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TeamViewer: Q3-Zahlen überzeugen, doch viel wichtiger ist, dass die Turbostrategie aufzugehen scheint

Wie viel Substanz steckt wirklich in TeamViewer (WKN: A2YN90)? Über diese Frage rätseln interessierte Anleger seit Wochen. Nachdem sich die meisten Analysten zunächst eher skeptisch zeigten und der Kurs stagnierte, schoss die Aktie am Montag (11.11.) nach oben. Mit der Veröffentlichung der Quartalsmitteilung sind wir wieder etwas schlauer. TeamViewer ist voll auf Kurs und setzt ein Zeichen.

Mehr als ein Fernsteuerungstool

Kürzlich habe ich mit einem Kollegen telefoniert, der mir wortreich erläuterte, was er gerade an seinem Bildschirm sah und machte. Irgendwann wurde es mir zu anstrengend und ich schlug vor, wir sollten in Zukunft TeamViewer benutzen, damit ich das alles leichter nachvollziehen kann. Seine Antwort? „Das brauchen wir nicht, das kann auch Skype.“ Und fünf Sekunden später hatte ich seine Oberfläche auf meinem Smartphone.

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Dieses kleine Beispiel zeigt, dass es für einzelne Aspekte der Basisfunktionalität von TeamViewer gute Alternativen gibt. Wenn es um das Übertragen des Bildschirminhalts oder die Steuerung eines anderen PCs aus der Ferne geht, verfügt TeamViewer nur eingeschränkt über Alleinstellungsmerkmale.

Reitet TeamViewer also nur auf einer kurzlebigen Welle? Und wenn diese abebbt, kommen dann andere Tools, die den Marktführer ablösen? Immer mehr spricht dafür, dass es nicht so kommen wird.

Was TeamViewer so stark macht

Erfolgsfaktor Nr. 1: Die vielfältigen Anwendungen
Die Titelfolie der Investorenpräsentation zur Quartalsmitteilung ist vielsagend. Auf gleich 16 quadratischen Einzelbildern zeigt der Softwarehersteller die ganze Bandbreite der Anwendungen seiner Technologie. Und das geht meilenweit über die simple Bildschirmübertragung und PC-Fernsteuerung hinaus, die spezialisierte Tools oder die in Betriebssysteme integrierte Funktionalität bieten.

Quelle: TeamViewer Investorenpräsentation Q3/2019

Die Illustration zeigt, wohin die Reise geht. Ob Landmaschinen, Fabrikausrüstung, Windmühlen oder Medizintechnik: Immer können TeamViewer-Lösungen für eine simplere Überwachung und Steuerung sorgen. Wer bereits gewohnt ist, gelegentlich aus der Ferne auf andere Endgeräte zuzugreifen, dem wird es leichtfallen, den Nutzen auch für solche Anwendungsfälle schnell zu begreifen.

Ich denke, dass TeamViewer eine gute Chance hat, einen Fuß in das Internet der Dinge zu bekommen. Dass im Embedded-Bereich mengenmäßig noch viel mehr möglich ist als bei PCs und Smartphones, dürfte klar sein. Um die sich entfaltenden Potenziale zu schöpfen, wurde nicht nur das Partnernetzwerk um diverse hochkarätige IT-Player ausgebaut, sondern auch ein neuer Entwicklungsstandort in Griechenland eröffnet, der dazu beitragen sollte, den Ausbau des Leistungsspektrums noch zu beschleunigen.

Erfolgsfaktor Nr. 2: Großkunden
Ein wichtiger Teil der Strategie betrifft auch die Gewinnung von Großkunden. Die meisten konkurrierenden Tools konzentrieren sich auf Einzelnutzer und Kleinunternehmen. TeamViewer nennt hingegen nun Vertragsabschlüsse mit 6-stelligen Summen an wiederkehrenden Umsätzen. Die Anzahl der Kunden, die jeweils für mehr als 10.000 Euro wiederkehrenden Jahresumsatz sorgen, ist von 369 im dritten Quartal 2018 auf 590 ein Jahr später gestiegen, ein Plus von stattlichen 60 %.

Offenbar überzeugt die noch relativ neue Software Tensor, die es Unternehmen erlaubt, von einem entfernten Servicestandort aus IT-Leistungen und Support zu erbringen. Die Einführung der Lösung soll lediglich ein paar Stunden dauern, was natürlich ein riesiger Vorteil ist, weil es die Einstiegshürde massiv absenkt. Für eine Live-Demo kann TeamViewer die eigenen Tools nutzen, ohne kostenaufwendig zu den potenziellen Kunden reisen zu müssen.

Das heißt, dass einerseits der Vertrieb zu geringen Kosten die Pipeline füllen kann, und andererseits die Kunden sehr schnell ein Verständnis von der Funktionsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Anwendung bekommen. Aus der Demo wird ein Test, aus dem Test ein Kunde und aus dem Kunden Dutzende einzelne Anwender, die ihre Erfahrung mit der Software weitertragen.

Erfolgsfaktor Nr. 3: Die internationale Nutzerbasis
Hinzu kommt noch die Internationalisierung. Zwar nutzen bereits heute Anwender in fast allen Ländern dieser Welt die Anwendung, aber vom Vertrieb werden noch längst nicht alle Regionen intensiv bearbeitet. Das bedeutet noch viel brachliegendes Potenzial.

Noch macht die erweiterte Europaregion über die Hälfte der Umsätze aus. Aber in Amerika und Asien wächst TeamViewer schneller. Aktuell werden insbesondere die Vertriebsstrukturen im bevölkerungsreichen Asien schnell ausgebaut. Es ist angesichts der noch geringen Marktanteile leicht vorzustellen, dass die hohen Wachstumsraten dort auf Jahre hinaus anhalten werden. Es könnte sogar eine noch beschleunigte Entwicklung eintreten, sobald der vielfältige Nutzen der Software besser verstanden wird und die professionelle Nutzerbasis eine kritische Schwelle überschreitet.

Die Folge: Steigende Profite und sinkende Schuldenquote

Die anhaltend hohen Bruttomargen in Verbindung mit einem moderaten Anstieg von Vertriebs- und Entwicklungskosten sorgen weiterhin für eine fantastische Profitabilität. Das hilft auch, die zuletzt noch recht schwachbrüstige Bilanz aufzupolstern. Denn trotz der hohen Barmittelzuflüsse brauchen Anleger zunächst nicht mit Dividenden zu rechnen. Das Geld wird gebraucht, um das Eigenkapital aufzupolstern – gerade einmal 37 Mio. Euro zum 30. September – und die Schuldenquote zu drücken.

Nach einer Refinanzierung im September stehen noch Schulden in Höhe von 613 Mio. Euro in den Büchern. Die Kombination aus steigenden Betriebsgewinnen und Tilgung sorgt jedoch zügig für ein freundlicheres Bild. Offenbar wurde bei der strategischen Ausrichtung von TeamViewer einiges richtig gemacht, was sich nun auszahlt. Ob das Internet der Dinge wirklich erobert werden kann, bin ich noch nicht 100 % überzeugt, aber meine Zweifel an TeamViewer sinken zunehmend. Es bleibt eine der spannendsten Aktien auf dem deutschen Börsenzettel.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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