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Aktienrückkäufe – Fluch oder Segen für Aktionäre?

Da hat aber einer schlecht geschlafen. Der Journalist Gabor Steingart zog im vergangenen Monat in seinem „Morning Briefing“ heftig über die Börse im Allgemeinen und über Aktienrückkäufe im Besonderen her. Dass Wertpapierbörsen als Kasino angesehen werden, ist ebenso alt wie falsch, aber wie verhält es sich eigentlich mit Aktienrückkäufen? Darüber liest man in letzter Zeit doch so viel …

Was sind Aktienrückkäufe?

Wenn ein Unternehmen Geld verdient, hat es vier Möglichkeiten, dieses Geld zu verwenden:

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  • Investitionen, etwa in neue Maschinen oder eine Übernahme
  • Tilgung von Verbindlichkeiten
  • Auszahlung einer Dividende
  • Aktienrückkäufe

Beim letzten Punkt kauft das Unternehmen seine eigenen Aktien entweder direkt an der Börse auf oder es macht den Aktionären ein entsprechendes Erwerbsangebot. Dadurch wird die Anzahl der Aktien, in die dieses Unternehmen eingeteilt ist, verringert. Jede verbleibende Aktie wird dadurch mehr wert, denn dasselbe Vermögen, Eigenkapital und derselbe Gewinn verteilen sich jetzt auf weniger Anteilsscheine.

Sind Aktienrückkäufe also eine gute Sache?

Die Antwort auf diese Frage lautet wie eigentlich immer an der Börse: Es kommt darauf an – es gibt nicht die eine Antwort, die immer richtig ist.

Zunächst einmal sind Aktienrückkäufe ein Zeichen dafür, dass die Unternehmen keinen Sinn oder Nutzen in Investitionen sehen. Man sieht das in den USA, wo die Zusatzgewinne aus Trumps Steuerreform eben nicht in neue Fabriken oder Maschinen gesteckt werden, sondern in Aktienrückkäufe. Die Unternehmen glauben nicht, dass sich Investitionen angesichts ökonomischer Unsicherheiten auszahlen werden.

Die Frage ist auch, ob das Management einen guten Zeitpunkt zum Kaufen erwischt. Klar, das weiß man immer erst hinterher, aber derzeit sind die Kurse recht hoch. Den Unternehmen geht es prächtig, die Kassen sind prall gefüllt – für den Kauf von Aktien ist das eigentlich eine ungünstige Kombination. Ein besserer Zeitpunkt wäre tatsächlich, wenn es der Gesellschaft schlecht geht, denn dann ist der Kurs unten. Aber dann fehlt meistens das Geld. Mit Käufen zu Höchstpreisen kann das Management sehr schnell sehr viel Aktionärsvermögen vernichten.

Fast noch wichtiger ist allerdings, ob durch die Aktienrückkäufe tatsächlich eine Reduzierung der ausstehenden Aktien erreicht wird. Ein Paradebeispiel dafür ist der Autoteilehändler AutoZone, dessen Aktienzahl von 2002 bis heute um 77,8 % von 107,1 Millionen auf 23,8 Millionen zurückging. Oft nutzen die Unternehmen die zurückgekauften Aktien aber auch nur, um sie vergünstigt an das Management abzugeben. Daher ist es wichtig, im Geschäftsbericht zu prüfen, ob die Zahl der ausgegebenen Aktien tatsächlich sinkt. Denn nur dann tritt der oben genannte Effekt auch ein.

Und was war da mit Apple?

In dem von mir genannten Artikel wird vor allem Apple kritisiert. Der Autor schreibt:

„Der mit Abstand größte Käufer ist ausgerechnet der Börsenstar Apple: Der iPhone-Hersteller kaufte in den vergangenen zehn Jahren für 239 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück, allein 2018 gab der Konzern dafür 61 Milliarden Euro aus und griff sogar auf sein Kapitalpolster zurück. Apple gab 6,3 Milliarden Euro mehr aus als das Unternehmen im selben Zeitraum an Cashflow (54,7 Milliarden Euro) erwirtschaftete.“

Das ist zunächst nicht falsch. Was Steingart aber verschweigt: Zum Ende des Geschäftsjahres 2018 hatte Apple einen Bestand an Zahlungsmitteln von rund 23 Milliarden Euro – die Kalifornier können die Rückkäufe also locker aus der Portokasse finanzieren.

Das Fazit

Es kommt also immer auf den Einzelfall an, ob Aktienrückkäufe in der speziellen Situation, in der sich das Unternehmen befindet, sinnvoll sind. Richtig eingesetzt, können sie einen erheblichen Beitrag zur Steigerung des Aktienkurses leisten. Das ist auch steuerlich sinnvoll, denn anders als bei Dividenden fallen Steuern beim Aktionär erst dann an, wenn die Aktien verkauft werden.

Rückkäufe bei Nebenwerten

Bei Nebenwerten, also kleineren Aktiengesellschaften, sind Rückkäufe eher selten. Das liegt daran, dass es sich häufig um junge, aufstrebende Unternehmen handelt, die stark wachsen und daher jeden Cent für Investitionen in ihre Geschäftsidee brauchen. Oft ist noch der Gründer mit an Bord – sowohl im Management als auch als Aktionär. Das ist eine Kombination, die wir hier bei den Fools lieben.


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Offenlegung: Peter besitzt keine der im Text genannten Aktien. Von Peter betreute Depots besitzen Aktien von Apple. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Apple und empfiehlt die folgenden Optionen: Long Januar 2020 USD 150 Calls auf Apple und Short Januar 2020 USD 155 Calls auf Apple.

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