin auseinander.

Es hat mir trotzdem viel Spaß gemacht, mich mit dir darüber auszutauschen! Bis zum nächsten Mal, dann vielleicht zum Thema Software und autonomes Fahren.

Sven: Ja, die nächsten Jahre bleiben auf alle Fälle spannend. Zumal es bedeutend mehr ist als der oftmals zugespitzt dargestellte Vierkampf zwischen Tesla und den drei deutschen Autokonzernen. Schließlich gibt es bedeutend mehr etablierte Hersteller und auch bedeutend mehr neue, ambitionierte Herausforderer.

Aufgrund der rasanten Entwicklung und der nicht greifbaren Akteursvielfalt sollten wir uns als außenstehende Beobachter meiner Meinung nach aber davor hüten, allzu selbstbewusst die Zukunft vorherzusagen.

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Sven besitzt Aktien von BMW und Daimler. Christoph besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla und empfiehlt BMW.

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