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Wird Tesla mit diesem genialen Schachzug zum Softwareunternehmen?

Tesla (WKN: A1CX3T) ist bekannt dafür, regelmäßig „Over the Air“-Softwareupdates für seine Autos zu veröffentlichen, die ganz einfach über die heimische WLAN-Verbindung installiert werden können. Mit dabei waren in den letzten Jahren Features, die die Sicherheit, die Vielseitigkeit, den Unterhaltungswert oder auch die Leistung der Fahrzeuge verbessert haben. Tesla hat bisher darauf verzichtet, für diese Aktualisierungen Geld zu verlangen.

Kürzlich jedoch gab es für einige Tesla-Besitzer ein optionales Update, das 2.000 Dollar kostet und die Beschleunigung des Autos merklich verbessert.

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Was bedeutet dieser Schachzug für Tesla-Investoren? Werfen wir einen Blick auf die Chancen und die Risiken – und warum ich denke, dass Tesla im Softwarebereich erst ganz am Anfang seiner Entwicklung steht.

Die Risiken

Tesla-Kunden wurden in den letzten Jahren durch viele Gratisupdates verwöhnt. Das Unternehmen hat sich damit eine Art Alleinstellungsmerkmal aufgebaut. Diese Strategie jetzt teilweise zu verlassen und für manche Updates Geld zu verlangen, könnte die Kundenzufriedenheit senken. (Stell dir vor, du nimmst einem Kind, das drei Tafeln Schokolade hat, eine weg. Es hat zwar weiterhin zwei Tafeln, aber weinen wird es trotzdem!)

Ich denke jedoch, dass eine heftige Reaktion in diese Richtung eher unwahrscheinlich ist. Es wird weiterhin ganz normale Gratisaktualisierungen geben, sodass einem Kunden erst mal nichts verloren geht. Zweitens muss man für die Option „Volles Potenzial für autonomes Fahren“ schon länger Geld zahlen, aktuell 7.000 Dollar. Das hat bisher niemanden gestört – für zusätzliche Funktionen muss man eben blechen.

Ein weiteres Risiko ist selbstverständlich, dass die Umsätze aus diesen Updates extrem niedrig ausfallen, da sie kaum jemand kaufen möchte. Das könnte dazu führen, dass Tesla auf seinen Entwicklungskosten sitzen bleibt. Doch die Fahrzeugflotte von Tesla wächst täglich, und je größer sie wird, desto weniger wahrscheinlich wird so ein Szenario. Ich bin mir relativ sicher, dass die Umsätze aus dem aktuellen Beschleunigungsupdate die Entwicklungskosten um ein Vielfaches übertreffen werden.

Die Chancen

Das Schöne an softwarebasierten Geschäftsmodellen ist, dass die Gewinnmargen auf Werte nahe 100 % klettern, sobald die Entwicklungskosten gedeckt sind. Für das Beschleunigungsupdate schätzen Experten, dass es die Margen des gesamten Konzerns im vierten Quartal um einen halben Prozentpunkt steigern könnte.

Das klingt nicht nach viel, doch gerade in der sehr margenschwachen Autobranche kann ein halber Prozentpunkt extrem viel ausmachen. Wenn Tesla diesen Ansatz weiter verfolgt, könnte das dem Unternehmen helfen, langfristig Kapitalrenditen zu erzielen, die bisher für Autohersteller unerreichbar waren.

Dazu wird natürlich etwas mehr nötig sein als nur eine um 0,5 Sekunden verbesserte Beschleunigung. Doch durch die starke Integration von Software in Teslas Autos stehen dem Unternehmen viele Türen offen.

Ein bisschen Spekulation

So halte ich es für relativ wahrscheinlich, dass Tesla früher oder später eine Art App Store herausbringt. Neben einem besseren Unterhaltungsangebot in den Fahrzeugen winkt vor allem eine Menge Geld: Wenn du im iOS App Store etwas kaufst, dann fließen 30 % des Preises als Provision an Apple. Diese Umsätze bringen Apple dann eine Bruttomarge von 90 %. Zum Vergleich: Der Tesla-Konzern erzielte im dritten Quartal eine Bruttomarge von 19 %.

Tesla hat offiziell noch nicht angekündigt, einen solchen Dienst bald zur Verfügung stellen zu wollen. Doch mehrere Kommentare von CEO Elon Musk zeigen, dass das Unterhaltungsangebot in den Autos bei Tesla eine extrem hohe Priorität hat. Gut so: Denn während man sein Elektroauto auflädt oder (in einigen Jahren) vollautonom durch die Gegend kutschiert wird, kann es durchaus mal langweilig werden. Ein App Store mit einem umfassenden Unterhaltungsangebot käme da gerade recht.

Foolishes Fazit

Aus meiner Sicht beginnt Tesla damit, seinen Wettbewerbsvorteil der Softwareintegration intelligent auszuspielen: mit optionalen Updates, die den Fahrspaß erhöhen und neue Funktionalität bringen, ohne dabei den bekannten Rhythmus der Gratisaktualisierungen abzuschaffen.

Wie wir gesehen haben, könnte Tesla diesen Weg in einigen Jahren noch viel weiter gehen und eine eigene App-Plattform auf die Beine stellen. Damit würde Tesla den traditionellen Autoherstellern weiter enteilen – sowohl hinsichtlich der Funktionalität der Autos als auch finanziell. Aus meiner Sicht ein Paradebeispiel dafür, warum wir Fools gerne in Unternehmen investieren, die Wettbewerbsvorteile aufweisen.

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Christoph Gössel besitzt Aktien von Tesla. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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