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Dieser Dividendenstar scheut den Konflikt mit den USA nicht

Foto: Getty Images

Eigentlich bin ich kein Freund russischer Aktien. Denn die politische Situation und gerade die Beziehung zu den wichtigen westlichen Märkten könnte man leicht als instabil bezeichnen. Aber Gazprom (WKN: 903276) ist ein grundsolides Unternehmen mit interessanten Zukunftsaussichten. Es handelt sich hierbei um einen Energieversorger, der unter staatlicher Kontrolle steht. Wie der Name bereits vermuten lässt, ist der Exportschlager Gas, und bester Kunde ist die EU.

Nicht zuletzt dank prominenter Sponsoring-Partner wie Fußball-Bundesligist Schalke 04 oder die UEFA ist Gazprom auch hierzulande vielen ein Begriff. Gerade wirbt der Hauptsponsor des S04 offensiv für Nord Stream 2 mit dem Slogan: „Sichere Energie für Europa“.

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Was ist Nord Stream 2?

Kurz gesagt handelt es sich bei Nord Stream 2 um eine Pipeline. Diese verläuft ähnlich wie der bereits seit Jahren genutzte Vorgänger Nord Stream. Diese neue Pipeline wird gerade 1.230 Kilometer quer durch die Ostsee verlegt. Startpunkt des Mammutprojekts ist das russische Wyborg, und enden wird sie im Deutschen Lubmin bei Greifswald. Die fertige Pipeline wird aus 200.000 Einzelrohren bestehen und circa 8 Mrd. Euro kosten. An dem Projekt haben sich unter anderem Uniper (WKN: UNSE01) (ehemals E.ON), OMV (WKN: 874341) und Royal Dutch Shell (WKN: A0D94M) beteiligt. Ab Fertigstellung Anfang 2020 können so rund 55 Mrd. Kubikmeter Gas zusätzlich aus Russland in die EU verkauft werden.

Warum wird Nord Stream 2 umgesetzt – wofür brauchen wir diese Pipeline?

Dafür lohnt ein Blick auf den Energiemix der EU. Insbesondere Deutschland ist weit vom Erreichen der eigenen Klimaziele entfernt. Das liegt auch daran, dass der Atomausstieg beinahe abgeschlossen ist und, um die Netzstabilität zu gewährleisten, viel auf Kohlekraftwerke gesetzt werden musste. Ein gasbetriebenes Kraftwerk setzt im Vergleich zur Kohle 50 % weniger C02-Emissionen frei.

Laut IEA World Energy Outlook 2016 lag der Anteil von Kohle am Energiemix der EU im Jahr 2014 bei 17,2 % und der von Gas bei 21,9 %. Im Jahr 2035 wird der Kohleanteil bei nur noch 8 % liegen und Gas wird sogar noch auf 28 % ansteigen. Die „Natural gas demand in Europe in 2017 and short term expectations“-Studie des Oxford-Instituts für Energiestudien kam zu dem Ergebnis, dass die EU 2017 bereits 548 Mrd. Kubikmeter Gas benötigte. Tendenz wie beschrieben: steigend!

Warum hilft Nord Stream 2 Gazprom so sehr?

Dazu sollte man wissen, dass es neben Russland noch andere Gasproduzenten gibt.

Hier die Top 5 (Zahlen aus dem Jahr 2017 – alle in Mrd. Kubikmetern Gas Fördermenge pro Jahr):

  1. USA – 734,5
  2. Russland – 635,6
  3. Iran – 223,9
  4. Kanada – 176,3
  5. Katar – 175,7

Für Statistikfreunde: Deutschland ist auf Rang 44 mit 6,4 Mrd. Kubikmetern Fördermenge pro Jahr.

Ist die Pipeline einmal gebaut, gilt sie als zukunftssichere Einnahmequelle für Gazprom. Da die EU ohnehin zukünftig mehr Gas benötigt, wird diese Mehrmenge umgehend und clever von Russland besetzt. Man kann sich vorstellen, dass dies international auf Ablehnung stößt …

Trump wirkt wie ein Schutzgelderpresser

Gerade die alten Rivalen USA und Russland liefern sich einen harten Kampf um den Absatz von Erdgas. Auch die USA haben Europa mittlerweile als Kunden mit viel Potenzial für sich entdeckt, daher erstaunt es nicht, dass US-Präsident Trump immer wieder mit teils plumpen Einschüchterungsversuchen aufwartet. So drohte er zuletzt in Schutzgelderpresser-Manier erst mit Sanktionen und sagte dann: „Wir schützen Deutschland vor Russland, und Russland bekommt Abermilliarden Dollar von Deutschland.“ Dabei gebe es „etwas viel Besseres“, sagte er. „Wir haben riesige Mengen an Flüssiggas.“

Klar, dass die USA dieses Geschäft mit der EU gerne selbst übernehmen würden. Für die Umwelt sind die Förderung in Russland und der Transport per Pipeline aber sicher besser als Fracking in den USA und der anschließende Transport per Containerschiff um die halbe Welt.

Was ist mit den Kritikern?

Ich möchte hier nicht unerwähnt lassen, dass neben den USA auch diverse Oststaaten wie Polen, Ukraine etc. Nord Stream 2 stark kritisieren. Die Argumente ähneln denen beim Bau von Nord Stream vor einigen Jahren. Letztlich kann man viele mit der Kernaussage, dass Europa einen stark wachsenden Energiebedarf hat, bereits entkräften.

Was bedeutet das nun alles für Gazprom-Aktionäre?

Fest steht, dass die Pipeline erst mal viel Geld kostet. Experten reden von Amortisationszeiten von bis zu 20 Jahren. Dennoch setzt sich Gazprom damit als wichtigster Gas-Lieferant der EU weiter von der Konkurrenz ab. Zudem baut der Konzern seine Exporte Richtung China massiv aus. Auch dieser Markt wächst stark und die Chinesen fördern viel zu wenig Gas im Verhältnis zum Bedarf.

Aktuell liegt die Aktie bei 6,90 Euro (25.10.19). Das KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis) liegt derzeit bei ca. 4. Zum Vergleich: Das KGV von Shell lag zum Jahresabschluss 2018 mit 10,4 mehr als doppelt so hoch. Gazprom ist demnach sehr niedrig bewertet und hat noch viel Potenzial. Auch die Dividende kann sich sehen lassen. Hier sollte man jedoch beachten, dass auch der Rubelkurs einen entscheidenden Einfluss auf die Höhe der Dividende hat. Dieses Jahr gab es 0,47 Euro je Aktie, was beim aktuellen Kursniveau eine Rendite von etwas mehr als 7 % bedeutet.

Mein Fazit zu Gazprom

Alle Vorzeichen sehen nach viel Potenzial aus. Dennoch bleibt die Aktie unter anderem aufgrund der politischen Situation nur etwas für mutige Dividendenjäger.

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Sören Edelmann besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien. 

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