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Wie riskant ist Netflix?

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Die ersten Investoren von Netflix (WKN: 552484) wussten, dass sie ein Risiko eingehen: Immer wollte das Technologie-Start-up den Konsum digitaler Inhalte revolutionieren. Heute hingegen findet man eher eine Reihe von Investoren, die überzeugt sind, dass Netflix quasi risikobefreit ist. Aber das gilt nicht mehr. Neuer Wettbewerb, erhöhte Content-Kosten und wachsende Schulden sorgen nämlich doch für Risiken.

Es ist kein Geheimnis mehr, dass Netflix beim Streaming nicht mehr allein dasteht. Unternehmen wie Disney (WKN: 855686), Apple (WKN: 865985) und Comcast (WKN: 157484) haben ihre eigenen Streaming-Services veröffentlicht oder planen, diese zu veröffentlichen, um mit Netflix zu konkurrieren. Das mag für die Verbraucher schön sein, schafft aber für Netflix zwei potenzielle Probleme, die wir bei der Risikobewertung berücksichtigen müssen: die Kosten für Inhalte und wie das Unternehmen sie bezahlen wird.

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Die Kosten für die Inhalte

Die größten Gewinner der Streaming-Kriege werden die Content-Produzenten, Schauspieler und Produktionshäuser sein. Je mehr Streaming-Unternehmen um die besten Ressourcen konkurrieren, um eigene Inhalte zu erstellen und gleichzeitig Ausschreibungen für bestehende Inhalte einzuleiten, desto teurer wird es. Das sind einfach die Grundlagen von Angebot und Nachfrage.

Auf den Anstieg der Kosten für die Produktion einer wettbewerbsfähigen Show angesprochen, sagte Chief Content Officer von Netflix Theodore A. Sarandos: „Eine sehr wettbewerbsfähige Show ist gegenüber dem Vorjahr wohl noch einmal 30 % teurer geworden.“ Als Antwort darauf formulierte CEO Reed Hastings den Anstieg mit den Worten: „Die Preise für Inhalte steigen, aber wir haben das Glück, die meisten Abonnenten, mit die meisten Einnahmen und das größte Content-Budget zu haben.“

Netflix’ Plan besteht darin, die Ausgaben zu halten und durch mehr Abos und höhere Einnahmen zu kompensieren. Aber was passiert, wenn weitere Wettbewerber auf den Markt kommen? Was passiert, wenn ein tief verwurzeltes Unternehmen wie Apple, Comcast oder Disney beschließt, seine Ausgaben für Inhalte zu erhöhen? Apples Umsatz im Jahr 2018 betrug 260,17 Milliarden USD, Comcasts 94,5 Milliarden USD und Disney beziffert ihn mit 59,4 Milliarden USD ab. Wenn diese Unternehmen wirklich Lust auf die Streaming-Branche haben, dürften sie ihre ohnehin schon hohen Ausgaben für Inhalte erhöhen. Apples Startbudget für das Streaming von Inhalten beträgt 6 Milliarden USD, Disneys 2,5 Milliarden USD. Die Kosten für die Erstellung hochwertiger und wettbewerbsfähiger Inhalte dürften sich in absehbarer Zeit nicht verlangsamen.

Das bedeutet für Netflix, dass es weiterhin Ausgaben tätigen muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie wird das Unternehmen diese Ausgaben begleichen? Nun, laut Hastings durch eine hohe Abo-Basis. Das Problem ist, dass sich das Wachstum für Netflix verlangsamen könnte. Wie ich bereits in meiner Ergebnisanalyse für das dritte Quartal sagte, sind die Wachstumsprognosen für das vierte Quartal dieses Jahres identisch mit denen des vierten Quartals des Vorjahres, was in Ordnung ist – aber nicht, wenn die Kosten für Inhalte teurer werden. Man muss auch beachten, dass das Unternehmen seinen prognostizierten Anstieg der Abonnenten im letzten Quartal nicht erreicht hat, was angesichts des wachsenden Wettbewerbs alles andere als gut sein könnte.

Wenn das Abo-Wachstum und die Einnahmen nicht den Wachstumsbedürfnissen der Ausgaben für Inhalte entsprechen, woher wird Netflix dann Geld nehmen? Kurz: Schulden. Und auch wenn Schulden eine gute Sache sein können, wenn sie richtig eingesetzt werden, bedeuten sie eben auch Risiko – und das ist für mich der Hauptgrund, warum Netflix für mich eben doch riskant ist.

Nicht die Verbindlichkeiten außer Acht lassen

Die langfristigen Verbindlichkeiten am Ende des dritten Quartals beliefen sich auf 12,4 Milliarden USD, ein Anstieg von 49 % gegenüber dem gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Rückblickend auf drei Jahre bis 2016 lag die Verschuldung mit nur 2,37 Milliarden USD deutlich unter dem heutigen Wert.

Während die Betrachtung der Entwicklung der Gesamtverschuldung wichtig ist, muss man auch einen anderen Blick darauf werfen. Ein beliebtes Verhältnis, das verwendet wird, um das Risiko einer Aktie im Branchenvergleich zu bestimmen, ist das Verhältnis von Fremdkapital zu Eigenkapital. Eine höhere Zahl kann ein riskanteres Unternehmen signalisieren, das potenziell zu viel Schulden hat.

Mit Ende des letzten Quartals betrug der Verschuldungsgrad von Netflix 1,81. Der Verschuldungsgrad der gesamten Rundfunk- und Kabel-TV-Branche betrug im dritten Quartal 0,09. Für die Film- und Unterhaltungsindustrie lag sie bei 0,05. Das sind keine guten Zahlen für all jene, die denken, Netflix sei eine sichere Bank.

Fazit: Ist Netflix riskant?

Obwohl Netflix eine bekannte Marke ist, ist das Unternehmen noch lange nicht so weit etabliert, dass es frei von signifikanten Risiken ist. Der First-Mover-Vorteil und die Tage, an denen Netflix als Technologieunternehmen bezeichnet wurde, liegen in der Vergangenheit. Sie befindet sich nun in einem wettbewerbsorientierten Marktumfeld und steht im Wettbewerb mit großen Unternehmen, die tiefe Taschen haben. Wenn die Kosten für Inhalte weiter steigen und Netflix nicht mithalten kann, indem es neue Abonnements gewinnt und bestehende Mitglieder hält, könnte es mit erheblichen Problemen konfrontiert werden.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple, Netflix und Walt Disney und empfiehlt Aktien von Comcast. Jason Lee besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel erschien am 11.12.2019 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

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