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Warum dich die technische Analyse völlig kaltlassen sollte

Anleger, die regelmäßig Nachrichten oder Analysen über ihre Aktien verfolgen, stoßen früher oder später auch auf technische Analysen. In einer technischen Analyse wird unter anderem auf vergangene Kursmuster und Indikatoren abgestellt, um zukünftige Kursentwicklungen zu prognostizieren.

Doch sollte man als Foolisher Anleger seine Aktien verkaufen, wenn eine technische Analyse ein „Verkaufssignal“ identifiziert hat? Diese Frage lässt sich meiner Meinung nach nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten, denn es kommt auf mehr als nur ein Kursmuster oder einen Indikator an, um darüber entscheiden zu können, ob eine Aktie gekauft oder verkauft werden sollte. Daher gehe ich auf ein Unternehmen ein, bei dem man mithilfe der technischen Analyse jüngst einiges falsch gemacht hätte. Nämlich mit der Aktie von Evotec (WKN: 566480).

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Unterschiedliche Signale

Der 21.11.2019 war für die Aktionäre von Evotec ein hochspannender Tag. Mit einem Tagestief von 18,14 Euro wurde das vormalige Tief aus dem Sommer von 18,18 Euro leicht unterboten. Auch in den Wochen zuvor gelang es der Aktie nicht, sich zu erholen bzw. zu stabilisieren. Demnach würde ein technischer Analyst davon ausgehen, dass ein tieferes Hoch und ein tieferes Tief für einen Abwärtstrend sprechen. Je nach Risikoappetit des Analysten gehen die Empfehlungen vom Verkauf der Aktie bis hin zum Eingehen von Put-Optionen, die von einem weiteren Absturz der Aktie profitieren würden.

Ein anderer Indikator der technischen Analyse, der RSI (Relative Strength Index), war an diesem Tag jedoch bereits auf Erholungskurs, nachdem er zwei Tage zuvor an einem vorherigen Tief abgeprallt ist. Dieser Indikator würde unter Umständen dafür sprechen, dass die Aktie nicht weiter gen Süden absinken sollte.

Wie du erkennst, steht man als technischer Analyst durch diese unterschiedlichen Signale vor dem Dilemma, auf welches Signal man setzen sollte. Da die technische Analyse noch eine Vielzahl von weiteren unterschiedlichen Signalen bietet, die in der Regel nie eindeutig in eine Richtung zeigen, verschärft sich dieses Problem noch weiter. Meiner Meinung nach sind daher diese Signale und Indikatoren nicht aussagekräftig, da sie sich in der Regel gegenseitig aufheben.

Vorgefertigte Meinung

Wenngleich dies mithilfe der technischen Analyse vermieden werden sollte, führen unterschiedliche Signale sowie mehrere Interpretationsmöglichkeiten mitunter dazu, dass der technische Analyst die Aktie nach seiner subjektiven Einstellung zum Unternehmen beurteilt. Denn unabhängig davon, ob ein Analyst nur den Chart eines Unternehmens beurteilen möchte, hat dieser in der Regel auch immer eine Meinung über das betreffende Unternehmen.

Meiner Meinung nach führt dies dazu, dass die Gefahr, dass der technische Analyst auch subjektive, qualitative Faktoren in seine Bewertung einfließen lässt, ansteigt, je unklarer die Signale sind. Dies geschieht mitunter dadurch, dass bestimmte Kursmuster bzw. Indikatoren, die besser ins Gesamtbild des technischen Analysten passen, übergewichtet werden.

Warum ist die technische Analyse so populär?

Meine obigen Ausführungen sind nur ein kleiner Ausschnitt aus den Limitationen der technischen Analyse. Nichtsdestotrotz ist diese Analysemethode weit verbreitet und genießt oftmals auch unter Kleinanlegern hohes Ansehen.

Das liegt meiner Meinung nach vor allem daran, dass sich die technische Analyse hervorragend eignet, Kauf- und Verkaufssignale in der Vergangenheit zu analysieren bzw. zu bestimmen. Jedoch sagen Trendkanäle, Tiefpunkte, gleitende Durchschnitte und sämtliche Indikatoren nichts darüber aus, ob sich eine Aktie oder ein Index dieses Mal wieder genauso verhalten wird wie in der Vergangenheit.

Jedoch rühmen sich technische Analysten klarerweise meist nur mit jenen Charts, in denen sie richtig lagen, sodass hier eine Wahrnehmungsverzerrung entstehen kann. Betrachtet man vergangene Chartanalysen und sieht sich die darauf folgende Kursentwicklung an, erkennt man oft, dass die technische Analyse keineswegs dazu führt, dass Anleger langfristig eine höhere Rendite als der Markt erzielen.

Fundamentale Unternehmensanalyse als Ausweg?

Grundsätzlich finde ich die technische Analyse spannend und ich kann jedem Anleger empfehlen, sich damit auseinanderzusetzen. Selbiges trifft auf die fundamentale Unternehmensanalyse zu. Jedoch muss darauf hingewiesen werden, dass diese Analysemethoden, empirisch betrachtet, nicht verlässlich zu höheren Renditen führen. Denn meist hinken aktiv gemanagte Portfolios den Renditen aus passiven Portfolios (z. B. Indexzertifikate und Indexfonds) nach.

Möchten Anleger jedoch dennoch ein aktives Portfoliomanagement betreiben und folglich die Aktien selbst auswählen, ist meiner Meinung nach die fundamentale Unternehmensanalyse die bessere Methode. Investmentlegenden wie Warren Buffett konnten mithilfe dieser Methode ein gigantisches Vermögen erzielen. Ein vergleichbar erfolgreicher Chartanalyst ist mir nicht bekannt.

Des Weiteren führt die fundamentale Unternehmensanalyse auch dazu, dass man sich als Anleger besser mit dem Geschäftsgegenstand des Unternehmens auseinandersetzt. Hingegen sind mir viele technische Analysen bekannt, die einen bestimmten Wert zum Kauf empfehlen, ohne zu analysieren, was dieses Unternehmen überhaupt macht. Eine Aktie zu verkaufen, weil eine bestimmte Trendlinie verletzt wurde, ist für mich keine Begründung, sofern ich von der langfristigen Entwicklung des Unternehmens überzeugt bin, so wie dies bei Evotec der Fall ist.

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Michael besitzt Aktien von Evotec. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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