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MSCI World ETF: Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um zu verkaufen

Es war ein wunderbarer Gipfelsturm, den langfristige Anleger mit dem MSCI World erleben durften. Über die letzten zehn Jahre hinweg lag die durchschnittliche Rendite bei rund 10 %, was deutlich mehr ist als die 7 %, die wir üblicherweise für realistisch halten über einen längeren Zeitraum. Ende 2019 legte er sogar noch mal einen Extraspurt hin.

Normalerweise sage ich, dass man zu seinen Gewinneraktien und -fonds halten sollte. Verkaufen ist im anhaltenden Nullzinsumfeld eigentlich keine gute Idee, wenn man bedenkt, dass die Dividendenrendite bei vielen Indexwerten noch gute Erträge abwirft. Aber es gibt einen Mittelweg und der erste Schritt dafür wäre, sich von seinen MSCI-World-ETF-Anteilen zu trennen.

Was mich am MSCI World stört

Der Name klingt so, als ob man es hier mit dem perfekt diversifizierten Portfolio zu tun hätte. Schließlich enthält der MSCI-World-Index Unternehmen aus vielen verschiedenen Branchen und zahlreichen Ländern, verteilt auf Amerika, Europa und Asien.

Bei genauerem Hinsehen erkennt man jedoch schnell, dass die Diversifizierung weit geringer ausfällt. Schon allein die fünf gigantischen amerikanischen IT-Konzerne machen 10 % aus. Sogar über 63 % fließen in Richtung von US-Unternehmen. Für alle anderen Länder bleibt also nur noch ein gutes Drittel übrig. Da der Fokus auf Industrieländern liegt, wird China komplett ausgeblendet. Dafür darf der japanische Markt mit 8 % die Nummer zwei einnehmen.

Warum der USA-Fokus gefährlich sein könnte

Im Moment sind viele amerikanische Unternehmen noch unheimlich profitabel. Die Eigenkapitalrendite ist zum Teil so wahnsinnig hoch, dass Investoren Kurs-Umsatz-Verhältnisse jenseits von 10 klaglos akzeptieren. Man muss sich fragen, wie lange dieser Zustand noch anhalten kann.

Die politische Stimmung wendet sich zunehmend gegen diese Gewinnmaschinen, egal ob es um die Pharma-, Finanz- oder IT-Branche geht. Vorschläge wie die Aufspaltung der immer mächtigeren E-Commerce- und Cloud-Giganten, die stärkere Preisregulierung bei Arzneimitteln oder die stärkere Besteuerung von Vermögen und Geldströmen wären Gift für die Zukunftsaussichten der betroffenen Unternehmen. Bereits jetzt schlagen die Regulierungsbehörden regelmäßig zu. Hinzu kommen die ständigen Nadelstiche durch aufstrebende Start-ups, die nicht nur die Marktposition bedrohen, sondern auch für sinkende Margen sorgen könnten.

Zuletzt darf man auch nicht vergessen, dass die betont feindselige Außenpolitik des US-Regimes als Bumerang wirken könnte – wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus. Ich kann mir kaum vorstellen, dass die immer wieder zur Schau gestellte Rücksichtslosigkeit der Staatsführung für die US-Wirtschaft völlig ohne Folgen bleibt, auch wenn dank des großen Binnenmarkts und der Rohstoffexporte bisher noch kaum negative Effekte erkennbar sind.

Richtig ist aber auch, dass die aggressiv protektionistische Handelspolitik bisher nicht zum erhofften Erfolg geführt hat. Die US-Wirtschaft leidet daher unter einem Mehrfachdefizit mit einem unsoliden Staatshaushalt, einer anhaltend gewaltig negativen Handelsbilanz und ausufernden Schulden auf allen Ebenen. Noch nie war der Unterschied zwischen staatlichen Einnahmen und Ausgaben so groß wie 2019. Das zeigt, dass ein guter Teil des Wachstums von Wirtschaft und Börse auf Fiskalstimuli beruht. Nachhaltig sieht für mich anders aus.

Wie man jetzt optimal umschichtet

Die einfachste Möglichkeit, um den großen US-Fokus zu reduzieren, könnte darin bestehen, neben dem MSCI World auch in den MSCI Emerging Markets zu investieren, wo die chinesischen Giganten wie etwa Alibaba (WKN: A117ME) groß aufspielen. Viele Investoren dürften bereits beide im Depot haben. Trotzdem denke ich, dass es Sinn machen könnte, den MSCI World ganz oder teilweise zu liquidieren, um sich die Gewinne der letzten Jahre zu sichern.

Die Erlöse daraus fließen natürlich zunächst auf dein Konto, wo sie keine Erträge bringen. Null Prozent ist zwar immer noch besser als große Kursverluste, aber über kurz oder lang sollten die Mittel wieder zum Mitarbeiten bewegt werden.

Nun haben wir natürlich keine Glaskugel und können nicht voraussehen, wie sich die weltweiten Börsen entwickeln werden. Selbst wenn ich überzeugt bin, dass es nicht so wie bisher weitergehen kann, sind doch sehr unterschiedliche Szenarien denkbar. Ein Crash ist nur eine Möglichkeit von vielen. Genauso könnte es zum Beispiel einfach mal ein paar Jahre im Schnitt nur 2 bis 3 % vorangehen. Auf diese Weise könnten sich viele abgehobene Kurse der Realität annähern, ohne zwischenzeitlich einzubrechen.

Insgesamt sehe ich jedoch eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse nicht weglaufen und wir im Laufe des Jahres noch deutlich günstigere Einstiegszeitpunkte bekommen. Deshalb halte ich es für eine gute Idee, jetzt bei ausgewählten Papieren Kasse zu machen und dann schrittweise ein aussichtsreicheres Depot aufzubauen. Die in vielen ETFs überrepräsentierten HyperCaps haben möglicherweise bereits viel von ihrem Potenzial ausgereizt und würden besonders leiden, wenn ETF-Anleger vermehrt ihr Geld abziehen.

Auf der anderen Seite gibt es in der zweiten Reihe und in Europa noch viele hervorragende Unternehmen, die günstig bewertet wirken. Warum also an den genauso populären wie teuren Aktien festhalten, wenn es in anderen Regionen und unter dem Radar bessere Alternativen gibt? MSCI World ist definitiv das Gegenteil von „unter dem Radar“.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.