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Das regelmäßige Scheitern von Amazon, Apple, Google und Microsoft: Was Anleger daraus lernen können

Foto: Ralf Anders

Das Online-Tech-Magazin The Verge hat kürzlich eine Liste mit den größten Flops des auslaufenden Jahrzehnts veröffentlicht. Auffallend oft kommen darin die amerikanischen Internetgiganten Amazon (WKN: 906866), Apple (WKN: 865985), Alphabet (WKN: A14Y6F) und Microsoft (WKN: 870747) vor. Das ist durchaus aufschlussreich für Investoren, wie ich finde.

Scheitern am laufenden Band

Die Liste der Pleiteprojekte ist zum Teil ziemlich kurios. Google ist bisher mit Smartwatches, Messaging, smarten Brillen und Tablets weitgehend gescheitert und hat einen ganzen Friedhof an eingestellten Softwareanwendungen. Apple hatte kein Glück mit der AirPower-Ladetechnik, hat den Einstieg in das Maps-Business verbockt und völlig überteuerte Smartwatch-Varianten am Markt vorbeigeplant.

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Microsoft versuchte sich erfolglos bei Fitnessbändern, Social Phones, der 3D-Kamera Kinect und Chatbots — und brachte mit Windows 8, Windows Phone und Windows RT gleich drei Flop-Betriebssysteme heraus. Amazon schließlich verzockte sich mit dem Fire Phone und hatte noch diverse weitere Hardware-Projekte wie etwa den Dash Button, die nicht zünden wollten.

Meine Lehren daraus

Klar ist, dass diese HyperCaps im Mittelpunkt der Tech- und Börsenmedien stehen. Jeder Schachzug wird unter die Lupe genommen. Unter diesen Voraussetzungen fällt es natürlich eher auf, wenn ein groß angekündigtes Projekt hinterher im Sande verläuft. Ein kleines Start-up, das nicht über diese Medienpräsenz verfügt, muss zum Ausgleich auch nicht mit der gleichen Schadenfreude rechnen, wenn die ambitionierten Pläne sich in Luft auflösen. Aber es gibt noch vier weitere Dinge, die wir dazu wissen müssen:

Kultur des Scheiterns
Wagniskapitalfonds (Venture Capital) rechnen von vornherein damit, dass nur einem Bruchteil ihrer Schützlinge letztlich der große Durchbruch gelingt. Dank der enormen Gewinne, die einzelne Volltreffer erbringen können, lassen sich Pleiten bei anderen Investments gut verkraften. Ganz ähnlich gehen offenbar auch die Tech-Konzerne vor. Neben der kontinuierlichen Übernahme von Start-ups lassen sie ihre kreativen Leute auch ständig neue Projekte starten.

Auf diese Weise managen die Konzerne ein Portfolio von Dutzenden oder gar Hunderten Entwicklungssträngen. Dass davon gelegentlich etwas schiefgeht, ergibt sich fast zwangsläufig. Wichtig ist dabei nur, dass die gescheiterten Teams die richtigen Lehren ziehen und motiviert bleiben, um die nächste große Idee mit dem gleichen Elan zu verfolgen. Unternehmen, die nicht den Mut aufbringen, das Scheitern zu riskieren, werden niemals auf solche Goldadern stoßen.

Langfristig orientierte Anleger an der Börse kennen das übrigens auch: Die wenigen großen Gewinner bringen die Portfoliorendite.

Auch in Kalifornien wird nur mit Wasser gekocht
Wenn Apple oder Amazon ein neues Feld beackern wie etwa den Pillenvertrieb, die Fahrzeugentwicklung oder die Krankenversicherung, dann scheint der betroffenen Branche regelmäßig der Atem zu stocken. Wie sich aber ebenso regelmäßig zeigt, gelingt es häufig nicht, die anfangs hoch gesteckten Ziele zu erfüllen. Vielmehr werden hohe Millionenbeträge verbraten, bis dann die Notbremse gezogen wird.

Daraus lässt sich schließen, dass wie nicht immer sofort ängstlich zurückzucken müssen, wenn eine unserer Aktien von einem der Internetkonzerne scheinbar bedroht wird. Sie sind keineswegs allmächtig und ihre Manager und Ingenieure können sich auch mal irren.

Scheitern muss man sich leisten können
Ein hohes Risiko einzugehen und sich dabei zu irren, kann übrigens auch fatal enden. Unternehmen, die früher einmal vor ähnlich gigantischen Potenzialen standen wie die heutigen Giganten, etwa Blackberry (WKN: A1W2YK), Nokia, Siemens Mobile oder Palm, haben mit zum Teil kleinen strategischen Fehlern den Anschluss verloren. Da sich dann relativ schnell auch Verluste anhäuften, entwickelte sich geradezu eine Todesspirale.

Folglich sollten wir uns nicht blind auf Unternehmen stürzen, die in ihren Innovationsprozessen den Internetgiganten nacheifern. Genauso wie ein mit Wachstumstiteln bestücktes Depot besonders viel Diversifizierung benötigt, reduziert ein diversifiziertes Innovationsportfolio in Verbindung mit einem hochprofitablen Kerngeschäft bei Unternehmen das Risiko des Niedergangs. Apple, Amazon, Alphabet und Microsoft verfügen alle über stabile Gewinnbringer und können daher ihre gewaltigen Innovationsbetriebe problemlos am Laufen halten.

Tech-Konzerne tun sich nur selten gegenseitig weh
Bei uns wird ja gerne darüber gelästert, wie die Autokonzerne ihre Köpfe zusammenstecken. Obwohl Audi, BMW (WKN: 519000) und Mercedes dem Anschein nach engagiert um die Marktführerschaft kämpfen, treiben sie die Rivalität doch nie so weit, dass sie sich gegenseitig die Margen kaputtmachen würden.

Ganz ähnlich sieht es in Kalifornien aus. Die sozialen Netzwerke überlässt man Facebook (WKN: A1JWVX) (Google+?), die Suchmaschine Google (Bing?) und das Smartphone zumindest auf dem Heimatmarkt Apple (Microsoft Nokia?). Jeder darf seine Hauptgewinnbringer behalten, die genug Cashflow einbringen, um auf anderen Feldern Moonshot-Projekte finanzieren zu können.

Zusammengefasst

Es kann ein positives Zeichen sein, wenn Unternehmen regelmäßig scheitern. Wichtig ist dann aber, dass etwaige Totalverluste einzelner Vorhaben ohne größere Probleme vom profitablen Kerngeschäft aufgefangen werden können. Sonst kann es schnell mal ins Auge gehen, wenn zu viele Ressourcen auf das falsche Pferd gesetzt werden. Letztlich machen gute Unternehmen bei der Allokation ihrer Ressourcen nichts anderes als gute Investoren: Sie gehen nicht mehr Risiko ein, als sie im schlimmsten Fall vertragen können.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. Suzanne Frey arbeitet als Führungskraft bei Alphabet und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. John Mackey, CEO von Amazon-Tochter Whole Foods Market, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Randi Zuckerberg, eine frühere Leiterin der Marktentwicklung und Sprecherin von Facebook sowie Schwester von CEO Mark Zuckerberg, sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. Teresa Kersten arbeitet für LinkedIn und sitzt im Board of Directors von The Motley Fool. LinkedIn gehört zu Microsoft. The Motley Fool besitzt die folgenden Optionen: Long Januar 2021 $85 Calls auf Microsoft, long Januar 2020 $150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 $155 Calls auf Apple. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alphabet, Amazon, Apple, Facebook und Microsoft. The Motley Fool empfiehlt BMW.

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