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Conti-Rivale ZF wird (fast) zum Elektroautohersteller – das kann ungemütlich werden für etablierte Auto-OEMs

Bild: e.GO MOOVE GmbH

Wird der Automobilmarkt bald von mächtigen Zulieferern aufgemischt? ZF bekommt nicht so viel Aufmerksamkeit wie Bosch und das börsennotierte Continental (WKN: 543900). Aber wenn es um die Fahrzeugelektrifizierung und das autonome Fahren geht, dann spielen die Friedrichshafener ebenfalls ganz vorne mit. Kombiniert mit dem klassischen Chassis- und Antriebsstrang-Know-how kann der Konzern eine Menge in neue Fahrzeugprojekte einbringen.

Aber ZF muss sich nicht auf das Zuliefern beschränken: Mittelfristig könnte daraus ein mächtiger Fahrzeughersteller entstehen, und das wird nicht jedem gefallen.

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Der Deal mit e.Go

ZF ist bereits seit Längerem bei e.Go engagiert. Allerdings lag der Fokus bislang auf dem Mover-Projekt, das nun neben dem bereits bekannten People Mover auch die Variante Cargo Mover vorgestellt hat. Menschen und Pakete sollen so schon bald weitgehend autonom von A nach B gebracht werden. Nächstes Jahr startet die Serienproduktion und schon 2021 wird eine Jahresproduktion von 2.000 Stück angestrebt.

Um diese Kooperation auf eine breitere Basis zu stellen, wird ZF Anfang 2020 seine Joint-Venture-Anteile daran in Aktien der e.GO Mobile AG tauschen. Damit bekommt ZF auch größeren Einfluss auf die anderen Projekte des Unternehmens, darunter den Kleinwagen e.Go Life, der gerade an die ersten Kunden ausgeliefert wird und nun schnell auf größere Stückzahlen kommen soll. Bald darauf sollen dann auch die ersten Fahrzeugmodelle auf Basis des Modularen Elektrifizierungsbaukastens von Volkswagen (WKN: 766403) vom Band laufen.

Dass der Anteil der von ZF zugelieferten Komponenten kontinuierlich steigen wird, dürfte unter diesen Voraussetzungen sicher sein, wobei e.Go allein im Vergleich zu diesem Riesenkonzern trotz des Wachstums auf Jahre hinaus eher eine kleine Nummer bleiben wird.

Was wird aus StreetScooter?

Gleichzeitig gibt es noch ein zweites schnell wachsendes Elektrofahrzeug-Start-up aus Aachen, sozusagen das Vorläuferunternehmen von e.Go, das bei der Deutschen Post (WKN: 555200) untergekommen ist und heute zu den führenden Herstellern von elektrischen Kastenwagen gehört. Es hat in diesem Jahr mit Nachdruck seine Internationalisierung eingeleitet, um auch in Zukunft seine Marktstellung behaupten zu können. Schon 2021 soll in China mit dem lokalen Partner Chery eine Fertigungslinie mit einer Kapazität von 100.000 Fahrzeugen pro Jahr anlaufen.

Die Post hat hier hohes Engagement für die Elektrifizierung des Logistiksektors bewiesen. Allerdings hat das Konzernmanagement auch immer wieder deutlich gemacht, dass man sich auf lange Sicht nicht als Fahrzeughersteller sieht. Vielmehr wird nach weiteren Partnern oder gar Käufern für die Tochter gesucht. Für ZF, das bereits als Zulieferer mit StreetScooter in Verbindung steht, könnte es durchaus eine interessante Option darstellen, aus e.Go und StreetScooter etwas Größeres zu schmieden.

Die Rolle der CO2-Strafzahlungen

Als reine Elektrofahrzeughersteller haben e.Go und StreetScooter nichts zu befürchten, was die nun drohenden CO2-Strafzahlungen angeht. Ganz anders sieht das bei den etablierten Autobauern aus, die weiterhin mit Verbrennern einen Großteil ihrer Umsätze und Gewinne erwirtschaften. Sie müssen nun mit Hochdruck schauen, dass sie die Zielmarken erreichen, denn sonst wird es teuer.

Rein mit Effizienzverbesserungen beim Verbrennungsmotor wird es nicht zu schaffen sein, weshalb die Elektrifizierung Priorität hat. Eine Folge daraus könnte sein, dass der eine oder andere Hersteller Elektroautos in den Markt drücken wird, um auf das notwendige Volumen zu kommen. Möglicherweise werden auch ganze Flotten an Mietwagenkonzerne und Mobilitätsdienstleister billig vertickt.

Gewerbliche Kunden wie Sixt (WKN: 723132) dürfen sich daher genauso auf attraktive Angebote einstellen wie private Autokäufer. Man kann es sich leisten. Neue Autobauer, die keinen volumenstarken Partner an ihrer Seite haben, dürften es unter diesen Bedingungen schwer haben, sich durchzusetzen. ZF hingegen ist stark genug, um vergleichbare Größenvorteile zu generieren.

Gewinner und Verlierer

Trotz des ausgeweiteten Engagements bei e.Go ist es dem Management zufolge unwahrscheinlich, dass ZF kurzfristig zum Autobauer aufsteigt. Trotzdem verbessert der Zulieferer damit seine Verhandlungsposition: erstens durch die Demonstration seiner Systemkompetenz und zweitens durch die offensichtlich jederzeit bestehende Möglichkeit, sein eigenes Ding zu machen.

Sollte sich der Trend der deutschen Autohersteller, immer mehr Komponenten in Eigenregie zu fertigen, fortsetzen, dann könnte es auch mit der Loyalität des einen oder anderen großen Lieferanten irgendwann zu Ende sein.

Zunächst wird der zu erwartende Preiskampf jedoch zu einer Auslese führen. Die meisten Hersteller werden in den kommenden Jahren noch Verluste einfahren mit der Elektromobilität und nur diejenigen mit der günstigsten Kostenstruktur werden am Ende als Sieger herauskommen. Das erfordert einen langen Atem und beherzte Investitionen. Gut möglich, dass wir am Ende in Europa mit weniger Wettbewerb statt mehr dastehen, weil sich alles auf einige wenige Plattformen wie die von VW oder ZF konzentriert.

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Ralf Anders partizipiert über ein von ihm betreutes Indexzertifikat an der Aktienentwicklung von Continental. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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