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Die geplante Allianz von Fiat und Peugeot verweist auf das Ende vom Anfang der Automobilindustrie

Bild: Continental AG

Die Autobranche ist im Umbruch und das Zusammenrücken von Mitbewerbern zur Formation von gigantischen Allianzen ist ein deutliches Anzeichen dafür, dass ein hundertjähriger Zyklus bald zu Ende geht. Danach beginnt etwas völlig Neues mit anderen Regeln und neuen Herausforderern. Nicht alle sind dafür gerüstet. Anleger müssen deshalb aufmerksamer den je die strategischen Schritte von Konzernen wie Volkswagen (WKN: 766403), Daimler (WKN: 710000) und Tesla (WKN: A1CX3T) analysieren.

Das Ende ist nah

Mein Kollege Marlon Bonazzi hat kürzlich eindrücklich über die Idee geschrieben, dass beim Internet der Anfang vom Ende vor uns liegen könnte. Damit war grob zusammengefasst gemeint, dass die Möglichkeiten des klassischen bildschirmfokussierten Internets mittlerweile weitgehend ausgereizt sind und nun eine neue Epoche ihre Schatten vorauswirft, in der Gegenstände, Systeme, Datenströme und virtuelle Welten viel enger und intelligenter miteinander verknüpft sind.

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Etwas ganz Ähnliches trifft vielleicht auch auf die Automobilindustrie zu. Es sind nun 100 Jahre vergangen, seit die Industrialisierung der Pkw-Herstellung einsetzte. Seither hat sich eine mächtige Industrie entwickelt mit einem vielfältigen Ökosystem aus Händlern, Dienstleistern, Zulieferern sowie Maschinen- und Anlagebauern. Das Auto selbst hat sich jedoch eigentlich im Kern nur kosmetisch verändert – mehr Power, mehr Elektronik und mehr Digitales, aber letztlich immer noch das gleiche Prinzip mit Verbrennungsmotor, vier Rädern, Lenkrad und typischerweise fünf Sitzplätzen.

Gleichzeitig stößt die Globalisierung der Branche so langsam an ihre Grenzen. Die mögliche Allianz von Peugeot (WKN: 852363) (Groupe PSA) mit Fiat Chrysler Automobiles (WKN: A12CBU) (FCA) ist schließlich nur ein weiterer Konzentrationsprozess von vielen, die wir in den letzten Jahren gesehen haben:

  • Subaru, Suzuki und Daihatsu ordnen sich bei Toyota (WKN: 853510) ein.
  • Renault (WKN: 893113) macht mit Nissan (WKN: 853686) und Mitsubishi.
  • Volkswagen vertieft die Zusammenarbeit mit Ford (WKN: 502391).
  • Viele der koreanischen Marken wie SsangYong, Daewoo und Samsung haben längst bei internationalen Gruppen Unterschlupf gefunden, genauso wie fast alle britischen Automarken.
  • Die großen chinesischen Spieler sind fast alle ebenfalls in internationale Allianzen integriert, wobei Geelys (WKN: A1CS02) Mutterkonzern selbst als Konsolidierer auftritt und gleichzeitig die Nähe zu Daimler (WKN: 710000) sucht.

Nun steht als eine italienisch-französische Liaison an. Mittlerweile fällt mir außer Honda (WKN: 853226) kaum noch eine andere bedeutende Traditionsmarke ein, die nicht Teil einer gigantischen Mehrmarkengruppe wäre.

Was die neue Epoche bringt

Es ist nicht leicht, vorauszusehen, wie die Zukunft der Mobilität tatsächlich aussehen wird. Ziemlich sicher ist jedoch, dass die bisher getrennten Welten von Taxi, Individualverkehr und ÖPNV zunehmend verschmelzen werden. Verkehrsmittel werden in einigen Jahren geteilt wie ein Bus oder Zug, bringen dich aber fahrplanunabhängig zu jeder Tageszeit an dein individuelles Ziel, zu günstigen Kosten, lokal emissionsfrei und ohne Chauffeur.

Wenn das gelingen soll, dann braucht es eine Menge Intelligenz und Flexibilität im Verkehrssystem. Fahrzeuge müssen sich auf die Bedürfnisse wechselnder Fahrgäste einstellen können und die Verknüpfung der Verkehrsmittel sowie die Steuerung der Routen muss ein neues Niveau erreichen. Vielleicht kommen auch neuartige Verkehrsmittel wie das Flugtaxi, Hyperloops oder frei zu größeren Einheiten verkettbare autonom fahrende Module hinzu. Aussichtsreiche Konzepte gibt es zuhauf.

Wer profitieren wird

Noch sind allerdings gewaltige Aufgaben zu lösen und es ist keinesfalls gesichert, dass die etablierten Hersteller die richtigen Lösungen in der Hinterhand haben. Mittlerweile verfügt jeder größere Zulieferer und zahlreiche Startups über Technologieträger und autonome People Mover. Jeder, der genug Kapital auftreiben kann, könnte solche Fahrzeuge als Bausteine für ein neues übergreifendes Personentransportsystem nutzen.

Zudem denkt Tesla (WKN: A1CX3T) bereits in größeren Dimensionen und will die autonomen Fähigkeiten seiner Autos schon bald für Robotaxi-Services nutzbar machen. Es eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Sie zu realisieren erfordert jedoch größte Anstrengungen. Gerade deshalb müssen die etablierten Hersteller ihre Ressourcen zusammenführen und sich auf ihre ureigene Stärke besinnen: die Schaffung von Größenvorteilen.

Das geht in einem Vielmarkenreich, wie es die Volkswagen-Gruppe besitzt, natürlich viel besser als bei einer auf sich alleine gestellten Marke. Weil das mittlerweile allen bewusst ist, sehen wir den oben beschriebenen Konzentrationsprozess. Noch immer sind jedoch deutliche Unterschiede festzustellen: Während das Team aus VW und Ford einfach alles abdeckt, vom Kleinstwagen über Pickups und Transporter bis hin zu Luxusschlitten jeder Art, sind bei anderen deutliche Lücken zu erkennen.

PSA und FCA zielen zum Beispiel auf Volumenmärkte, weshalb sie nicht über die margenstarken Oberklassemodelle verfügen, die neuen Technologien zur Markteinführung verhelfen. BMW auf der anderen Seite tummelt sich primär im Premiumsegment und hat so nur eingeschränkte Möglichkeiten, um Innovationen über große Stückzahlen für ein breiteres Publikum bezahlbar zu machen.

Dass BMW etwa bei der Brennstoffzelle mit Toyota kooperiert und bei digitalen Diensten mit Daimler, ist daher nur eine logische Konsequenz. Wahrscheinlich kommt da noch mehr, wenn BMW sich in dieser Zeitenwende erfolgreich behaupten will. Größenvorteile und eine proaktive gestaltende Rolle für die Mobilität der Zukunft sehe ich als entscheidend an. Die Chancen sind riesig, aber letztlich wird es auch Verlierer geben. Schau dir daher lieber genauer an, wer überzeugende Konzepte präsentiert – und wer vielleicht nur Geld verbrennt.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Tesla.

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